UN sieht „Kennzeichen von Völkermord“ in El Fasher

Unabhängige UN-Ermittler sehen in den Ereignissen rund um El Fasher im sudanesischen Bundesstaat Nord-Darfur deutliche Hinweise auf Völkermord. In einem am 19. Februar 2026 veröffentlichten Bericht kommt die Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass mindestens drei grundlegende Tatbestände erfüllt seien: die Tötung von Mitgliedern einer geschützten ethnischen Gruppe, die Verursachung schwerer körperlicher und seelischer Schäden sowie die vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen, die auf die physische Zerstörung der Gruppe abzielen.

18-monatige Belagerung und systematische Schwächung der Bevölkerung

Im Zentrum der Untersuchung stehen die Ereignisse vor und während der Einnahme von El Fasher durch die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) Ende Oktober 2025. Der Stadt war nach Darstellung der Ermittler eine rund 18-monatige Belagerung vorausgegangen. Diese habe den Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasser, medizinischer Versorgung und humanitärer Hilfe systematisch eingeschränkt und die Zivilbevölkerung geschwächt.

Als der Angriff begann, seien viele Bewohnerinnen und Bewohner aufgrund von Hunger, Trauma und eingeschränkter Bewegungsfreiheit nicht mehr in der Lage gewesen zu fliehen. Das Vorgehen stelle eine Verschärfung früherer Angriffe auf nicht-arabische Gemeinschaften in Darfur dar – diesmal jedoch in deutlich tödlicherem Ausmaß.

Ethnische Zielauswahl und dokumentierte Massengewalt

Der Bericht beschreibt ein Muster gezielter Angriffe auf Angehörige der ethnischen Gruppen der Zaghawa und Fur. Zeugenaussagen dokumentieren Massentötungen, systematische Vergewaltigungen, Folter, willkürliche Inhaftierungen und das Verschwindenlassen von Personen. Auch öffentliche Äußerungen von Tätern, in denen zur Eliminierung nicht-arabischer Gemeinschaften aufgerufen worden sei, werden als Indiz für gezielte Vernichtungsabsicht gewertet.

Die Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass aus dem Gesamtbild der dokumentierten Handlungen – Belagerung, Aushungern, gezielte Tötungen, sexualisierte Gewalt und Zerstörung – nur eine plausible Schlussfolgerung gezogen werden könne: Es habe die Absicht bestanden, die betroffenen Gemeinschaften ganz oder teilweise zu zerstören.

Warnung vor fortbestehendem Risiko

Die Ermittler warnen, dass das Risiko weiterer genozidaler Handlungen weiterhin hoch sei, solange keine wirksamen Präventions- und Rechenschaftsmechanismen greifen. Täter auf allen Ebenen müssten zur Verantwortung gezogen werden. Wo Anzeichen für Völkermord vorlägen, bestehe eine erhöhte Pflicht der internationalen Gemeinschaft zum Schutz der Zivilbevölkerung.

Sicherheitsrat warnt vor Ausweitung des Konflikts

Zeitgleich befasste sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage im Sudan. Hochrangige Vertreter warnten vor einer weiteren Regionalisierung des Konflikts. Die Kämpfe zwischen den sudanesischen Streitkräften und den RSF dauern seit April 2023 an und haben große Teile des Landes erfasst.

Berichte über Massengewalt, Belagerungen, Angriffe auf Zivilisten und eine dramatische humanitäre Lage bestimmten die Debatte. Mehr als zwölf Millionen Menschen sind nach Angaben von Mitgliedstaaten vertrieben worden. Über 34 Millionen gelten als auf humanitäre Hilfe angewiesen, während in Teilen von Darfur und Kordofan Hungersnotbedingungen gemeldet werden.

Mehrere Staaten sprachen sich für Sanktionen gegen Verantwortliche aus, andere betonten die Notwendigkeit einer sofortigen humanitären Waffenruhe und einer koordinierten Vermittlung. Gleichzeitig wurden Bedenken über externe Waffenlieferungen und grenzüberschreitende Dynamiken geäußert.

Die Untersuchungsergebnisse sollen am 26. Februar 2026 dem UN-Menschenrechtsrat vorgestellt werden.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share