Illegale Goldlieferketten zwischen Ostkongo, Ruanda und den Emiraten offengelegt

Illegale und intransparente Goldlieferketten aus der Demokratischen Republik Kongo stehen erneut im Fokus internationaler Untersuchungen. Ein aktueller Bericht der Global Initiative Against Transnational Organized Crimedokumentiert, wie Gold aus Konfliktgebieten in Ostkongo über Ruanda in die Vereinigten Arabischen Emirate gelangt. Im Zentrum steht ein gescheitertes Gemeinschaftsunternehmen zwischen der kongolesischen Regierung und einem in den Emiraten registrierten Unternehmen, das eigentlich den informellen Goldsektor formalisieren sollte. Stattdessen offenbart die Analyse erhebliche Defizite bei Kontrolle, Transparenz und menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht. 

Gold als Konfliktressource im Osten der DR Kongo

Der Bericht zeichnet die Entwicklung der Goldförderung in den ostkongolesischen Provinzen Nord- und Süd-Kivu nach. Seit Beginn des Jahres 2025 kontrollieren bewaffnete Gruppen, darunter die M23, erneut zentrale Handels- und Abbaugebiete rund um Goma und Bukavu. Gold zählt dort neben Zinn, Coltan und Wolframit zu den wichtigsten Einnahmequellen. Laut der Analyse wird ein erheblicher Teil des geförderten Goldes außer Landes geschmuggelt, häufig über Ruanda, das sich seit Jahren als regionaler Umschlagplatz etabliert hat.

Die Autoren verweisen darauf, dass die kongolesische Gesetzgebung seit 2012 eine lückenlose Sorgfaltsprüfung entlang der gesamten Lieferkette vorschreibt. In der Praxis bleibt diese Vorgabe jedoch vielfach wirkungslos, insbesondere in Regionen, die von bewaffneten Akteuren beeinflusst oder kontrolliert werden.

Das Projekt Primera Gold und seine politische Einbettung

Kernstück des Berichts ist die Untersuchung des Joint Ventures „Primera Gold DRC SA“, das Ende 2022 gegründet wurde. Das Unternehmen sollte als staatlich-private Partnerschaft Gold aus dem artisanalen Bergbau ankaufen und legal exportieren. Die kongolesische Regierung hielt 45 Prozent der Anteile, ein Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten 55 Prozent. Politisch wurde das Projekt als Schritt zur Eindämmung des Schmuggels und zur Stärkung staatlicher Einnahmen präsentiert.

Tatsächlich exportierte Primera Gold im Jahr 2023 laut offiziellen Angaben mehr als fünf Tonnen Gold im Wert von über 300 Millionen US-Dollar. Der Bericht stellt jedoch infrage, wie diese Einnahmen verbucht wurden und ob der kongolesische Staat tatsächlich in dem erwarteten Umfang profitierte. Öffentliche Haushaltsdaten weisen entsprechende Einnahmen nicht transparent aus.

Schwache Kontrollen und problematische Lieferketten

Die Untersuchung dokumentiert erhebliche Mängel bei der Umsetzung von Sorgfaltspflichten. In mehreren Fördergebieten, darunter Luhihi, Misisi und das Itombwe-Waldreservat, sei Gold angekauft worden, obwohl Hinweise auf Kinderarbeit, Umweltzerstörung durch Quecksilber und Abgaben an bewaffnete Gruppen vorlagen. Teilweise seien Minen genutzt worden, deren offizieller Zertifizierungsstatus abgelaufen oder als problematisch eingestuft war.

Zudem fehlten öffentlich zugängliche Berichte zur Lieferkettenprüfung, obwohl diese nach kongolesischem Recht verpflichtend sind. Auch eine unabhängige Überprüfung durch regionale Kontrollmechanismen blieb aus, obwohl entsprechende Zertifikate für den Export verwendet wurden.

Rolle Ruandas und der Vereinigten Arabischen Emirate

Parallel zum Joint Venture mit der DR Kongo intensivierten die Vereinigten Arabischen Emirate ihre wirtschaftlichen Kontakte zu Ruanda. Der Bericht beschreibt Ruanda als zentrales Transitland für kongolesisches Gold, das anschließend vor allem in die Emirate exportiert wird. Handelsdaten deuten darauf hin, dass Ruandas offizielle Exportmengen die eigene Förderleistung deutlich übersteigen.

Die Emirate haben sich in den vergangenen Jahren zu einem der weltweit größten Umschlagplätze für afrikanisches Gold entwickelt. Laut der Analyse stammt ein erheblicher Teil dieser Importe aus informellen oder illegalen Quellen. Internationale Kontrollinstanzen hätten diese Lieferketten bislang nur unzureichend geprüft, obwohl Risiken in Bezug auf Geldwäsche, Menschenrechte und Konfliktfinanzierung bekannt seien.

Internationale Regulierung unter Druck

Der Bericht ordnet die Goldgeschäfte in einen größeren geopolitischen Kontext ein. Trotz anhaltender Vorwürfe gegen den Goldsektor wurden die Vereinigten Arabischen Emirate 2024 von internationalen Graulisten zur Geldwäscheprävention gestrichen. Aus Sicht der Autoren sendet dies ein problematisches Signal, da die strukturellen Risiken im Goldhandel fortbestehen.

Empfohlen wird eine stärkere risikobasierte Prüfung des Goldsektors, sowohl durch internationale Organisationen als auch durch Banken und Investoren. Für die DR Kongo wird eine konsequentere Durchsetzung bestehender Gesetze und mehr Transparenz bei staatlichen Beteiligungen gefordert.

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