Gasgipfel in Moskau: Putin kritisiert europäische Energiepolitik – Mosambik plant massiven Exportausbau mit Gasprom

Russland will die Zusammenarbeit der weltgrößten Gasexporteure ausbauen. Beim Gipfel in Moskau kündigt Mosambik eine Exportkapazität von über 35 Millionen Tonnen Flüssigerdgas jährlich an.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat auf einem internationalen Gasgipfel in Moskau eine engere Zusammenarbeit der Förderländer gefordert, um die weltweiten Erdgaslieferungen zu stabilisieren und neue Investitionen zu ermöglichen. Der achte Gipfel des Forums Gas exportierender Länder (GECF) fand am Dienstag, dem 27. Oktober 2026, statt. Mehrere afrikanische Staaten beteiligten sich an den Verhandlungen über Energieversorgung, Handelswege und gemeinsame Technologien. Mosambiks Präsident Daniel Chapo kündigte an, die jährliche Exportkapazität seines Landes mit neuen Gasprojekten auf mehr als 35 Millionen Tonnen Flüssigerdgas ausbauen zu wollen.

Putin schlägt engere Koordination der Gasexporteure vor

Vor den Delegationen der Gasförderländer erklärte Putin, dass geopolitische Konflikte, unterbrochene Lieferketten und Handelsbeschränkungen den internationalen Gasmarkt zunehmend belasteten. Russland wolle deshalb die Abstimmung zwischen den Exportstaaten ausbauen.

Konkret schlug der russische Präsident vor, innerhalb des GECF zusätzliche Konsultationen zur Bewältigung von Krisen auf dem Gasmarkt einzuführen. Die Mitgliedstaaten sollten Risiken frühzeitig bewerten, Bedrohungen für die Energieinfrastruktur erkennen und ihre Lieferstrategien besser koordinieren.

Putin verwies auf die Zusammenarbeit der Ölförderländer innerhalb des Bündnisses OPEC+, das die Förderpolitik mehrerer großer Produzenten aufeinander abstimmt. Auch für Erdgas seien geeignete Mechanismen notwendig, allerdings unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Gasmarktes.

Dabei nannte er insbesondere den Ausbau alternativer Transportwege, den Austausch von Liefermengen zwischen Produzenten und die stärkere Nutzung von Flüssigerdgas (LNG). Anders als Pipelinegas kann LNG mit Schiffen über große Entfernungen transportiert werden.

Nach Darstellung Putins entfallen auf die Teilnehmer des GECF rund 70 Prozent der weltweiten Erdgasreserven und etwa 40 Prozent der internationalen Gasexporte. Flüssigerdgas mache inzwischen ungefähr die Hälfte des weltweiten Gashandels aus.

Als weitere Prioritäten bezeichnete er langfristige Lieferverträge, Investitionen in neue Förderanlagen und den gemeinsamen Zugang zu Technologien. Russland sei bereit, seine Erfahrungen bei der Erschließung von Gasfeldern, der LNG-Produktion und der industriellen Verarbeitung mit anderen Mitgliedstaaten zu teilen.

Mosambik will jährlich mehr als 35 Millionen Tonnen Gas exportieren

Mosambiks Präsident Daniel Chapo stellte auf dem Gipfel die Pläne seines Landes zum weiteren Ausbau der Erdgaswirtschaft vor. Neue Großprojekte könnten die jährliche Exportkapazität auf mehr als 35 Millionen Tonnen Flüssigerdgas erhöhen, erklärte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur AIM.

Mosambik gehört seit 2022 als Beobachter dem GECF an und verfügt über umfangreiche Erdgasvorkommen, insbesondere im Rovuma-Becken im Norden des Landes. Von dort exportiert das Land bereits Flüssigerdgas auf den internationalen Markt.

Chapo forderte stabile Absatzmärkte und eine engere Abstimmung zwischen Gasproduzenten und Verbraucherländern. Energiesicherheit dürfe nicht zulasten anderer Staaten entstehen.

„Kein Land kann seine Energiesicherheit isoliert aufbauen“, erklärte der Präsident.

Die wirtschaftlichen Vorteile der Gasförderung sollten nach seinen Vorstellungen stärker innerhalb Mosambiks genutzt werden. Dazu gehören die Weiterverarbeitung natürlicher Ressourcen, die Ansiedlung industrieller Betriebe und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Als Beispiel nannte Chapo die Gasnutzung in Temane in der Provinz Inhambane. Dort wird Erdgas unter anderem zur Erzeugung von Kochgas und zur Stromproduktion in einem Kraftwerk mit einer Leistung von 450 Megawatt genutzt.

Mosambik liefert außerdem seit mehr als zwei Jahrzehnten Erdgas nach Südafrika und trägt damit zur regionalen Energieversorgung bei.

Bei seinem Auftritt in Moskau verwies Chapo zugleich auf den weiterhin eingeschränkten Zugang vieler Menschen in Afrika zu Elektrizität und modernen Kochmöglichkeiten.

„Afrika kann nicht weiterhin ein Kontinent sein, der andere Teile der Welt beleuchtet, während Millionen seiner eigenen Bürger im Dunkeln bleiben“, sagte er.

Die Einnahmen aus der Erdgaswirtschaft sollen nach Angaben des Präsidenten unter anderem über den mosambikanischen Staatsfonds zur langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.

Gazprom-Chef trifft Mosambiks Präsidenten in Moskau

Am Rande des Gipfels traf Chapo den Vorstandsvorsitzenden des russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexei Miller. Über konkrete Vereinbarungen oder Investitionszusagen wurde zunächst nichts bekannt.

Gazprom gehört zu den größten Erdgasproduzenten der Welt und spielt eine zentrale Rolle in der russischen Energiepolitik. Mosambik bemüht sich um zusätzliche Investitionen, technische Zusammenarbeit und den Ausbau seiner Förder- und Verarbeitungskapazitäten.

Chapo nutzte seinen Aufenthalt in Moskau auch für Gespräche mit Vertretern russischer Unternehmen. Sein Besuchsprogramm umfasste Kontakte zu staatlichen Energiekonzernen, darunter Gazprom und Rosneft.

Der mosambikanische Präsident betonte vier Prioritäten für die Zusammenarbeit im GECF: einen stabileren internationalen Gasmarkt, den Transfer von Technologien und die Ausbildung einheimischer Fachkräfte, zusätzliche Investitionen in die lokale Verarbeitung sowie eine aus seiner Sicht gerechte Energiewende.

Afrikanische Gasproduzenten beraten mit Russland, Katar und Iran

An dem Gipfel nahmen mehrere afrikanische Staats- und Regierungsvertreter sowie Energieminister teil. Zu den hochrangigen Teilnehmern gehörten Äquatorialguineas Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, der Vorsitzende des libyschen Präsidialrats Mohamed al-Menfi und Algeriens Premierminister Sifi Ghrieb.

Ägypten war durch Erdölminister Karim Badawi vertreten, Nigeria durch Gas-Staatsminister Ekperikpe Ekpo. Auch Delegationen aus Angola und Senegal beteiligten sich als Beobachter an den Beratungen.

Neben den afrikanischen Teilnehmern waren unter anderem Irans Präsident Massud Peseschkian und Katars Staatsoberhaupt Tamim bin Hamad Al Thani in Moskau vertreten.

Das Forum wurde vor 25 Jahren als Plattform für den Austausch zwischen Erdgasproduzenten gegründet. Anders als die Organisation erdölexportierender Länder OPEC legt es keine verbindlichen Produktionsquoten fest. Im Vordergrund stehen Marktanalysen, energiepolitische Abstimmung und gemeinsame Interessen der Gasexporteure.

Für mehrere afrikanische Staaten bietet die Organisation einen Rahmen zur Zusammenarbeit mit großen Energieproduzenten wie Russland, Iran und Katar. Algerien, Ägypten, Äquatorialguinea, Libyen und Nigeria gehören zu den Mitgliedern, während Angola, Mosambik und Senegal als Beobachter teilnehmen.

Putin kritisiert Europas Energiepolitik und fordert langfristige Gasverträge

In seiner Rede griff Putin auch die europäische Energiepolitik an. Der russische Präsident machte die Einschränkung russischer Energielieferungen und die Aufkündigung langfristiger Verträge für wirtschaftliche Belastungen in Europa mitverantwortlich.

Nach seiner Darstellung hätten Entscheidungen europäischer Staaten, sich von russischen Energielieferungen zu lösen, negative Folgen für Industrieunternehmen und private Haushalte. Zugleich kritisierte er Beschränkungen beim Zugang zu Technologien und Spezialausrüstung für die Gaswirtschaft.

Putin bezeichnete langfristige Gaslieferverträge als Voraussetzung für verlässliche Investitionen. Produzenten benötigten Planungssicherheit, während Verbraucherländer ihre Energieversorgung über längere Zeiträume kalkulieren müssten.

Der russische Präsident verwies dabei auf die steigende Nachfrage in Asien, Afrika und Lateinamerika. Nach den von ihm vorgestellten Prognosen könnte der weltweite Gasverbrauch von derzeit rund 4,2 Billionen Kubikmetern auf 5,5 Billionen Kubikmeter jährlich bis zur Mitte des Jahrhunderts steigen.

Für Russland bleibt die Zusammenarbeit mit anderen Gasproduzenten auch angesichts westlicher Sanktionen ein Bestandteil seiner internationalen Energiepolitik. Putin erklärte, Moskau wolle bestehende Partnerschaften ausbauen und neue Märkte sowie Transportverbindungen erschließen.

Gasexporteure verabschieden Moskauer Erklärung

Zum Abschluss des achten GECF-Gipfels verabschiedeten die Teilnehmer die Moskauer Erklärung. Darin bekräftigen die Gasexporteure ihre Zusammenarbeit bei der Sicherung der internationalen Energieversorgung und der Entwicklung des Erdgasmarktes.

Putin erklärte zum Abschluss, das Dokument betone die langfristige Bedeutung von Erdgas für die Weltwirtschaft und die industrielle Entwicklung. Die Teilnehmer hätten über die Stabilisierung der Märkte, die Abstimmung von Angebot und Nachfrage sowie eine verlässlichere Versorgung beraten.

Auch der Ausbau technologischer Zusammenarbeit und die Finanzierung langfristiger Investitionen gehörten zu den zentralen Themen des Treffens.

Die nächste internationale Veranstaltung, zu der Putin die Teilnehmer einlud, ist die Russische Energiewoche in Moskau im Jahr 2027.

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