Ein Bericht des Africa Center beim Atlantic Council skizziert eine strategische Ausweitung von Infrastruktur- und Rohstoffpartnerschaften zwischen den Vereinigten Staaten und afrikanischen Staaten entlang regionaler Bergbau- und Logistikkorridore. Die Analyse wurde im Februar 2026 veröffentlicht und stellt den sogenannten Lobito-Korridor als Referenzmodell für weitere Projekte in West-, Ost- und Südostafrika sowie für einen industriellen Verarbeitungsstandort in Nordafrika vor.
Im Zentrum steht die strategische Bedeutung afrikanischer kritischer Mineralien für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Versorgungssicherheit der Vereinigten Staaten. Der Bericht verbindet diese Rohstoffdimension mit konkreten Infrastrukturachsen, die Förderung, Transport, Energieversorgung und Verarbeitung systematisch miteinander verknüpfen sollen.
Kritische Mineralien im geopolitischen Kontext
Afrika verfügt über rund 30 Prozent der weltweit bekannten Mineralreserven. Nach Angaben des Atlantic Council kommen 32 der 50 vom United States Geological Survey als kritisch eingestuften Mineralien in substanziellen Mengen auf dem Kontinent vor. Dazu zählen Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo, Mangan aus Südafrika, Gabun und Ghana, Lithiumvorkommen in Simbabwe, der Demokratischen Republik Kongo und Mali sowie Bauxitreserven in Guinea. Sambia und die Demokratische Republik Kongo gehören zudem zu den wichtigsten Kupferproduzenten weltweit.

Der Bericht beschreibt die bisherige starke Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von verarbeiteten Mineralien aus China als strategische Verwundbarkeit. Afrikanische Partnerschaften könnten demnach dazu beitragen, Lieferketten breiter aufzustellen und alternative Verarbeitungs- und Transportrouten zu etablieren.
Der Lobito-Korridor als Referenz
Als zentrales Beispiel dient der Lobito-Korridor, der die Kupferregionen Sambias und der Demokratischen Republik Kongo mit dem angolanischen Atlantikhafen Lobito verbindet. Die historische Benguela-Bahn bildet das Rückgrat dieser Achse. Nach jahrzehntelanger Unterbrechung wurde die Strecke in den 2000er-Jahren wiederhergestellt. Seit 2023 betreibt ein internationales Konsortium die Strecke im Rahmen einer privatwirtschaftlichen Konzession.

Der Korridor umfasst nicht nur Schieneninfrastruktur, sondern auch Hafenmodernisierung, Energieprojekte, digitale Anbindung sowie grenzüberschreitende Koordinierungsmechanismen zwischen Angola, der Demokratischen Republik Kongo und Sambia. Der Atlantic Council beschreibt dieses Zusammenspiel aus regionaler Abstimmung, öffentlich-privater Partnerschaft und internationaler Finanzierung als übertragbares Modell.
Liberty-Korridor in Westafrika
Als erstes weiteres Projekt nennt der Bericht den geplanten Liberty-Korridor zwischen Guinea und Liberia. Guinea verfügt über die weltweit größten Bauxitreserven und bedeutende Eisenerzvorkommen. Der Korridor soll das Eisenerzgebiet in Guinea mit der liberianischen Küste verbinden und dabei bestehende Bahn- und Hafeninfrastruktur nutzen und erweitern.

Die Initiative basiert auf einem Mehrnutzer-Modell, das mehreren Unternehmen Zugang zur Infrastruktur ermöglicht. Grundlage sind bilaterale Vereinbarungen zwischen Guinea und Liberia, die den grenzüberschreitenden Transport von Mineralien über liberianische Häfen erlauben.
Nördlicher Korridor in Ostafrika
Der Nördliche Korridor verbindet den Hafen Mombasa in Kenia mit Uganda, Ruanda, Burundi, Südsudan und dem Osten der Demokratischen Republik Kongo. Er gilt als wichtigste Handelsachse Ostafrikas. Die Region der Großen Seen ist reich an sogenannten 3T-Mineralien, also Zinn, Wolfram und Tantal.

Der Bericht hebt hervor, dass der Korridor bereits über funktionierende Infrastruktur verfügt, jedoch Effizienzpotenzial bei Grenzabfertigung, Interoperabilität der Verkehrssysteme und Anbindung rohstoffreicher Binnenregionen besteht. Trotz umfangreicher chinesischer Investitionen in Teilabschnitte sieht der Atlantic Council Raum für zusätzliche internationale Beteiligung.
Nacala-Korridor im südöstlichen Afrika
Der Nacala-Korridor verbindet das nördliche Mosambik über Malawi mit Sambia und verfügt mit dem Hafen Nacala über einen Tiefseezugang zum Indischen Ozean. Ursprünglich für Kohleexporte aus dem Moatize-Becken konzipiert, könnte die Infrastruktur künftig auch für Graphit, Rutil, Kupfer und weitere kritische Mineralien genutzt werden.
Mosambik hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Investitionen im Energiesektor angezogen, insbesondere im Flüssigerdgasbereich. Der Bericht stellt einen Zusammenhang zwischen wachsender Energieinfrastruktur und potenzieller Mineralverarbeitung her. Auch japanische Finanzierungszusagen für Projekte entlang des Nacala-Korridors werden als stabilisierender Faktor genannt.
Marokko als industrieller Verarbeitungsstandort
Neben linearen Transportkorridoren analysiert der Bericht Marokko als potenziellen kontinentalen Verarbeitungs- und Produktionshub für Batteriematerialien und Vorprodukte. Das Land verfügt über eine etablierte Automobilindustrie, wettbewerbsfähige Strompreise und einen wachsenden Anteil erneuerbarer Energien. Zudem besteht ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten.

Mehrere internationale Unternehmen aus dem Batteriebereich haben Investitionen in Marokko angekündigt oder umgesetzt. Der Atlantic Council beschreibt das Land als möglichen Aggregations- und Verarbeitungsstandort für afrikanische Rohstoffe mit Exportorientierung in europäische und US-amerikanische Märkte.
Institutionelle Vorschläge
Der Bericht schlägt vor, bilaterale Rohstoffabkommen künftig stärker über regionale Korridorstrukturen zu organisieren. Öffentliche und private Finanzierung solle gebündelt werden. Die US Development Finance Corporation und afrikanische Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen könnten enger kooperieren. Zudem werden regionale Kompaktprogramme der Millennium Challenge Corporation als Instrument genannt, um grenzüberschreitende Infrastruktur und regulatorische Harmonisierung zu unterstützen.

Darüber hinaus empfiehlt die Analyse technologische Kooperationen in den Bereichen Geodaten, Lieferkettennachverfolgung und digitale Logistiksysteme, um Investitionsrisiken zu senken und Transparenz zu erhöhen.
Der Atlantic Council beschreibt Bergbau- und Logistikkorridore als Plattformen, die Rohstoffförderung, Energieversorgung, Transport und industrielle Wertschöpfung miteinander verbinden und so die wirtschaftliche Integration afrikanischer Regionen vertiefen können.