Am Freitag traf Yoweri Kaguta Museveni im State House Entebbe auf Mohamed Hamdan Dagalo, bekannt als Hemedti, Kommandeur der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Es war Hemedtis erste öffentlich bestätigte Auslandsreise seit der Ausrufung einer von ihm geführten Parallelregierung im Oktober 2025.
Treffen mit politischer Symbolkraft
Museveni erklärte nach dem Gespräch, „Dialog und eine friedliche politische Lösung“ seien die einzigen nachhaltigen Wege zu Stabilität für Sudan und die Region. Er warnte vor „Identitätspolitik“ und plädierte für afrikanisch geführte Vermittlungsansätze.

Hemedti dankte dem ugandischen Präsidenten für die Gastfreundschaft und bezeichnete ihn als „weisen Mann Afrikas“. Er verwies auf die humanitären und institutionellen Herausforderungen im Sudan und stellte eine künftige Zusammenarbeit mit Uganda in Aussicht, unter anderem in Handel und Bildung.
Der RSF-Delegation gehörten zudem Führungsfiguren der ausgerufenen Parallelstruktur an, darunter Abdelaziz Adam al-Hilu sowie weitere Vertreter. Museveni war zuvor von der Afrikanischen Union (AU) mit der Leitung eines hochrangigen Vermittlungskomitees betraut worden, das direkte Gespräche zwischen Hemedti und dem sudanesischen Armeechef Abdel Fattah al-Burhan vorbereiten soll.
Krieg im Sudan: Eskalation und Sanktionen
Der Krieg zwischen den Sudanesischen Streitkräften (SAF) und der RSF dauert seit April 2023 an und hat über 1.000 Tage erreicht. Millionen Menschen sind vertrieben, die Infrastruktur ist schwer beschädigt. Die Vereinten Nationen sprechen von einer der gravierendsten humanitären Krisen weltweit. Uganda beherbergt nach offiziellen Angaben rund 92.000 sudanesische Geflüchtete.
Internationale Aufmerksamkeit gilt insbesondere den Ereignissen in El Fasher in Nord-Darfur. UN-Ermittler beschrieben dort „Merkmale des Völkermords“ im Zusammenhang mit der RSF-Übernahme im Oktober 2025. Die United States Department of State verhängte am 19. Februar 2026 Sanktionen gegen mehrere hochrangige RSF-Kommandeure wegen mutmaßlicher Völkerrechtsverbrechen.
The United States has sanctioned three senior RSF commanders responsible for genocide, ethnic killings, torture, starvation, and horrific sexual violence in El Fasher, Sudan, and imposed restrictions on another commander implicated in gross human rights violations. These crimes…
— U.S. Senior Advisor for Arab and African Affairs (@US_SrAdvisorAF) February 20, 2026
Zugleich forderten zahlreiche europäische Außenminister in einer gemeinsamen Erklärung den Schutz der Zivilbevölkerung und die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen.
Muhoozi Kainerugaba verschärft Tonlage
Einen Tag vor dem Treffen veröffentlichte Muhoozi Kainerugaba, Sohn Musevenis und Chef der ugandischen Streitkräfte (UPDF), mehrere scharf formulierte Beiträge auf X. Darin bezeichnete er die RSF als „Bedrohung“ und erklärte, sie werde „zahlen“. Er sprach zudem von der Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Südsudan gegen die RSF.
We are ready to work with our South Sudanese brothers against the menace of RSF! When they captured El Fasher last year they killed our black brothers and sisters worse than you would kill a dog. They are going to pay for that one way or another!!
— Muhoozi Kainerugaba (@mkainerugaba) February 19, 2026
Die Posts lösten in sozialen Medien Diskussionen über eine mögliche Diskrepanz zwischen der offiziellen Vermittlungsrolle Ugandas und der konfrontativen Rhetorik des Militärchefs aus. Kainerugaba ist für provokative Äußerungen bekannt, die nicht immer als offizielle Regierungsposition gewertet werden.
Zwischen Vermittlung und Machtpolitik
Das Treffen in Entebbe verschafft Hemedti eine sichtbare diplomatische Plattform in der Region. Gleichzeitig unterstreichen die parallelen Entwicklungen – Sanktionen, internationale Appelle und militärische Rhetorik – die komplexe Gemengelage.
Für Uganda ergibt sich eine Doppelrolle: Einerseits AU-beauftragter Vermittler, andererseits Staat mit sicherheitspolitischen Interessen in der Region des Horns von Afrika. Ob Musevenis Gesprächsdiplomatie zu direkten Verhandlungen zwischen RSF und SAF führt, bleibt offen.