Madagaskars Präsident entlässt Premierminister und Regierung

Der Präsident von Madagaskar hat Premierminister Herintsalama Rajaonarivelo und das gesamte Kabinett entlassen. Die Entscheidung fällt wenige Monate nach dem Machtwechsel infolge der Protestbewegung gegen den früheren Präsidenten Andry Rajoelina.

Madagaskars Präsident Michael Randrianirina hat Premierminister Herintsalama Rajaonarivelo und die gesamte Regierung ihres Amtes enthoben. Das Präsidialamt teilte mit, dass das Kabinett aufgelöst wurde und ein neuer Regierungschef nach den verfassungsrechtlichen Verfahren ernannt werden soll.

Die Entscheidung wurde am 9. März in einer offiziellen Mitteilung der Präsidentschaft bekanntgegeben. Bis zur Bildung einer neuen Regierung übernehmen die Generalsekretäre der Ministerien die laufenden Amtsgeschäfte.

Regierungsumbildung wenige Monate nach Machtwechsel

Randrianirina war im Oktober 2025 an die Macht gekommen. Der damalige Oberst übernahm die Präsidentschaft nach einer Protestbewegung, die vor allem von jungen Aktivisten getragen wurde und den Rücktritt des früheren Präsidenten Andry Rajoelina erzwang.

Der Präsident kündigte nun an, dass in den kommenden Wochen ein neuer Premierminister ernannt werde. Die Ernennung muss nach den geltenden Verfahren mit der Nationalversammlung abgestimmt werden.

Wachsende Kritik aus Jugendbewegungen

Offizielle Gründe für die Entlassung des Premierministers nannte die Präsidentschaft nicht. In politischen Kreisen wird die Entscheidung jedoch mit zunehmendem Druck aus Teilen der Jugendbewegungen in Verbindung gebracht.

Der entlassene Premierminister Herintsalama Rajaonarivelo. Bild: Präsidentschaft Madagaskar

Aktivisten der sogenannten Generation Z hatten Anfang März die Regierung öffentlich kritisiert. Vertreter der Bewegung erklärten, viele der während der Proteste angekündigten politischen Veränderungen seien bisher nicht umgesetzt worden.

Einige Aktivisten warfen der Regierung zudem vor, dass weiterhin Persönlichkeiten aus dem Umfeld des früheren Präsidenten Einfluss auf politische Entscheidungen ausübten.

Forderungen nach institutionellen Reformen

Die Protestbewegung forderte zuletzt weitreichende institutionelle Veränderungen. Dazu zählen nach ihren Angaben die Auflösung der Nationalversammlung, der unabhängigen Wahlkommission sowie des Verfassungsgerichts.

Vertreter der Generation Z und der Generation Y erklärten, diese Institutionen würden nach ihrer Ansicht tiefgreifende politische Reformen behindern.

Viele der Aktivisten gehörten bereits zu den zentralen Organisatoren der Proteste im September 2025, die schließlich zum Machtwechsel in Antananarivo führten.

Parlament spielt Rolle bei Ernennung des neuen Regierungschefs

Die Bildung einer neuen Regierung hängt nun von den Mehrheitsverhältnissen im Parlament ab. Die Nationalversammlung muss Kandidaten für das Amt des Premierministers vorschlagen, bevor der Präsident eine Ernennung vornehmen kann.

Die Mehrheit im Parlament besteht aus Abgeordneten, die ursprünglich dem früheren Präsidenten Rajoelina nahestanden, nach dem politischen Umbruch jedoch ihre Unterstützung für die neue Führung erklärten.

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