Der UN-Sicherheitsrat berät am Dienstag in geschlossenen Konsultationen über die neue Eskalation im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Anlass ist vor allem der Drohnenangriff auf Goma vom 11. März, bei dem ein UNICEF-Mitarbeiter und zwei weitere Zivilisten getötet wurden. Frankreich beantragte die Sitzung. Im Mittelpunkt stehen neben dem Angriff auch die stockende Waffenruhe und die Frage, wie die UN-Mission MONUSCO einen dauerhaften Waffenstillstand absichern kann.
Die Beratungen finden am 17. März statt. Ein Briefing ist nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen. Viele Ratsmitglieder dürften den Angriff auf Goma verurteilen und den Schutz von Zivilisten sowie humanitären Helfern in den Vordergrund stellen.
MONUSCO hatte kurz nach dem Angriff erklärt, Angriffe auf UN-Personal könnten nach dem Römischen Statut als Kriegsverbrechen gewertet werden. Die Mission rief die Konfliktparteien zugleich auf, die Kämpfe einzustellen, den Dialog in den Vordergrund zu rücken und die bisherigen Fortschritte der jüngsten Friedensbemühungen zu nutzen.
Goma-Angriff rückt in den Mittelpunkt

Der Angriff vom 11. März traf Goma, die Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, in einer Phase stark zunehmender Drohnenangriffe im Osten des Landes. Die genauen Umstände sind weiter unklar. Eine am 12. März innerhalb der Vereinten Nationen verbreitete interne Note hält fest, dass MONUSCO eine erste Einschätzung vorgenommen hat, ohne Verantwortung für den Vorfall zuzuschreiben.
Die Afrikanische Union und die Europäische Union forderten inzwischen eine unabhängige Aufklärung. Die kongolesische Regierung kündigte am 13. März eine Untersuchung an.
Waffenruhe bleibt brüchig
Paris will in der Sitzung auch die Bemühungen um einen dauerhaften Waffenstillstand zur Sprache bringen. Der Sicherheitsrat hatte bereits in Resolution 2808 vom 19. Dezember 2025 verlangt, dass alle Seiten ihre früheren Zusagen für eine „dauerhafte, wirksame und überprüfbare Waffenruhe“ ohne Verzögerung umsetzen.
Tatsächlich hat sich die Lage in den vergangenen Wochen trotz der im Doha-Prozess vereinbarten Feuerpause weiter verschärft. Die Regierung in Kinshasa und die M23-Rebellen werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Vereinbarungen vor.
Doha-Prozess und Kontrollmechanismus stehen unter Druck

Ein zentrales Thema der Sitzung dürfte deshalb auch der Aufbau des im Doha-Prozess vereinbarten Mechanismus zur Überwachung und Verifizierung der Waffenruhe sein. In einem Schreiben vom 27. Februar beschrieb UN-Generalsekretär António Guterres Fortschritte bei der Vorbereitung dieses Ceasefire Oversight and Verification Mechanism, kurz COVM.
MONUSCO unterstützt diesen Prozess bereits. Ende Februar entsandte die Mission gemeinsam mit der Internationalen Konferenz der Region der Großen Seen ein Erkundungsteam nach Uvira in Süd-Kivu. Dort sollten politische, sicherheitspolitische und logistische Bedingungen für eine mögliche Umsetzung des Mechanismus geprüft werden. Die Stadt war im Dezember 2025 von der M23 eingenommen worden, inzwischen hat sich die Gruppe von dort zurückgezogen.
Mehr Truppen und Technik für MONUSCO im Gespräch

Der Brief des Generalsekretärs empfiehlt einen „phasenweisen, anpassungsfähigen, skalierbaren und an Bedingungen geknüpften Ansatz“, um die Waffenruhe abzusichern. Vorgeschlagen werden zwei leichte Infanteriebataillone, ein schnell verlegbares Bataillon und ein erweitertes medizinisches Evakuierungsteam.
Dafür wären zwischen 1.500 und 2.500 zusätzliche Soldaten nötig, um Nord- und Süd-Kivu gleichzeitig zu unterstützen. Hinzu kommen unbemannte Aufklärungssysteme und schneller Zugang zu Satellitenbildern. Formal wäre das innerhalb der derzeit genehmigten Truppenobergrenze möglich, weil MONUSCO aktuell 8.131 Soldaten stellt, obwohl bis zu 11.500 mandatiert sind. Der Generalsekretär machte zugleich deutlich, dass zusätzliche Fähigkeiten nur mit ausreichender Finanzierung bereitgestellt werden können.
Im Sicherheitsrat wächst die Zurückhaltung
Frankreich sondiert bereits seit Tagen unter den Mitgliedern des Rates, wie auf diese Empfehlungen reagiert werden soll. Eigentlich war erwartet worden, dass der Sicherheitsrat das MONUSCO-Mandat per Resolution anpasst. Inzwischen scheinen mehrere Mitglieder dazu jedoch weniger bereit, solange die vereinbarte Waffenruhe auf dem Boden nicht umgesetzt ist.

Statt einer neuen Resolution könnte daher ein anderes Ratsprodukt in Betracht kommen. Damit könnten die Mitglieder auf die verschärfte Sicherheitslage reagieren, ihre Position zum Schreiben des Generalsekretärs festhalten und die Konfliktparteien erneut zu einer dauerhaften Waffenruhe drängen.
Kinshasa erhöht Druck auf M23 und Ruanda
Parallel zur Debatte im Sicherheitsrat erhöht die Demokratische Republik Kongo den militärischen und diplomatischen Druck auf die M23 und auf Ruanda. In einem Schreiben an den Rat vom 4. Februar forderte Kinshasa Strafmaßnahmen und warf Ruanda vor, gegen die am 4. Dezember 2025 unter Vermittlung der USA geschlossenen Washington Accords verstoßen zu haben.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt diese Linie durch neue US-Sanktionen. Washington belegte am 2. März vier hochrangige ruandische Militärvertreter sowie die Rwanda Defence Force als Institution mit Strafmaßnahmen. Die US-Regierung begründete dies mit einem Verstoß gegen die Washingtoner Vereinbarungen durch die „von Ruanda unterstützte M23“, nachdem die Gruppe kurz nach Unterzeichnung des Abkommens Uvira eingenommen hatte.
Ruanda wies die Entscheidung als einseitig zurück. Die Regierung in Kinshasa begrüßte sie.

