Die Europäische Union hat ihre Zusammenarbeit mit Nigeria ausgebaut und ein neues Investitionspaket von 290 Millionen Euro angekündigt. Die Mittel sollen sofort in sieben Vorhaben in den Bereichen Digitalisierung, Gesundheit, Agrarwirtschaft und Migrationsmanagement fließen. Die Zusage wurde am 23. März in Abuja beim achten Ministerdialog zwischen Nigeria und der EU bekanntgegeben und markiert eine neue Phase der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Im Zentrum der Gespräche standen Sicherheit, Investitionen, Migration und die Lage in Westafrika. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und Nigerias Außenminister Yusuf Maitama Tuggar leiteten den Dialog gemeinsam. Für beide Seiten ist das Treffen ein Signal, dass die Partnerschaft in einer Phase wachsender geopolitischer Spannungen enger werden soll.
290 Millionen Euro für digitale Netze, Gesundheit und Landwirtschaft
Den größten Teil des neuen Pakets stellt die EU für den Ausbau digitaler Infrastruktur bereit. 131 Millionen Euro sind für Projekte vorgesehen, die die digitale Anbindung verbessern, digitale Dienste ausbauen und neue Qualifizierungsprogramme fördern sollen. Gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung will die EU den Ausbau von 90.000 Kilometern Glasfaserkabel unterstützen. Ziel ist es, Millionen Menschen in bislang unterversorgten Regionen an günstigere und sichere Internetverbindungen anzuschließen.
Weitere 55 Millionen Euro sollen den Aufbau lokaler Gesundheitsproduktion fördern. Über eine neue Kreditlinie der Europäischen Investitionsbank sollen Unternehmen unterstützt werden, die in Nigeria Medikamente und Impfstoffe herstellen. Ergänzend ist ein Programm für technische und berufliche Ausbildung geplant, um Fachkräfte für diesen Bereich auszubilden.
Für die Landwirtschaft sind weitere 86 Millionen Euro vorgesehen. Das Geld soll Unternehmen und Kleinbauern in den Wertschöpfungsketten Kakao und Milch besseren Zugang zu Finanzierung verschaffen und zugleich die nigerianische Agrarpolitik bei klimafreundlicher Produktion unterstützen. Die EU knüpft damit an Nigerias Ziel an, die Milchproduktion deutlich zu steigern und den Kakaosektor stärker auf Exporte in die EU auszurichten.
Auch Migration rückt stärker in den Fokus
Ein weiterer Teil des Pakets betrifft Migration. Die EU stellt zusätzliche 16 Millionen Euro bereit, um die Reintegration zurückkehrender Migranten zu unterstützen und zugleich Schleuser- und Menschenhändlernetzwerke stärker zu bekämpfen. Vorgesehen sind soziale, wirtschaftliche und psychologische Unterstützungsangebote für Rückkehrer sowie eine engere Zusammenarbeit mit nigerianischen Sicherheitsbehörden gegen kriminelle Strukturen.

Dieses Thema spielte auch beim Ministerdialog selbst eine wichtige Rolle. Kallas sagte, bei dem Rückübernahmeabkommen zwischen der EU und Nigeria habe es „echte Fortschritte“ gegeben. Sie dankte Tuggar für seine Rolle in den Verhandlungen und dafür, dass das Abkommen am Montag paraphiert wurde. Damit unterstreicht die EU, dass sie die Zusammenarbeit mit Nigeria auch bei politisch sensiblen Fragen vertiefen will.
Sicherheit und Terrorismus bleiben zentrales Feld
Neben Investitionen stand die Sicherheitslage im Mittelpunkt. Kallas erklärte, Nigeria sehe sich einem gefährlichen Anstieg jihadistischer Gewalt gegenüber. Gruppen wie Boko Haram bedrohten nicht nur Nigeria, sondern die gesamte Region. Sie nannte Nigeria einen „Schutzwall im Kampf gegen den Terrorismus“ und betonte, Europa stehe an der Seite des Landes.
Nach ihren Angaben hat die EU in den vergangenen zehn Jahren mehr als 700 Millionen Euro für Terrorismusbekämpfung, Stabilisierung, Rechtsstaatlichkeit und die Multinational Joint Task Force mobilisiert. Zu Jahresbeginn hatten beide Seiten bereits den ersten EU-Nigeria-Dialog zu Frieden, Sicherheit und Verteidigung gestartet. Nun soll dieser sicherheitspolitische Austausch weiter vertieft werden.
Abuja und Brüssel setzen auf wirtschaftliche Verflechtung
Kallas hob Nigeria zugleich als wirtschaftliches Schwergewicht hervor. Das Land sei Afrikas bevölkerungsreichster Staat und ein politischer Anker in der Region. Die EU ist nach ihren Worten Nigerias wichtigster Handels- und Investitionspartner. Mehr als ein Viertel des nigerianischen Handels entfällt demnach auf die Europäische Union. Über 200 europäische Unternehmen sind im Land tätig und schaffen rund 130.000 Arbeitsplätze.
Video: My remarks at the Nigeria–European Union Ministerial Meeting @NigeriaMFA Headquarter in Abuja, focused on strengthening our partnership for sustainable development and security.#NigeriaEURelations pic.twitter.com/8QXhgDn7Yq
— Hon. Yusuf Maitama Tuggar (@YusufTuggar) March 23, 2026
Auch das nächste große Wirtschaftstreffen ist bereits gesetzt. Im Juni soll in Lagos das EU-Nigeria Business Forum stattfinden. Es soll neue Investitionen und Kooperationen zwischen Unternehmen auf beiden Seiten fördern. Zudem will die EU mit Nigeria über ein Abkommen zu Wissenschaft, Technologie und Innovation im Rahmen von Horizon Europe verhandeln.
Westafrika bleibt Teil der politischen Gespräche
Über die bilateralen Themen hinaus ging es in Abuja auch um die Lage in Westafrika. Kallas verwies auf verfassungswidrige Machtwechsel, terroristische Bedrohungen aus dem Sahel und humanitäre Krisen in Teilen der Region. In dieser Lage komme der regelbasierten internationalen Ordnung besondere Bedeutung zu.
It is a real pleasure to be in Abuja.
— Kaja Kallas (@kajakallas) March 23, 2026
Nigeria is a political heavyweight and a regional anchor. Our partnership continues to grow stronger.
There is real momentum to deepen our cooperation, from countering terrorism and managing migration to boosting trade and investment.
My… pic.twitter.com/ZtPYaDZouY
Die EU bekräftigte in diesem Zusammenhang ihre Unterstützung für die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS. Kallas sagte, die Europäische Union bleibe der Partnerschaft mit ECOWAS langfristig verpflichtet und unterstütze die Organisation als Rahmen für regionale Stabilität.
Rohstoffe bleiben auf der Agenda, aber noch ohne Vereinbarung
In der Fragerunde sprach Kallas auch über mögliche Rohstoffabkommen mit Nigeria. Sie sagte, bei kritischen Rohstoffen gebe es Spielraum für Zusammenarbeit. Eine Absichtserklärung sei bei diesem Besuch aber noch nicht unterzeichnet worden. „Wir haben definitiv Interesse und arbeiten daran, eine gemeinsame Lösung zu finden“, erklärte sie.
Damit bleibt ein weiteres strategisch wichtiges Thema auf der Agenda der EU-Nigeria-Beziehungen. Konkrete Vereinbarungen dazu wurden in Abuja jedoch noch nicht bekanntgegeben.

