Russland hat Äquatorialguinea Unterstützung bei der Rückholung des 22-jährigen Daniel Ángel Masie zugesagt, der nach Darstellung seiner Familie und der Regierung des Landes an der russischen Front in der Ostukraine eingesetzt wurde. Das wurde nach einem Treffen zwischen Vizepräsident Teodoro Nguema Obiang Mangue und dem russischen Botschafter in Malabo bekannt. Moskau ließ demnach Entschuldigungen übermitteln und kündigte an, den Fall durch die zuständigen Stellen prüfen zu lassen. Für Äquatorialguinea berührt der Fall die militärische Zusammenarbeit mit Russland und die Frage, unter welchen Bedingungen junge Bürger des Landes nach Russland gelangen.
Im Mittelpunkt steht ein junger Mann aus Äquatorialguinea, der nach Angaben seines Umfelds mit dem Versprechen einer militärischen Ausbildung nach Russland gebracht wurde und später im Gebiet Donezk auf russischer Seite kämpfte. Die Regierung in Malabo verlangt seine Rückführung und spricht von einem Vorgang, der nicht Teil der bilateralen Zusammenarbeit sein dürfe.
Malabo verlangt Rückführung
Vizepräsident Teodoro Nguema Obiang Mangue empfing den russischen Botschafter Karén Chalyán zu Gesprächen über den Fall. Dabei machte die äquatorialguineische Seite deutlich, dass ein solcher Vorfall aus ihrer Sicht nicht in die Kooperationsagenda beider Staaten gehört.
Der Botschafter erklärte, die zuständigen russischen Stellen seien bereits mit dem Fall befasst. Zugleich übermittelte er im Namen seines Landes eine Entschuldigung und sagte zu, ähnliche Fälle in Zukunft genauer zu überwachen. Aus äquatorialguineischer Sicht geht es nun um eine konkrete Rückholung des jungen Mannes.
Rekrutiert mit dem Versprechen einer Ausbildung

Nach Angaben aus dem familiären Umfeld erhielt Daniel Ángel Masie im Dezember 2025 eine E-Mail aus Douala in Kamerun. Darin wurde ihm eine militärische Ausbildungsbörse in Russland angeboten. Als Kontaktperson wurde demnach ein Mann namens Fabrice genannt.
Die Reise lief über Kamerun, weil Russland keine eigene Botschaft in Äquatorialguinea hat und Visa dort organisiert wurden. Nach der Ankunft in Russland mussten die jungen Männer nach Angaben der Familie Unterlagen unterschreiben, die sie nicht verstanden. Danach folgte eine verkürzte militärische Ausbildung. Anschließend wurde Masie in das Gebiet Donezk verlegt.
Kontakt zur Familie über Sprachnachrichten
Nach Angaben seiner Familie hält Masie über WhatsApp-Audionachrichten Kontakt zu seinen Angehörigen. Er nutze dabei Fang, eine Landessprache in Äquatorialguinea, damit russische Vorgesetzte seine Nachrichten nicht verstünden.
🚨Guinée équatoriale 🇬🇶 : le vice-président Teodorin Obiang s’est entretenu mardi avec l’ambassadeur de Russie à Malabo, Karen Chalyan, au sujet du ressortissant équatoguinéen âgé de 25 ans envoyé combattre aux côtés des forces russes dans le conflit en Ukraine. Selon les… pic.twitter.com/ydTV9fOWl0
— LSI AFRICA (@lsiafrica) April 1, 2026
Sein Vater Mariano Nkogo Mba Nchama hatte ihn demnach zunächst aufgefordert, vor einer Zusage zu prüfen, ob es ein offizielles Abkommen zwischen Malabo und Moskau gebe. Am 25. März machte er den Fall öffentlich.
Fall trifft heikle Militärkooperation mit Russland

Der Fall fällt in eine Phase enger militärischer Beziehungen zwischen Russland und Äquatorialguinea. Seit August 2024 sind mehrere Hundert Angehörige des Africa Corps in dem zentralafrikanischen Land präsent. Die Struktur gilt als Nachfolgeorganisation der Wagner-Gruppe auf dem Kontinent.
Offiziell dient die Zusammenarbeit der militärischen Unterstützung und Ausbildung. Im März 2025 veröffentlichte das Verteidigungsministerium in Malabo einen Aufruf für militärische Ausbildungsstipendien in Russland. Kritiker sahen darin schon damals die Gefahr, dass junge Äquatorialguineer nicht nur für Ausbildung, sondern auch für andere Zwecke angeworben werden könnten.
Die Regierung in Malabo hatte im April 2025 noch zurückgewiesen, eigene Staatsbürger an die Front in der Ukraine zu schicken. Der Fall Masie ist nun der erste öffentlich bekannte Einzelfall, in dem ein Bürger des Landes nach Darstellung seiner Familie unter falschen Versprechen nach Russland gelangte und anschließend in einem Kriegsgebiet eingesetzt wurde.
Russland verweist auf Prüfung des Falls
Der russische Botschafter sagte nach dem Treffen mit dem Vizepräsidenten, die russischen Behörden arbeiteten an dem Fall und die Botschaft warte auf Ergebnisse. Damit liegt die nächste Entscheidung bei den zuständigen Stellen in Russland.
In Malabo ist der Fall inzwischen zu einer Angelegenheit auf Regierungsebene geworden. Die äquatorialguineische Führung hat nach eigenen Angaben internationale Schritte eingeleitet, um die Rückkehr von Daniel Ángel Masie zu erreichen.

