Ein Jahr Ministerin Alabali Radovan – BMZ richtet Entwicklungspolitik stärker auf Wirtschaft und Krisen aus

Ein Jahr nach Amtsantritt setzt Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan auf eine Reform des BMZ: strategischer, wirtschaftsnäher und stärker auf Krisen ausgerichtet. Im Fokus stehen Sudan, Nahost, Ukraine, Ernährungssicherung und neue Partnerschaften mit dem Globalen Süden.

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan will die deutsche Entwicklungspolitik nach ihrem ersten Amtsjahr strategischer, fokussierter und stärker partnerschaftlich ausrichten. Zum Jahrestag ihres Amtsantritts stellte sie die Reform des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als Antwort auf zunehmende geopolitische Spannungen dar. „Gerade in diesen Krisenzeiten bleibt Deutschland ein Garant der Verlässlichkeit“, erklärte die SPD-Politikerin. Schwerpunkte sind Ernährungssicherung, Krisenunterstützung, wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Stärkung multilateraler Strukturen.

Deutschland sucht neue Rolle in einer veränderten Weltordnung

Alabali Radovan übernahm das Entwicklungsministerium am 6. Mai 2025. Ein Jahr später verbindet sie die Reform des Hauses mit einer außenpolitischen Lage, die von Kriegen, Regelbrüchen und globaler Unsicherheit geprägt ist.

„Jeder einzelne Tag des vergangenen Regierungsjahres hat es deutlicher gemacht: Die Welt ist in einem massiven Umbruch. Geopolitische Spannungen nehmen zu, die zunehmende Missachtung internationaler Regeln sorgt weltweit für große Unsicherheit“, erklärte die Ministerin.

Die Entwicklungspolitik soll nach ihrem Kurs enger mit Fragen von Sicherheit, Stabilität und wirtschaftlicher Stärke verknüpft werden. Alabali Radovan sagte: „Mit unserer Entwicklungspolitik übernehmen wir Verantwortung, vertiefen Partnerschaften und stärken damit Deutschlands Rolle in der Welt. Unsere Mittel für Entwicklungspolitik sind Investitionen in wirtschaftliche Stärke, Stabilität und Frieden.“

Vier Reformziele für das Ministerium

In Regierungskreisen wird die Neuausrichtung des Entwicklungsministeriums mit vier übergeordneten Zielen beschrieben. Dazu gehören die Bekämpfung von Armut, Hunger und Ungleichheit, die Förderung von Frieden und Stabilität, eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie der Ausbau strategischer Allianzen im multilateralen System.

Ein Schwerpunkt liegt auf Ernährungssicherheit. Mit der Initiative „Sichere Ernährung – stark fürs Leben“ setzt das Ministerium stärker auf Schulernährung, Mutter-Kind-Gesundheit und internationale Partnerschaften. Der „School Meals Accelerator“ soll in den kommenden Jahren 100 Millionen Kindern weltweit Zugang zu gesundem Schulessen und Bildung ermöglichen.

In Sierra Leone informierte sich Alabali Radovan im Januar über Projekte zur Ernährungssicherung. Dabei ging es um Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen und internationalen Organisationen, darunter das Welternährungsprogramm und die Deutsche Welthungerhilfe. Für zivilgesellschaftliche Vorhaben zu Schulernährung und Mutter-Kind-Gesundheit wurde ein Sonderaufruf in Höhe von 10 Millionen Euro gestartet.

Sudan, Nahost und Ukraine prägen Krisenpolitik

Die Entwicklungszusammenarbeit bleibt in mehreren Krisenregionen engagiert. Für den Sudan und von der Krise betroffene Nachbarländer wurden Ende 2025 rund 155,4 Millionen Euro bereitgestellt. Bei der Sudankonferenz in Berlin im April 2026 kamen weitere 20 Millionen Euro hinzu. Das Geld soll den Zugang zu Wasser, Gesundheit, Bildung und Ernährung verbessern.

Im Nahen Osten stellte das Ministerium ein Unterstützungspaket von 177 Millionen Euro für Menschen im Libanon, in Syrien, Jordanien, Gaza und im Westjordanland zusammen. Finanziert werden Unterkünfte, Beschäftigungsförderung, berufliche Bildung und lokale Lebensmittelproduktion.

Für die Ukraine stellt das Entwicklungsministerium 233 Millionen Euro an neuen Mitteln bereit. Bei den deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen im April 2026 in Berlin wurde unter anderem eine Initiative zum Wiederaufbau der ukrainischen Industrie vereinbart. Die Mittel fließen in Energieinfrastruktur, Katastrophenschutz, Ausbildung von Fachkräften und sozialen Wohnungsbau.

Wirtschaft rückt stärker in den Fokus

Die Reform setzt auch auf engere Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft. Im Oktober 2025 legte Alabali Radovan den Aktionsplan „Wirtschaft und Entwicklung – Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit“ vor. Ziel ist ein besserer Zugang deutscher Unternehmen zu Märkten im Globalen Süden, auch über Förderinstrumente und Vergabeverfahren.

Der Kurs betrifft besonders Rohstoffe, Energie und Fachkräfte. Aus dem Ministerium wird die Zusammenarbeit mit strategischen Partnern im Globalen Süden als Teil der deutschen Interessenpolitik beschrieben. Dazu gehört auch die Fachkräfteallianz WeFair, die faire Rekrutierung fördern und staatliche sowie privatwirtschaftliche Akteure zusammenbringen soll.

Auch Handelsbeziehungen mit Afrika stehen auf der Agenda. Die Ratifizierung von Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit Ghana, Côte d’Ivoire, Zentralafrika und der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas wurde auf den Weg gebracht.

Globale Gesundheit und multilaterale Strukturen

Deutschland bleibt nach Darstellung der Ministerin auch in der globalen Gesundheitspolitik engagiert. Die Bundesregierung sagte eine Milliarde Euro für die Wiederauffüllung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie der globalen Impfallianz Gavi zu.

Das Entwicklungsministerium will zugleich globale Gesundheitsstrukturen reformieren und Doppelstrukturen abbauen. In die Zusammenarbeit werden auch Unternehmen der Gesundheitswirtschaft einbezogen, etwa bei Impfstoffen für Kinder in Krisenländern.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem VN-Standort Bonn. Die Ansiedlung weiterer Organisationen der Vereinten Nationen, insbesondere des Entwicklungsprogramms UNDP und von UN Women, soll Bonn als Standort für nachhaltige Entwicklung und internationale Zusammenarbeit stärken.

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