In Südafrika hat die landesweite Kommunalwahl begonnen, bei der 29,2 Millionen registrierte Wähler über die politische Führung ihrer Städte und Gemeinden entscheiden können. Die Wahllokale öffneten am Mittwoch, dem 4. November 2026, um 7 Uhr und sollen bis 21 Uhr geöffnet bleiben. Überschattet wird die Abstimmung von politischen Gewalttaten, darunter der Ermordung eines Oppositionspolitikers in der Provinz KwaZulu-Natal. Für Präsident Cyril Ramaphosa und seine Partei African National Congress (ANC) steht zugleich die öffentliche Unzufriedenheit mit der kommunalen Versorgung im Mittelpunkt.
Die Wahlkommission IEC meldete am Morgen einen weitgehend planmäßigen Beginn der Abstimmung. Landesweit wurden 23.696 Wahllokale eingerichtet. Rund 188.000 Wahlhelfer sind in den neun Provinzen im Einsatz.
Insgesamt bewerben sich 136.790 Kandidaten um 10.526 Mandate in den Kommunalvertretungen. Gewählt wird in acht Metropolgemeinden, 44 Distriktgemeinden und 205 lokalen Gemeinden. Die neuen Kommunalräte werden für fünf Jahre bestimmt.
Die Regierung erklärte den Wahltag zum landesweiten Feiertag, um möglichst vielen Bürgern die Teilnahme zu ermöglichen.
Oppositionspolitiker kurz vor Wahl erschossen
Die Abstimmung findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf die Provinz KwaZulu-Natal, wo kurz vor der Wahl ein regionaler Organisator der oppositionellen uMkhonto weSizwe-Partei (MK) erschossen wurde.
Der 45-jährige Lastborn Shazi wurde am Montagabend, dem 2. November, in seinem Haus in Umzumbe an der Südküste der Provinz getötet. Nach Angaben seiner Partei nahm er zum Zeitpunkt des Angriffs an einer digitalen Besprechung zur Vorbereitung der Kommunalwahl teil.
Während der Sitzung brach seine Teilnahme plötzlich ab. Wenig später erfuhren die übrigen Teilnehmer, dass Shazi erschossen worden war.
Die Polizei leitete ein Mordverfahren ein. Shazi war regionaler Parteiorganisator im Distrikt Ugu und zugleich Kandidat für ein kommunales Mandat.
Die Hintergründe der Tat sind bislang ungeklärt. Polizeisprecher Robert Netshiunda bestätigte, dass die Ermittler sowohl nach den Tätern als auch nach einem möglichen Motiv suchen.
Die MK-Partei forderte eine umfassende Untersuchung durch die auf politische Tötungsdelikte spezialisierte Polizeieinheit Political Killings Task Team. Zugleich warnte sie vor Spekulationen über den Hintergrund des Angriffs.
Der Fall reiht sich in eine Serie tödlicher Angriffe auf politisch aktive Personen ein. Bereits am 15. Oktober waren in Umgababa südlich von Durban zwei Mitglieder des ANC während einer Wahlkampfaktion erschossen worden. Ein weiteres Parteimitglied wurde verletzt.
Auch Kandidaten der Inkatha Freedom Party (IFP) wurden in den vergangenen Monaten getötet.
Polizei registriert 20 Tötungsdelikte mit politischem Bezug
Die südafrikanischen Sicherheitsbehörden hatten bereits vor dem Wahltag vor erheblichen Risiken durch politische Gewalt gewarnt.
Nach Angaben der nationalen Sicherheitskoordinierungsstelle NATJOINTS wurden bis zum 1. November insgesamt 20 Tötungsdelikte registriert, bei denen politische Mandatsträger, Parteimitglieder oder Unterstützer betroffen waren. In sieben Fällen kam es zu Festnahmen.
Die meisten dieser Taten wurden in Gauteng und KwaZulu-Natal erfasst. Die Zahlen bezeichnen Fälle mit Bezug zu politisch aktiven Personen, belegen aber nicht in jedem Einzelfall ein politisches Tatmotiv.
Im Verlauf der gesamten Wahlvorbereitungen hatten die Behörden bis dahin 139 strafrechtliche Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Wahlprozess eingeleitet. Dazu gehörten unter anderem Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Verstöße gegen das Wahlrecht.
Während der vorgezogenen Stimmabgabe am 2. und 3. November kamen weitere Zwischenfälle hinzu. NATJOINTS meldete am Dienstagabend 21 neue Ermittlungsakten und sechs Festnahmen.
Unter den Festgenommenen befinden sich zwei Personen, die sich in der Provinz Eastern Cape als Mitarbeiter der Wahlkommission ausgegeben haben sollen. In Mpumalanga wurden Verdächtige wegen der Zerstörung von Wahlmaterial und Sachbeschädigung festgenommen.
Die Sicherheitsbehörden verstärkten daraufhin ihre Maßnahmen in besonders gefährdeten Gebieten. Polizei und Geheimdienste arbeiten dabei mit regionalen Sicherheitsstrukturen zusammen.
Die südafrikanische Armee steht für mögliche Unterstützungseinsätze bereit. Nach Darstellung der Streitkräfte wird jedoch nicht damit gerechnet, dass eine landesweite militärische Absicherung der Abstimmung erforderlich sein wird.
Bereits 1,4 Millionen Stimmen vor dem eigentlichen Wahltag
Die Wahlkommission hatte am Montag und Dienstag eine vorgezogene Stimmabgabe für Menschen organisiert, die am regulären Wahltag verhindert sind oder aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen kein Wahllokal aufsuchen können.
Nach vorläufigen Angaben der IEC nutzten 1.425.942 Menschen diese Möglichkeit.
Davon gaben 974.852 Wähler ihre Stimme in Wahllokalen ab. Weitere 451.090 Personen wurden von Wahlhelfern zu Hause aufgesucht.
Die meisten vorgezogenen Stimmen wurden in Gauteng mit 264.898 registriert. Es folgten KwaZulu-Natal mit 208.846 und Eastern Cape mit 207.258.
Insgesamt waren rund 2,6 Millionen Menschen für die vorgezogene Stimmabgabe zugelassen worden.
IEC-Vorsitzender Mosotho Moepya erklärte, der Wahlprozess sei trotz einzelner Störungen weitgehend erfolgreich verlaufen. Die vorzeitig abgegebenen Stimmen wurden gesichert und sollen gemeinsam mit den regulären Stimmen nach Schließung der Wahllokale ausgezählt werden.
Die Wahlkommission warnte zugleich vor Falschinformationen in sozialen Netzwerken. Während der Vorwahlphase waren Videos verbreitet worden, die reguläre Abläufe beim Transport und bei der Aufbewahrung von Wahlunterlagen als mögliche Wahlmanipulation darstellten.
Die IEC forderte die Parteien auf, Unregelmäßigkeiten über die vorgesehenen Beschwerdewege zu melden und unbelegte Betrugsvorwürfe zu unterlassen.
Ramaphosa räumt Probleme bei der kommunalen Versorgung ein
Präsident Cyril Ramaphosa gab seine Stimme am Mittwochvormittag gemeinsam mit seiner Ehefrau Tshepo Motsepe in Johannesburg ab.

Anders als bei früheren Wahlen stimmte er nicht in Soweto, sondern an der Hyde Park High School im Stadtgebiet von Johannesburg ab.
Im anschließenden Gespräch mit Journalisten bezeichnete Ramaphosa die Kommunalwahl angesichts der Vielzahl konkurrierender Parteien und Kandidaten als außergewöhnlich.
„Wir haben noch nie eine Kommunalwahl wie diese erlebt“, erklärte der Präsident.
Besonders die Qualität der öffentlichen Dienstleistungen stehe im Zentrum der Abstimmung. Der ANC sieht sich seit Jahren mit Beschwerden über mangelhafte kommunale Infrastruktur, Wasserunterbrechungen, Stromausfälle, unzureichende Müllentsorgung und Probleme bei der Instandhaltung öffentlicher Einrichtungen konfrontiert.
Ramaphosa räumte die bestehenden Schwierigkeiten ein und verwies auf Maßnahmen zur Verbesserung der kommunalen Verwaltung.
In Johannesburg seien unter anderem Streiks bei der Müllabfuhr und Probleme mit der Wasserversorgung Gegenstand staatlicher Maßnahmen. Der Wasserversorger Rand Water arbeite daran, die Speicher wieder ausreichend zu füllen.
Der Präsident erklärte, die Bevölkerung habe Anspruch auf funktionierende kommunale Dienstleistungen. Die Regierung sei entschlossen, die kommunalen Verwaltungsstrukturen wieder zu stärken.
Kommunalwahl wird zum Test für ANC und Opposition
Die Kommunalwahl ist die erste landesweite Abstimmung auf kommunaler Ebene seit den Parlamentswahlen von 2024, bei denen der ANC erstmals seit dem Ende der Apartheid seine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung verlor.
Auf kommunaler Ebene stehen vielerorts die bisherigen politischen Mehrheiten und Koalitionen zur Abstimmung.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den großen Metropolgemeinden Johannesburg, Tshwane, Ekurhuleni, Kapstadt, eThekwini und Nelson Mandela Bay.
Dort konkurrieren unter anderem der ANC, die Democratic Alliance (DA), die Economic Freedom Fighters (EFF), die MK-Partei und weitere politische Gruppierungen um die Kontrolle über die Stadtverwaltungen.
Die DA stellt unter anderem den Bürgermeister von Kapstadt und will ihre kommunale Präsenz ausbauen. In Johannesburg tritt die frühere Parteivorsitzende Helen Zille als Bürgermeisterkandidatin an.
Die MK-Partei strebt insbesondere in KwaZulu-Natal stärkeren Einfluss auf die Kommunalpolitik an. In Durban, der größten Stadt der Provinz, gehört sie zu den Parteien, die die bisherige politische Führung ablösen wollen.
Die EFF wirbt ebenfalls um kommunale Mandate und stellt in mehreren Großstädten eigene Bürgermeisterkandidaten auf.
In zahlreichen Gemeinden könnte die Bildung von Koalitionen notwendig werden, wenn keine Partei eine absolute Mehrheit der Sitze erreicht.
Wasser, Strom und Arbeitsplätze bestimmen die Erwartungen der Wähler
Die Kommunalwahl entscheidet unmittelbar über viele öffentliche Dienstleistungen, für die südafrikanische Städte und Gemeinden verantwortlich sind.
Dazu gehören die Wasserversorgung, die kommunale Stromverteilung, die Abwasserentsorgung, Straßenunterhaltung, Müllabfuhr und Teile der lokalen Wirtschaftsförderung.
Bei der Abstimmung stehen deshalb neben parteipolitischen Fragen auch die Lebensbedingungen in den einzelnen Gemeinden im Vordergrund.
Aus verschiedenen Städten meldete die Zeitung Daily Maverick am Mittwoch lange Warteschlangen vor einzelnen Wahllokalen. In anderen Gebieten verlief der Wahlbeginn zunächst ruhiger.
Wähler äußerten gegenüber dem Medium unterschiedliche Erwartungen an die neuen Kommunalverwaltungen.
Im Johannesburger Stadtteil Thembisa kritisierte ein 44-jähriger Wähler die bisherige Regierungsführung und kündigte an, erstmals eine andere Partei als den ANC zu wählen.
In Gqeberha berichteten Bürger über beschädigte Straßen, unzureichende Straßenbeleuchtung, Arbeitslosigkeit und mangelnde wirtschaftliche Perspektiven.
Auch in Kapstadt nannten Wähler die Kriminalität, kommunale Dienstleistungen und die Entwicklung ihrer Wohngebiete als Gründe für ihre Wahlentscheidung.
Die Wahllokale sollen um 21 Uhr schließen. Wer zu diesem Zeitpunkt bereits in der Warteschlange steht, darf seine Stimme noch abgeben. Anschließend beginnt die Auszählung der regulären und vorgezogenen Stimmen.

