Die USA und Nigeria haben ihre sicherheits- und religionspolitische Zusammenarbeit ausgeweitet. Anlass ist die erste Sitzung der gemeinsamen Arbeitsgruppe beider Länder, die am 22. Januar 2026 in Abuja stattfand. Im Zentrum der Gespräche standen die Lage der Religionsfreiheit, der Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen sowie eine verstärkte Kooperation im Bereich der inneren Sicherheit und Terrorismusbekämpfung.
Hintergrund: Einstufung Nigerias als „Country of Particular Concern“
Die bilaterale Arbeitsgruppe wurde nach der Einstufung Nigerias als „Country of Particular Concern“ durch US-Präsident Donald J. Trump im Rahmen des International Religious Freedom Act eingerichtet. Mit diesem Status verbindet Washington die Erwartung konkreter Schritte zur Eindämmung religiös motivierter Gewalt und zur Stärkung des verfassungsrechtlich garantierten Rechts auf freie Religionsausübung. Die neue Struktur soll einen kontinuierlichen politischen und operativen Austausch ermöglichen und bestehende Kooperationsformate bündeln.
Zusammensetzung der Delegationen und politischer Rahmen
Die nigerianische Delegation wurde vom Nationalen Sicherheitsberater Mallam Nuhu Ribadu geleitet und umfasste Vertreter aus zehn Ministerien und staatlichen Behörden. Die US-Seite entsandte Vertreter aus acht Bundesbehörden. Die Delegation wurde von der Unterstaatssekretärin für politische Angelegenheiten Allison Hooker geführt. Beide Seiten verwiesen zu Beginn auf die langjährige Partnerschaft zwischen Nigeria und den Vereinigten Staaten, die auf gemeinsamen Grundsätzen wie Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und nationaler Souveränität beruhe.
Schwerpunkte der Gespräche in Abuja
Nach Angaben der Arbeitsgruppe befassten sich die Beratungen mit einer breiten Palette strategischer Fragen. Ein Schwerpunkt lag auf der Verbesserung der Religionsfreiheit und der landesweiten Sicherheitslage. Die US-Delegation begrüßte dabei ausdrücklich Nigerias Darstellung zur Neuausrichtung sicherheitspolitischer Ressourcen, insbesondere in den North-Central-Staaten, die zuletzt verstärkt von Gewalt, Entführungen und Angriffen bewaffneter Gruppen betroffen waren.
U.S-Nigeria Joint Working Group Issues Statement.
— Government of Nigeria (@NigeriaGov) January 24, 2026
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Beide Regierungen bekräftigten ihre Verpflichtung, die Rechte auf Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und friedliche Versammlung zu schützen. Diese Rechte seien integraler Bestandteil der nigerianischen Verfassung und bildeten die Grundlage für gesellschaftliche Stabilität. Zugleich betonten die Teilnehmer die Notwendigkeit nachhaltiger und koordinierter Maßnahmen, um diese Grundrechte wirksam durchzusetzen.
Schutz vulnerabler Gruppen und Verantwortlichkeit
Ein zentrales Thema war der Schutz der Zivilbevölkerung, insbesondere von christlichen Gemeinschaften, die in mehreren Regionen Nigerias gezielt Opfer von Angriffen geworden sind. Die Arbeitsgruppe hob hervor, dass der Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen und die strafrechtliche Verfolgung der Täter entscheidend für das Vertrauen in staatliche Institutionen seien. Die US-Seite würdigte Nigerias kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage für gefährdete christliche Gemeinden sowie für Angehörige anderer Religionsgemeinschaften.
Terrorismusbekämpfung und operative Zusammenarbeit

Darüber hinaus vereinbarten beide Länder, ihre Zusammenarbeit im Bereich der Terrorismusbekämpfung weiter zu intensivieren. Vorgesehen sind unter anderem eine engere operative Kooperation, verbesserter Zugang zu sicherheitsrelevanter Technologie sowie verstärkte Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Auch der Ausbau polizeilicher und strafverfolgungsbehördlicher Kompetenzen wurde als gemeinsames Ziel benannt.
Aktuelle Sicherheitslage in Kaduna
Die Gespräche fanden vor dem Hintergrund jüngster Entführungen in Kaduna statt, bei denen mehr als 170 christliche Gläubige während eines Gottesdienstes verschleppt wurden. US-Vertreter forderten im Rahmen der Arbeitsgruppe eine Intensivierung der Schutzmaßnahmen für religiöse Gemeinschaften. Allison Hooker erklärte, anhaltende Angriffe auf religiöse Gruppen untergrüben erzielte Sicherheitsfortschritte und das Vertrauen der Bevölkerung. Ziel der bilateralen Zusammenarbeit sei es, Gewalt abzuschrecken, Täter zur Rechenschaft zu ziehen und Entführungen sowie Zwangsvertreibungen zu reduzieren, insbesondere in den North-Central-Staaten.
Mission Nigeria thanks @UnderSecStateP Allison Hooker for her visit to Abuja, where she joined Nigerian officials, religious leaders, and U.S. business leaders to strengthen cooperation on security, religious freedom, and economic growth. The United States remains committed to… pic.twitter.com/fldfnmEOuK
— U.S. Mission Nigeria (@USinNigeria) January 23, 2026
Nigerias Nationaler Sicherheitsberater Ribadu bezeichnete religiös motivierte Gewalt als Angriff auf den nigerianischen Staat. Er verwies auf ausgeweitete Militäreinsätze, verstärkte Ermittlungen und eine verbesserte Geheimdienstkoordination. Präsident Bola Ahmed Tinubu habe zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen genehmigt, um Angriffe auf religiöse Gemeinschaften konsequent zu verfolgen.
Weitere Zusammenarbeit zwischen USA und Nigeria
Zum Abschluss der Sitzung vereinbarten beide Seiten, die nächste Tagung der gemeinsamen Arbeitsgruppe in den Vereinigten Staaten abzuhalten. Der Termin soll über diplomatische Kanäle festgelegt werden. Wie aus der gemeinsamen Erklärung hervorgeht, soll die Arbeitsgruppe künftig als dauerhaftes Forum dienen, um Fortschritte zu überprüfen und weitere Schritte zur Förderung von Religionsfreiheit und Sicherheit zu koordinieren.