Die Vereinigten Staaten haben am 22. Januar 2026 den Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation WHO abgeschlossen. Das US-Gesundheitsministerium und das Außenministerium begründen den Schritt mit Vorwürfen gegen das Krisenmanagement der WHO in der frühen Phase der COVID-19-Pandemie, fehlenden Reformen und politischer Einflussnahme von Mitgliedstaaten. Die WHO weist zentrale Kritikpunkte zurück, bedauert den Austritt und kündigt an, dass die Mitteilung in den zuständigen WHO-Gremien ab Anfang Februar beraten wird.
US-Regierung begründet WHO-Austritt mit COVID-19, Reformdefiziten und politischer Einflussnahme
Nach Darstellung der US-Regierung ist der Austritt das Ergebnis eines einjährigen Prozesses, der mit der Ankündigung von Präsident Donald Trump am 20. Januar 2025 begann. In dieser Phase hätten die USA die Finanzierung der WHO eingestellt, Personal abgezogen und Aktivitäten, die zuvor über die WHO liefen, in bilaterale Formate mit anderen Staaten und Organisationen verlagert. Washington erklärt, die Zusammenarbeit mit der WHO werde künftig auf eine begrenzte Koordination reduziert, die dem Vollzug des Austritts dient.

Inhaltlich stützt die US-Seite den Schritt auf mehrere, teils miteinander verknüpfte Argumentationslinien. Erstens habe die WHO in der Frühphase von COVID-19 eine globale Gesundheitsnotlage und die Pandemie zu spät erklärt, wodurch weltweit „kritische Wochen“ verloren gegangen seien. Zweitens habe die WHO Risiken wie asymptomatische Übertragung und eine mögliche luftgestützte Verbreitung nicht früh genug anerkannt. Drittens verweist Washington auf die Bewertung der möglichen Ursprünge von COVID-19. Die US-Regierung kritisiert, die WHO habe alternative Hypothesen, darunter die Möglichkeit eines Laborursprungs, zurückgewiesen, obwohl China nach US-Darstellung relevante Informationen nicht vollständig bereitgestellt habe. Viertens wird betont, die WHO habe nach der Pandemie keine „bedeutenden“ Reformen umgesetzt, um politische Einflussnahme, Governance-Schwächen und Defizite in der Koordination zu adressieren.
Im gemeinsamen Statement von Außenminister Marco Rubio und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy, Jr. wird der Austritt zudem als grundsätzliche Abkehr von einer als politisiert dargestellten WHO beschrieben. Zugleich wird angekündigt, die USA wollten ihre globale Gesundheitsrolle fortsetzen, allerdings stärker über direkte Partnerschaften mit Staaten, privaten Akteuren, Nichtregierungsorganisationen und faith-based entities. Als Prioritäten nennt die US-Seite Notfallreaktion, Biosecurity-Koordination und Gesundheitsinnovation.
WHO bedauert Austritt und widerspricht: „Das Gegenteil ist richtig“
Die WHO reagierte am 24. Januar 2026 mit einer ausführlichen Erklärung. Darin wird der US-Austritt ausdrücklich bedauert und als Entscheidung bezeichnet, die die USA und die Welt „weniger sicher“ mache. Gleichzeitig weist die WHO den Vorwurf zurück, sie habe die USA „getrasht“ oder „tarnished“ und ihre Unabhängigkeit kompromittiert. Die Organisation erklärt, sie habe stets in gutem Glauben und unter Achtung der Souveränität der Vereinigten Staaten zusammengearbeitet.

Für die Bewertung der COVID-19-Reaktion führt die WHO konkrete Zeitmarken an. Demnach habe die Organisation nach den ersten Berichten über eine Häufung von Fällen einer „Pneumonie unbekannter Ursache“ in Wuhan am 31. Dezember 2019 Informationen angefragt und ein internes Incident-Management-System aktiviert. Bis zum ersten gemeldeten Todesfall am 11. Januar 2020 habe die WHO die Welt über formale Kanäle, öffentliche Statements und soziale Medien informiert, Expertinnen und Experten zusammengebracht und Leitlinien für Staaten veröffentlicht. Die Ausrufung einer „public health emergency of international concern“ am 30. Januar 2020 bezeichnet die WHO als höchste Alarmstufe im Rahmen der International Health Regulations. Zum Zeitpunkt dieser Erklärung habe es außerhalb Chinas weniger als 100 gemeldete Fälle und keine gemeldeten Todesfälle gegeben.
Die WHO betont außerdem, sie habe während der Pandemie Empfehlungen zu Masken, Impfstoffen und physischer Distanzierung gegeben, jedoch keine Maskenpflichten, Impfpflichten oder Lockdowns empfohlen. Politische Entscheidungen seien durch souveräne Regierungen getroffen worden. Parallel verweist die WHO auf interne und externe Reviews nach der Pandemie sowie auf Schritte zur Stärkung der eigenen Arbeit und der Kapazitäten der Mitgliedstaaten in Vorbereitung und Reaktion auf künftige Gesundheitskrisen.
Globale Gesundheitsprogramme und Afrika-Bezug in der WHO-Erklärung
Die WHO stellt den Austritt in einen breiteren Kontext der bisherigen US-Rolle als Gründungsmitglied und als bedeutender Unterstützer zentraler globaler Gesundheitsinitiativen. Als Beispiele nennt die WHO Erfolge und Fortschritte bei Pocken, Polio, HIV, Ebola, Influenza, Tuberkulose, Malaria, vernachlässigten Tropenkrankheiten, antimikrobieller Resistenz und Lebensmittelsicherheit. Mehrere dieser Themen sind unmittelbar mit Programmen und Einsatzlogik in Afrika verknüpft, insbesondere bei Epidemie- und Ausbruchsreaktion sowie bei langfristigen Präventions- und Behandlungsstrukturen.
🚨 EFFECTIVE TODAY: The United States has exited the World Health Organization.
— The White House (@WhiteHouse) January 23, 2026
This fulfills President Trump’s commitment under an executive order signed one year ago, following the WHO’s mishandling of COVID-19 and its ongoing lack of reform, accountability, & transparency. pic.twitter.com/Xb2zNtBZwP
In der gleichen Erklärung verweist die WHO zudem auf den WHO Pandemic Agreement, der im Vorjahr von den Mitgliedstaaten angenommen worden sei. Aktuell werde außerdem ein Anhang zum Pandemic Agreement verhandelt, der ein Pathogen Access and Benefit Sharing System regeln soll, mit dem Ziel schneller Erkennung, Datenteilung und eines gerechteren Zugangs zu Impfstoffen, Therapeutika und Diagnostika.
UN-Sicht: Bedingungen der US-Mitwirkung und offener Status der Voraussetzungen
Im täglichen Pressebriefing der Vereinten Nationen vom 23. Januar 2026 wurde die Frage nach den Auswirkungen des US-Austritts aufgegriffen. Der stellvertretende UN-Sprecher Farhan Haq verwies darauf, dass die US-Beteiligung an der WHO von der Weltgesundheitsversammlung unter bestimmten Bedingungen akzeptiert worden sei. Diese Bedingungen umfassten nach seinen Angaben eine einjährige Kündigungsfrist und die vollständige Begleichung finanzieller Verpflichtungen. Die WHO habe dem UN-Generalsekretär als Depositar noch nicht bestätigt, dass diese Bedingungen erfüllt seien. Weitere Detailfragen seien daher an die WHO zu richten.
Die unterschiedlichen Linien sind damit klar abgesteckt: Während Washington den Austritt als abgeschlossen darstellt, betont die WHO den formalen Beratungsweg über Exekutivrat und Weltgesundheitsversammlung. Die WHO kündigt an, dass die Austrittsmitteilung im WHO-Exekutivrat ab 2. Februar und in der Weltgesundheitsversammlung im Mai 2026 behandelt wird.