Die Bundesregierung will Entscheidungen zur nationalen Sicherheit künftig stärker im Kanzleramt bündeln und schneller ressortübergreifend vorbereiten. Am Dienstag stellte sie den Nationalen Sicherheitsrat als zentrales neues Gremium ihrer Sicherheitsarchitektur heraus, das seit August 2025 unter Leitung des Bundeskanzlers besteht. Der Rat soll Fragen der inneren, äußeren, wirtschaftlichen und digitalen Sicherheit zusammenführen und auch bei ziviler und militärischer Verteidigung eine Scharnierfunktion übernehmen. Damit reagiert Berlin auf eine Sicherheitslage, in der klassische Außenpolitik, Krisenmanagement und staatliche Resilienz immer enger zusammenrücken.
Ein neues Zentrum für Sicherheitsentscheidungen
Der Nationale Sicherheitsrat ist als Kabinettausschuss angelegt und soll Informationen aus der gesamten Bundesregierung in einem gemeinsamen Lagebild verdichten. Auf dieser Grundlage sollen politische Entscheidungen vorbereitet und, soweit rechtlich möglich, auch direkt im Gremium getroffen werden.
Das ist der Kern der Reform: Sicherheitsfragen sollen nicht länger getrennt nach Ressorts behandelt werden, sondern in einem einzigen politischen Rahmen zusammenlaufen. Im Blick stehen dabei ausdrücklich die Schnittstellen zwischen innerer und äußerer Sicherheit, zwischen Wirtschaft und Verteidigung sowie zwischen analoger und digitaler Bedrohungslage.
Drei Aufgaben stehen im Mittelpunkt
Die Bundesregierung gibt dem Nationalen Sicherheitsrat drei Hauptaufgaben. Erstens soll er aktuelle Informationen bündeln und zu einem integrierten Lagebild verarbeiten. Zweitens soll er strategische Vorausschau leisten, also mittel- und langfristige Bedrohungen früher erkennen und politische Handlungsoptionen entwickeln. Drittens soll er die Resilienz des Staates stärken, etwa durch Krisensimulationen und sicherheitspolitische Übungen.
Damit bekommt das Gremium eine deutlich breitere Rolle als reine Krisenreaktion. Es soll nicht nur auf akute Lagen antworten, sondern Sicherheitspolitik vorausschauend mitgestalten. Dazu gehört auch die Fortschreibung der Nationalen Sicherheitsstrategie.
Kanzleramt wird zur Schaltstelle
Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates ist der Bundeskanzler. Zum festen Mitgliederkreis gehören unter anderem die Minister für Finanzen, Auswärtiges, Inneres, Verteidigung und Digitales sowie die Ministerinnen für Wirtschaft, Justiz und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Auch der Chef des Bundeskanzleramts gehört dem Gremium an.

Unterstützt wird der Rat durch eine eigene Stabsstelle im Bundeskanzleramt. Sie arbeitet mit drei Schwerpunkten: integriertes Lagebild, strategische Vorausschau und Planung sowie Geschäftsstelle. Die beteiligten Ressorts können dafür Verbindungsbeamte und Verbindungsoffiziere entsenden.
Länder, NATO und EU können einbezogen werden
Auffällig an der neuen Konstruktion ist der breite Kreis möglicher Teilnehmer. Neben weiteren Bundesressorts können auch Vertreter der Länder hinzugezogen werden. Ebenso ist vorgesehen, Fachleute aus Denkfabriken, Stiftungen und der Wissenschaft einzubinden.

Darüber hinaus kann der Nationale Sicherheitsrat auch Vertreter verbündeter Staaten, der Europäischen Union, der NATO und weiterer internationaler Organisationen einladen. Damit rückt die Bundesregierung die deutsche Sicherheitspolitik noch sichtbarer in internationale Zusammenhänge.
Gerade für außen- und afrikapolitische Fragen ist das relevant, weil Krisen, Migration, Energie, Cyberbedrohungen oder maritime Sicherheit längst nicht mehr sauber voneinander zu trennen sind.
Auch Rüstungsexporte laufen künftig über das neue Gremium
Mit dem Nationalen Sicherheitsrat gehen auch bisher getrennte Zuständigkeiten in einer neuen Struktur auf. Die Aufgaben des Bundessicherheitsrates, insbesondere bei der Rüstungsexportkontrolle, sowie die Aufgaben des Sicherheitskabinetts werden in das neue Gremium überführt.
Das verleiht dem Rat zusätzlich politisches Gewicht. Er ist damit nicht nur ein Forum zur Abstimmung, sondern ein Ort, an dem zentrale sicherheitspolitische Entscheidungen zusammenlaufen.
Regelmäßig, aber auch in der Krise kurzfristig
Der Nationale Sicherheitsrat soll regelmäßig zu strategischen Themen tagen, kann aber auch kurzfristig bei Krisen zusammentreten. Die beteiligten Ministerien können Themen für die Tagesordnung vorschlagen. Ein vorgelagerter Vorbereitungsausschuss unter Leitung des Chefs des Bundeskanzleramts koordiniert die laufenden Arbeiten.
Neu ist auch, dass der Rat Beschlüsse veröffentlichen kann. Die Bundesregierung will damit Entscheidungen sichtbarer machen und die Öffentlichkeit gezielter informieren.
Für Berlin ist der Nationale Sicherheitsrat damit mehr als ein weiteres Gremium. Er markiert den Versuch, Deutschlands Sicherheitspolitik enger zu verzahnen und das Kanzleramt zum zentralen Knotenpunkt für Krisensteuerung, Strategie und Resilienz auszubauen.

