Boko Haram begeht Anschlagserie in Maiduguri

Mehrere Explosionen haben die nigerianische Stadt Maiduguri erschüttert und mindestens 23 Menschen getötet. Die Polizei meldete am Dienstag zudem 108 Verletzte nach drei Anschlägen in der Hauptstadt des Bundesstaats Borno. Nach Angaben von Sicherheitsbehörden deutet vieles auf koordinierte Selbstmordanschläge der Boko Haram hin. Die Angriffe trafen einen Markt, den Eingang des Universitätsklinikums von Maiduguri und den Bereich am Post-Office-Flyover.

Die Detonationen ereigneten sich am Montagabend gegen 19.24 Uhr. Nigerias Präsident Bola Tinubu reagierte am Dienstag mit der Anweisung an die Sicherheitschefs, nach Maiduguri zu reisen und die Lage vor Ort zu übernehmen. Auch die Armee verschärfte ihre Warnung und erklärte, es könnten weitere Attentäter in die Stadt eingeschleust worden sein.

Sicherheitsbehörden warnen vor weiteren Anschlägen

Die nigerianische Armee macht mutmaßliche Boko-Haram-Attentäter für die Explosionen verantwortlich. Der Sprecher der Operation Hadin Kai erklärte, die Angriffe seien an drei verschiedenen Orten mit improvisierten Sprengsätzen ausgeführt worden. Ziel seien stark frequentierte öffentliche Bereiche gewesen, um möglichst viele Opfer zu verursachen und in der Stadt Panik auszulösen.

Zugleich warnte das Militär vor weiteren Gefahren. Erste Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass mehrere Selbstmordattentäter nach Maiduguri gebracht worden sein könnten, um koordinierte Anschläge an belebten Orten auszuführen. Sicherheitskräfte hätten ihre Überwachung, Patrouillen und Maßnahmen zur Sprengstoffabwehr in der Stadt deshalb ausgeweitet.

Polizei bestätigt hohe Opferzahl

Die Polizei im Bundesstaat Borno sprach von 23 Todesopfern und 108 Verletzten. Ein gemeinsamer Einsatz von Polizeispezialeinheiten, Militär und weiteren Sicherheitskräften habe die betroffenen Orte abgesperrt und durchsucht, um weitere Gefahren auszuschließen.

Verletzt wurden die Menschen laut Polizei und Armee in mehrere Kliniken gebracht, darunter das General Hospital, das Specialist Hospital und das University of Maiduguri Teaching Hospital. Einsatzkräfte der nationalen Katastrophenschutzbehörde NEMA sowie weitere Rettungsdienste übernahmen die Evakuierung.

Präsident ordnet Verlegung der Sicherheitschefs an

Präsident Tinubu bezeichnete die Anschläge als Teil verzweifelter Versuche von Terrorgruppen, Angst zu verbreiten. Er kündigte an, die Täter aufzuspüren und zu bekämpfen. Wörtlich erklärte er: „Es gibt keinen Ort in Nigeria, an dem Terroristen sicher sein werden. Wir werden sie aufspüren, uns ihnen stellen und sie vollständig besiegen.“

Zudem wies er die Notfallbehörden an, die Verletzten medizinisch zu versorgen. Tinubu verwies auch auf bereits genehmigte zusätzliche Ausrüstung und operative Unterstützung für die Sicherheitskräfte. Diese Maßnahmen seien bereits angelaufen.

Anschläge treffen eine Stadt mit brüchiger Ruhe

Maiduguri galt in den vergangenen Jahren wieder als vergleichsweise ruhiger als auf dem Höhepunkt der Gewalt in den 2010er Jahren. Die neuen Explosionen haben diese Phase jedoch abrupt beendet. Nach Polizeiangaben schlugen die Sprengsätze am Monday Market, am Tor des Universitätsklinikums und im Bereich des Post Office Flyover ein.

Augenzeugen schilderten Szenen der Panik. Der 27-jährige Modu Bukar sagte, nach der ersten Explosion auf dem Markt seien die Menschen in Angst davongelaufen. Während viele noch auf der Flucht gewesen seien, habe es im Bereich des Postamts eine weitere Explosion gegeben. Der 31-jährige Mala Mohammed berichtete, zahlreiche Menschen seien vom Markt in Richtung Postamt gerannt, weil der Weg dorthin nahe am Marktausgang liege. Dort sei ein weiterer Sprengsatz in die Menge getragen worden.

Regionalpolitiker und Afrikanische Union reagieren

Der Vorsitzende des Northern Senators Forum, Abdulaziz Yar’Adua, sprach von einem schockierenden und erschütternden Angriff. Das Gremium rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und forderte Unterstützung für die Sicherheitsbehörden. Yar’Adua erklärte, die Senatoren stünden in Solidarität an der Seite der Familien der Opfer und der Menschen in Maiduguri.

Auch die Afrikanische Union reagierte. Der Vorsitzende der Kommission, Mahmoud Youssouf, verurteilte die Selbstmordanschläge scharf und sprach Nigeria und den Angehörigen der Opfer seine Solidarität aus. Zugleich forderte die Kommission mehr internationale Unterstützung für Nigeria und die Region des Tschadbeckens, darunter humanitäre Hilfe, Kapazitätsaufbau, besseren Austausch von Geheimdienstinformationen sowie Investitionen in Stabilisierung und Entwicklung.

Gouverneur sieht Zusammenhang mit Militäroperationen

Bornos Gouverneur Babagana Zulum nannte die Anschläge barbarisch und verurteilte sie als Angriff auf Zivilisten. Nach seiner Darstellung könnte der jüngste Anstieg der Gewalt mit intensiven Militäroperationen im Sambisa-Wald zusammenhängen, einem bekannten Rückzugsraum extremistischer Gruppen.

Zulum rief die Bewohner zur Wachsamkeit auf, besonders an öffentlichen Orten und in Gotteshäusern. Er versicherte, Militär und andere Sicherheitsbehörden hätten die Lage im Blick und zusätzliche Maßnahmen eingeleitet, um weitere Sicherheitslücken in Maiduguri und im Bundesstaat zu verhindern.

Boko Haram und ISWAP verstärken den Druck im Nordosten

Die Anschläge fügen sich in eine Phase neuer Gewalt im Nordosten Nigerias ein. Boko Haram und die rivalisierende Gruppe Islamischer Staat in Westafrika, kurz ISWAP, haben ihre Angriffe zuletzt wieder verstärkt. Die seit 16 Jahren andauernde Gewalt hat mehr als 40.000 Menschen das Leben gekostet und rund zwei Millionen vertrieben.

Erst in der vergangenen Woche bestätigte die Armee koordinierte Angriffe auf mehrere Militärstützpunkte im Nordosten. Dabei wurden laut lokalen zivilen und militärischen Quellen mindestens 14 Menschen getötet, darunter zehn Soldaten. Bereits im Dezember hatte ein mutmaßlicher Selbstmordanschlag in einer Moschee in Maiduguri mindestens sieben Menschen getötet.

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