Deutschland will Ärztinnen, Ärzte, Apotheker, Zahnärzte und Hebammen mit ausländischem Abschluss schneller in den Beruf bringen. Am Donnerstag, 26. März 2026, beschloss der Bundestag ein Gesetz, das die Anerkennungsverfahren für Heilberufe beschleunigen soll. CDU/CSU, SPD und Grüne stimmten dafür, die AfD dagegen, die Linke enthielt sich. Im Zentrum steht ein politisches Ziel, das seit Jahren drängt: mehr Tempo bei der Anerkennung, ohne die fachlichen Anforderungen abzusenken.
Für viele Bewerberinnen und Bewerber aus Drittstaaten dürfte sich das Verfahren damit spürbar verändern. Künftig soll die direkte Kenntnisprüfung bei ärztlichen, zahnärztlichen und pharmazeutischen Berufen zum Regelfall werden. Bei Hebammen kommt ein Wahlrecht hinzu: Sie können entweder die dokumentenbasierte Gleichwertigkeitsprüfung durchlaufen oder direkt den Weg über eine Kenntnisprüfung mit möglichem Anpassungslehrgang wählen.
Weniger Papier, mehr Tempo
Der bisherige Weg war oft lang, teuer und schwer überschaubar. Wer einen ausländischen Abschluss anerkennen lassen wollte, musste häufig umfangreiche Unterlagen beschaffen, übersetzen, beglaubigen und einreichen. Genau hier setzt das Gesetz an.
Für die meisten Antragsteller aus Drittstaaten entfällt nun ein großer Teil dieses Aufwands. Curricula und andere Ausbildungsnachweise müssen in vielen Fällen nicht mehr vervielfältigt, übersetzt und beglaubigt werden. Der Gesundheitsausschuss geht davon aus, dass Bürgerinnen und Bürger dadurch um rund 7.000 Stunden und etwa 12 Millionen Euro pro Jahr entlastet werden.
Auch die Länder sollen weniger Aufwand haben. In der Bundestagsvorlage ist von einer Entlastung der Verwaltungen um rund 3,9 Millionen Euro pro Jahr die Rede.
Fachkräftemangel bleibt der politische Hintergrund
Der Druck hinter der Reform ist hoch. In der Vorlage wird der Fachkräftemangel in den Heilberufen ausdrücklich als Problem benannt. Zugleich hält der Bundestag fest, dass schnellere Verfahren nicht zulasten des Patientenschutzes gehen sollen. Die Reform greift deshalb in erster Linie bei den Abläufen ein, nicht bei den fachlichen Standards.

Besonders relevant ist das für Berufe, in denen Deutschland seit Jahren Personal sucht. Allein bei Ärztinnen und Ärzten gehen die Berechnungen in der Vorlage von mehr als 6.200 neuen Anerkennungsanträgen pro Jahr aus. Ein großer Teil davon betrifft Abschlüsse aus Drittstaaten.
Debatte auch in sozialen Medien
Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse war zuletzt auch außerhalb des Parlaments ein Thema. In sozialen Medien forderten Community-Seiten und migrantische Netzwerke schnellere und praxisnähere Verfahren. Ein Instagram-Beitrag, der Interessenvertretung „Marokkaner in Deutschland“, kritisierte den Widerspruch, dass es zwar einen Fachkräftemangel gebe, aber kein schnelles und faires Anerkennungssystem.
Für Deutschland ist die Reform deshalb mehr als ein verwaltungstechnischer Schritt. Sie betrifft die Frage, wie schnell qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland tatsächlich in Kliniken, Praxen, Apotheken und der Geburtshilfe arbeiten können, während viele Einrichtungen seit Jahren nach Personal suchen.
AfD-Anträge scheitern im Parlament

Parallel dazu wies der Bundestag drei Anträge der AfD zurück. Dabei ging es um schärfere Kontrollen bei Ärzten aus Drittstaaten, ein stärkeres Vorgehen gegen gefälschte Nachweise im Pflegebereich und verpflichtende Kenntnisse des deutschen Gesundheitssystems für Ärzte mit ausländischem Studienabschluss. Union, SPD, Grüne und Linke lehnten diese Vorlagen ab.
Die Auseinandersetzung dahinter ist klar. Die Regierungsseite setzt auf schnellere und schlankere Verfahren, um qualifizierte Fachkräfte rascher in die Versorgung zu bringen. Die AfD wollte die Anerkennung stärker mit zusätzlichen Prüf- und Kontrollinstrumenten verknüpfen. Der Bundestag entschied sich am Ende für den Weg der Beschleunigung.

