Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten aus dem November 2025 definiert Afrikas Rolle primär über Rohstoffe und geopolitische Konkurrenz mit China. Demokratische Werte, Entwicklungszusammenarbeit und multilaterale Ansätze treten in den Hintergrund. Die Strategie steht im Kontext der zweiten Amtszeit von Donald Trump und markiert eine Fortsetzung einer transaktionalen US-Außenpolitik gegenüber afrikanischen Staaten. Wie das Institute for Security Studies analysiert, spiegelt sich dieser Ansatz bereits in konkreten politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen wider.
Nationale Sicherheitsstrategie der USA mit globalem Anspruch
Im November 2025 veröffentlichten die Vereinigten Staaten ihre neue Nationale Sicherheitsstrategie. Das Dokument beschreibt, wie Washington seine sogenannten Kerninteressen schützen will. Dazu zählt ausdrücklich das Ziel, die Vereinigten Staaten langfristig als stärkste, reichste und einflussreichste Nation der Welt zu positionieren. Neben innenpolitischen Prioritäten formuliert die Strategie auch, welche Erwartungen die USA an andere Weltregionen richten.
Zentrale Leitlinien sind wirtschaftlicher Protektionismus, die Sicherung eigener Lieferketten sowie die Betonung westlicher Identitätsvorstellungen im Kontext europäischer Sicherheit. Gleichzeitig verfolgt die Strategie das Ziel, den Einfluss von Rivalen in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Biotechnologie und Quantenforschung zu begrenzen. Multilaterale Kooperation wird dabei nachrangig behandelt.
Afrika am Rand der strategischen Planung
Afrika nimmt in der 29 Seiten umfassenden Sicherheitsstrategie lediglich einen begrenzten Raum ein. Der Kontinent wird in drei Absätzen am Ende des Dokuments behandelt. Dabei wird Afrika vor allem als Quelle kritischer Mineralien sowie als geopolitisches Wettbewerbsfeld gegenüber China dargestellt. Politische Reformen, demokratische Institutionen oder langfristige Entwicklungsziele spielen eine untergeordnete Rolle.

Nach Einschätzung des Institute for Security Studies verdeutlicht diese knappe Behandlung, dass Afrika aus US-Sicht vor allem funktional betrachtet wird. Der Fokus liegt auf wirtschaftlicher Verwertbarkeit und strategischem Nutzen, nicht auf partnerschaftlicher Zusammenarbeit.
Handelsdruck und politische Konditionalität
Konkrete Beispiele aus den vergangenen Monaten illustrieren diesen Ansatz. Im Januar 2026 verschob Kenia die Unterzeichnung eines Handelsabkommens im Umfang von rund einer Milliarde US-Dollar mit China. Berichten zufolge geschah dies unter politischem Druck aus Washington, während Nairobi auf die Verlängerung seiner Teilnahme am African Growth and Opportunity Act wartet. Das Handelsprogramm war im September ausgelaufen und wurde erst kürzlich wieder vom US-Repräsentantenhaus gebilligt.
Auch Sambia ist betroffen. Im Dezember 2025 verzögerten die USA die Freigabe von 1,5 Milliarden US-Dollar an Gesundheitsmitteln. Die Unterstützung wurde laut Berichten an den Zugang zu kritischen Mineralien geknüpft. Entwicklungszusammenarbeit wird damit an wirtschaftliche Gegenleistungen gebunden.
Abkehr von wertebasierter Politik
Die US-Strategie verzichtet weitgehend auf langfristige Verpflichtungen, insbesondere bei militärischen Engagements. Ausnahmen bilden zeitlich begrenzte Einsätze gegen islamistische Gruppen, etwa bei Luftangriffen in Nigeria am Weihnachtstag. Diese Maßnahmen werden im strategischen Kontext der Verteidigung westlicher Werte verortet.
Insgesamt verschiebt sich der Schwerpunkt von lebensrettender Hilfe und Demokratieförderung hin zu kurzfristigen Partnerschaften in den Bereichen Handel, Investitionen und Rohstoffförderung. Normative Ansätze werden als potenziell nachteilig für nationale Interessen bewertet.
Transaktionalismus als Leitprinzip der US-Afrika-Politik

Im Zentrum der neuen Sicherheitsstrategie steht ein transaktionales Verständnis von Diplomatie. Außenpolitik wird als Abfolge konkreter Gegenleistungen verstanden, nicht als langfristige Partnerschaft. Dieser Ansatz ist eng mit der Doktrin America First verbunden. Beziehungen werden bilateral und themenspezifisch gestaltet, multilaterale Formate verlieren an Bedeutung.
Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Washington Accords zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda, die im Dezember 2025 unter US-Vermittlung zustande kamen. Beide Staaten gewährten US-Unternehmen bevorzugten Zugang zu kongolesischen Mineralien. Im Gegenzug sagten die Vereinigten Staaten zu, einen Infrastrukturkorridor zu entwickeln, der Rohstoffregionen mit westlichen Märkten verbindet. Ziel ist es, Chinas Einfluss im Sektor zurückzudrängen.
Sicherheitspolitische Symbolik und begrenzte Wirkung
Trotz der politischen Inszenierung hielten die Kämpfe im Osten der Demokratischen Republik Kongo an. Rebellengruppen setzten ihre Offensive kurz nach der Unterzeichnung der Vereinbarung fort. Dies unterstreicht die begrenzte Wirksamkeit von Abkommen, die primär wirtschaftliche Interessen adressieren, während tief verwurzelte politische und ethnische Konflikte fortbestehen.
Ähnliche Dynamiken zeigen sich auch in anderen Ländern. Die US-Regierung schloss mit Staaten wie Südsudan, Ruanda und Eswatini Abkommen zur Rücknahme abgeschobener Personen. Diese Vereinbarungen koppeln finanzielle Anreize an migrationspolitische Zugeständnisse.
Bilaterale Abkommen und ihre Folgen für afrikanische Staaten
Eswatini unterzeichnete im Mai 2025 ein nicht bindendes Memorandum of Understanding mit den USA. Das Abkommen sah Zahlungen in Höhe von 5,1 Millionen US-Dollar für Grenz- und Migrationsmanagement vor, im Gegenzug zur Aufnahme von bis zu 160 Abgeschobenen. Im Dezember folgte ein weiteres bilaterales Abkommen im Rahmen der neuen America First Global Health Strategy. Das fünfjährige Programm mit einem Volumen von 242 Millionen US-Dollar umfasst den Zugang zu US-Technologie und zu Lenacapavir, einem in den USA entwickelten HIV-Präventionsmedikament.
Diese Vereinbarungen verdeutlichen die kurzfristige Ausrichtung der Kooperation. Sie sind abhängig von aktuellen US-Interessen und bieten nur begrenzte institutionelle Absicherung für die Partnerländer.
Regionale Spannungen und strukturelle Herausforderungen
Afrikanische Regierungen stehen vor der Herausforderung, kurzfristige wirtschaftliche Vorteile gegen langfristige politische und regionale Stabilität abzuwägen. Während einige Staaten ihre Verhandlungsposition nutzen können, gehen damit häufig wirtschaftliche und politische Kosten einher. Die transaktionale US-Politik macht bestehende Machtasymmetrien sichtbarer, ohne sie strukturell zu verändern.
Wie das südafrikanische Thinktank Institute for Security Studies festhält, verschärft dieser Ansatz bestehende Ungleichgewichte und Fragmentierungen innerhalb des Kontinents. Regionale Institutionen und koordinierte Strategien geraten dabei unter Druck.