Der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, hat den deutschen Außenminister Johann David Wadephul zu Gesprächen über die strategische Partnerschaft zwischen Afrikanischer Union und Deutschland empfangen. Beide Seiten bekräftigten ihre Zusammenarbeit zu Multilateralismus, Frieden und Sicherheit, Menschenrechten und nachhaltiger Entwicklung. Deutschland sagte für den Zeitraum 2026 bis 2027 eine Unterstützung in Höhe von 88 Millionen Euro zu.
AU–Deutschland: Partnerschaft mit Schwerpunkten von Peacebuilding bis AfCFTA
Nach Angaben der Afrikanischen Union unterstrichen Youssouf und Wadephul die „strategische Tiefe“ und die „dauerhafte Bedeutung“ der AU–Deutschland-Partnerschaft. In der inhaltlichen Ausrichtung wurde ein breites Spektrum benannt: Peacebuilding, gute Regierungsführung, Migrationsmanagement, Gesundheitssicherheit sowie die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA).
It was an honor to meet you, dear @ymahmoudali. The #EU and #AU are natural partners. Thank you for the open exchange and our trusting cooperation. The African Union is an indispensable pillar for peace, stability and cooperation. pic.twitter.com/ItxANuaDbz
— Johann Wadephul (@AussenMinDE) January 22, 2026
Der AU-Kommissionschef würdigte Deutschlands Rolle als langfristiger Partner und verwies zugleich auf konkrete Prioritäten und Initiativen, die Berlin weiterhin unterstützen wolle. Genannt wurden unter anderem das AU Border Programme sowie AFRIPOL. Aus Sicht der AU sind dies Bausteine für institutionelle Handlungsfähigkeit, grenzüberschreitende Kooperation und Sicherheitszusammenarbeit auf kontinentaler Ebene.
Finanzzusage: 88 Millionen Euro für 2026–2027
Ein zentraler Punkt des Gesprächs war die angekündigte deutsche Unterstützung in Höhe von 88 Millionen Euro für den Zeitraum 2026–2027. Die AU ordnete diese Zusage in die Fortsetzung einer „langjährigen und prinzipiengeleiteten“ Unterstützung Deutschlands ein.
In der Mitteilung wurde zudem Deutschlands Rolle als „Schlüsselpartner“ bei der Weiterentwicklung der AfCFTA-Agenda hervorgehoben. Damit rückt die wirtschaftspolitische Dimension der Partnerschaft in den Vordergrund, verbunden mit dem Anspruch, Kontinentalintegration als Stabilitäts- und Entwicklungsfaktor zu stärken.
Große Seen: Waffenruhe, afrikanisch geführte Vermittlung und regionaler Dialog

Youssouf und Wadephul tauschten sich nach AU-Angaben zu regionalen und internationalen Sicherheitsfragen aus. Mit Blick auf die Lage in der Region der Großen Seen betonten beide Seiten die Dringlichkeit einer Waffenruhe. Darüber hinaus wurde die Notwendigkeit „kohärenter und afrikanisch geführter Vermittlungsbemühungen“ sowie eines inklusiven regionalen Dialogs hervorgehoben.
Damit setzt die Mitteilung einen klaren Rahmen: Mediation soll erkennbar abgestimmt sein, regional verankert erfolgen und unterschiedliche Akteure in einen Dialogprozess einbinden. Die AU positioniert sich in diesem Kontext als Trägerin afrikanischer Vermittlungsansätze, während Deutschland seine Unterstützung an Prinzipien der Partnerschaft und Verantwortungsteilung knüpft.
Sudan: Dialog, sofortige Beendigung der Kampfhandlungen und Schutz der Zivilbevölkerung
Auch die Situation im Sudan war Gegenstand der Gespräche. Beide Seiten sprachen sich laut AU-Mitteilung für komplementäre internationale und regionale Bemühungen aus, die auf Dialog ausgerichtet sind. Genannt wurden eine „sofortige Beendigung der Kampfhandlungen“ sowie der Schutz der Zivilbevölkerung als zentrale Zielsetzungen.
Die Formulierung unterstreicht, dass AU und Deutschland die Sudan-Diplomatie nicht als rein externes Krisenmanagement beschreiben, sondern als Zusammenspiel von regionalen und internationalen Akteuren, bei dem die AU als regionale Institution eine strukturierende Rolle beansprucht.
Afrikanische Eigenverantwortung und Unterstützung von AUSSOM
Wadephul hob nach Angaben der Afrikanischen Union hervor, dass afrikanische Eigenverantwortung in Entwicklungsprozessen und Vermittlungsinitiativen gestärkt werden müsse. Er stellte dies in einen Rahmen von Partnerschaft, gegenseitigem Respekt und geteilter Verantwortung.
Excellent meeting of @AussenMinDE Wadephul with Chairperson of the @_AfricanUnion Commission Mahmoud Ali Youssouf @ymahmoudali yesterday in Addis Ababa, 🇪🇹. Looking forward to deepen strategic partnership between 🇩🇪 and African Union. https://t.co/lxLAVP8Yyh pic.twitter.com/lmeaTUOYpx
— Gesa Bräutigam (@GERonAfrica) January 23, 2026
Im sicherheitspolitischen Teil bekräftigte der Minister Deutschlands Unterstützung für afrikanisch geführte Friedenssicherung und präventive Diplomatie. Konkret wurde festgehalten, dass Deutschland gemeinsam mit der Europäischen Union die African Union Support and Stabilisation Mission in Somalia (AUSSOM) unterstützen werde. Damit verbindet sich die Zusage, AU-geführte Missionen politisch und über Kooperationsformate mit der EU abzustützen.
UN-Reform, Sicherheitsrat und G20: Afrika als zentraler Akteur in globalen Foren
Beide Seiten bekräftigten zudem Deutschlands Unterstützung für Afrikas Forderung nach einer Reform des Systems der Vereinten Nationen, einschließlich einer dauerhaften Vertretung Afrikas im Sicherheitsrat.

Wadephul begrüßte außerdem die Einbindung Afrikas in die G20 und verwies darauf, dass dies neue Impulse für globale Kooperation bringe. Der AU-Kommissionschef dankte Deutschland für dessen Unterstützung in diesem Prozess und nahm Bezug auf einen Partnerschaftspakt, den Deutschland im Rahmen eines G20-Treffens in Johannesburg angekündigt habe.
Zum Abschluss hielten beide Seiten laut Mitteilung fest, die Kooperation zwischen Afrikanischer Union und Deutschland weiter zu stärken. Als Zielrahmen wurden Frieden, Stabilität und die kontinentale Integrationsagenda Afrikas benannt.