Deutschland stellt 250 Millionen Euro bereit, um die Ernährungslage in besonders von der Blockade der Meerenge von Hormus betroffenen Regionen Afrikas und Asiens zu stabilisieren. Die Zusage wurde am 29. Juni 2026 bekannt gegeben. Weitere 30 Millionen Euro sollen die lokale Düngemittelproduktion stärken und die Abhängigkeit von Importen senken. Parallel haben Deutschland und internationale Partner eine gemeinsame Antwort auf die Folgen gestörter Lieferketten vereinbart.
Die Initiative wurde bei der Hamburg Sustainability Conference vorgestellt. Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan brachte die Erklärung gemeinsam mit dem Administrator des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, Alexander de Croo, dem Vizepräsidenten Sierra Leones, Mohamed Juldeh Jalloh, und der britischen Staatsministerin für internationale Zusammenarbeit, Jennifer Chapman, auf den Weg.
Hormus: Preisschock trifft importabhängige Staaten
Die Blockade der Meerenge von Hormus und die damit verbundenen Störungen wichtiger Seehandelsrouten verteuern Energie, Nahrungsmittel und Düngemittel. Besonders betroffen sind Staaten, die einen großen Teil ihrer Lebensmittel und fossilen Energieträger importieren. In Afrika und Asien treffen die höheren Preise auf Länder, die bereits mit Ernährungsunsicherheit, Verschuldung und schwachen staatlichen Haushalten kämpfen.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung warnt, dass infolge der Krise bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger betroffen sein könnten. Mehr als 30 Millionen Menschen drohten in extreme Armut abzurutschen. Ein starkes El-Niño-Klimaphänomen könnte die Belastungen für Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung weiter verschärfen.
Unterbrochene Lieferketten erschweren zugleich den Zugang zu Grundstoffen, die zur Herstellung von Düngemitteln benötigt werden. Steigende Produktionskosten können dadurch Ernten verteuern und die Versorgung in Ländern belasten, die bereits stark von Nahrungsmittelimporten abhängig sind.
250 Millionen Euro für Ernährung und lokale Gemeinden
Mit den angekündigten 250 Millionen Euro will das Bundesentwicklungsministerium die akute Ernährungssituation besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen verbessern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie auf Maßnahmen, die lokale Gemeinden widerstandsfähiger gegen Preis- und Versorgungsschocks machen sollen.

Die Mittel sollen in Zusammenarbeit mit Organisationen der Vereinten Nationen und weiteren internationalen Partnern eingesetzt werden. Dazu gehört das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Als Beispiel nennt das Ministerium die Sahel-Resilienz-Partnerschaft, die Ernährungssicherung mit der langfristigen Stabilisierung lokaler Produktions- und Versorgungssysteme verbindet.
Deutschland will sich zudem für einen abgestimmten Ansatz der UN-Organisationen im Sahel einsetzen. Hilfsmaßnahmen, landwirtschaftliche Unterstützung und längerfristige Programme zur Ernährungssicherung sollen dadurch enger miteinander verbunden werden.
30 Millionen Euro für lokale Düngemittelproduktion
Weitere 30 Millionen Euro sind für die Umgestaltung von Agrar- und Ernährungssystemen vorgesehen. Die Mittel sollen den Einsatz organischer Düngemittel fördern und den Aufbau lokaler Produktionskapazitäten unterstützen.
Überbrückungsfinanzierungen sollen zugleich Risiken für landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen in besonders armen Ländern abfedern. Das betrifft vor allem Produzenten, die durch höhere Preise für importierte Düngemittel, Energie und Transport unter Druck geraten.
Das Bundesentwicklungsministerium arbeitet dabei mit multilateralen Entwicklungsbanken, internationalen Agrarforschungszentren sowie Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen in den Partnerländern zusammen. Vorgesehen sind auch Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenqualität, zur effizienteren Nutzung von Düngemitteln und zur Förderung klimaresistenter Anbaumethoden.
Internationale Partner bündeln ihre Maßnahmen
Die in Hamburg vorgestellte Erklärung sieht eine abgestimmte internationale Reaktion auf die Folgen der Blockade vor. Die beteiligten Institutionen wollen bestehende Programme zusammenführen, Daten und Analysen austauschen und ihre Planungen enger koordinieren.
Multilaterale und regionale Entwicklungsbanken sollen besonders betroffene Staaten bei der wirtschaftlichen Stabilisierung unterstützen. Finanzierungen sollen unter anderem die lokale Lebensmittelproduktion, wichtige Transportverbindungen und logistische Dienstleistungen absichern.
Die Partner knüpfen dabei an die Arbeit der G7+-Arbeitsgruppe zu Düngemittelschocks und widerstandsfähigen Ernährungssystemen an. Im Mittelpunkt stehen die Unterstützung kleinbäuerlicher Produktion, die Diversifizierung von Düngemittelquellen und der Ausbau lokaler Kapazitäten entlang der gesamten Lebensmittelversorgung.
Stromnetze und erneuerbare Energien im Fokus
Die gemeinsame Erklärung verbindet die unmittelbare Reaktion auf die Versorgungskrise mit einer geringeren Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Internationale Finanzinstitutionen sollen Investitionen in Stromnetze, Energiespeicher und digitale Netzsteuerung stärker berücksichtigen.
Auch grenzüberschreitende Stromsysteme und die regionale Zusammenarbeit sollen ausgebaut werden. Solche Verbünde können den Austausch von Elektrizität zwischen Nachbarstaaten erleichtern und nationale Versorgungssysteme miteinander verbinden.
Das Bundesentwicklungsministerium unterstützt dazu Energiewende-Partnerschaften in Afrika und Asien. Die Programme umfassen den Ausbau nachhaltiger Energiesysteme, eine effizientere Nutzung von Energie und die stärkere Einbindung multilateraler und regionaler Entwicklungsbanken.

