Deutsche und afrikanische Unternehmer wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen und setzen dabei auf direkte Geschäftskontakte, gemeinsame Innovationen und neue Finanzierungsmöglichkeiten. Beim 11. Africa Business Forum am 8. Oktober 2026 in Köln kamen mehr als 80 Vertreter aus Wirtschaft und Finanzwesen beider Kontinente zusammen. Im Mittelpunkt standen Technologie, Landwirtschaft, industrielle Wertschöpfung und die Finanzierung grenzüberschreitender Geschäftsmodelle. Die Veranstalter, der Wirtschaftsverband DIE FAMILIENUNTERNEHMER, wollen damit vor allem mittelständischen Unternehmen den Zugang zu neuen Partnern und Märkten erleichtern.
Unter dem Leitgedanken „Brücken bauen“ diskutierten die Teilnehmer im Wasserturm Hotel Cologne über wirtschaftliche Kooperationsmöglichkeiten zwischen Afrika und Europa. Neben Podiumsgesprächen und Fachvorträgen standen kleinere Arbeitsgruppen und die direkte Vermittlung von Geschäftskontakten auf dem Programm.
Deutsche Mittelständler suchen direkte Geschäftspartner in Afrika
„Wir wollen helfen, Geschäftsbeziehungen aufzubauen und Geschäfte anzubahnen“, erklärte Olaf Ziegs, stellvertretender Regionalvorsitzender des Verbands DIE FAMILIENUNTERNEHMER in der Metropolregion Köln/Bonn und Mitgründer des Forums.
Die Veranstaltung richtet sich an Unternehmen, die neue Absatzmärkte erschließen, Investitionspartner finden oder gemeinsame Projekte entwickeln wollen.
Roland Ndaka Fru, Unternehmer und ebenfalls Mitgründer des Africa Business Forums, betonte die Bedeutung unmittelbarer Kontakte zwischen den beteiligten Unternehmen.
„Dies ist der Ort, an dem Business auf Business trifft – und an dem Afrika und Europa sich als Partner begegnen“, erklärte er.
Die Teilnehmer beschäftigten sich unter anderem mit technologischen Innovationen, Landwirtschaft, mittelständischer Industrie und der Finanzierung neuer Geschäftsmodelle.
Dabei ging es auch um die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit wirtschaftliche Kooperationen nicht bei ersten Kontakten stehen bleiben, sondern in konkrete Projekte und dauerhafte Geschäftsbeziehungen münden.
Konkrete Vertragsabschlüsse oder Investitionssummen wurden im Anschluss an die Veranstaltung nicht bekannt gegeben.
AmaliTech-Gründer verweist auf Afrikas junge Bevölkerung
Martin Hecker, Gründer und Geschäftsführer des international tätigen Technologieunternehmens AmaliTech, stellte in seiner Eröffnungsrede die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten afrikanischer Staaten heraus.
Hecker verwies insbesondere auf die junge Bevölkerung des Kontinents und die daraus entstehenden Potenziale für Ausbildung, Beschäftigung und technologische Entwicklung.
Sein Unternehmen AmaliTech ist in Ghana, Ruanda, Deutschland und den Vereinigten Staaten tätig und bietet Technologiedienstleistungen sowie Beratung an.
Als Beispiele für die wirtschaftliche und wissenschaftliche Entwicklung Afrikas nannte Hecker die Impfstoffproduktion von BioNTech in Ruandas Hauptstadt Kigali und den dortigen Standort der amerikanischen Carnegie Mellon University.
Damit verband er die Forderung, afrikanische Märkte stärker anhand ihrer unternehmerischen und technologischen Entwicklung zu betrachten.
Die demografische Entwicklung könne neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen, wenn Unternehmen Ausbildung, Beschäftigung und Investitionen gemeinsam voranbringen.
Innovation soll sich an lokalen Bedürfnissen orientieren
In einem Fachgespräch über Technologie und Innovation beschäftigten sich die Teilnehmer mit den Voraussetzungen für wirtschaftlich erfolgreiche Geschäftsmodelle in afrikanischen Märkten.
Monsang Bienvenue Angui, Unternehmensberaterin und Autorin des Buches „Afrika von A bis Z“, warnte davor, Innovation ausschließlich mit neuen Technologien gleichzusetzen.
„Wenn wir über Innovation sprechen, lautet die entscheidende Frage nicht: Welche Technologie haben wir? Sondern: Welches Problem wollen wir lösen, für wen, in welchem Kontext und wie relevant ist unsere Lösung vor Ort?“, erklärte Angui.
Als Beispiel wurde das ivorische Unternehmen Dabali Xpress vorgestellt. Es verbindet das Geschäftsmodell internationaler Schnellrestaurantketten mit traditionellen Gerichten aus Côte d’Ivoire.
Auch bestehendes lokales Wissen könne die Grundlage für neue, wirtschaftlich skalierbare Geschäftsmodelle bilden.

Christiane Bauer, Personalleiterin der Emons Services GmbH, hob den persönlichen Austausch mit den Menschen vor Ort hervor. Unternehmen müssten zunächst die Anforderungen ihrer möglichen Geschäftspartner und Kunden verstehen, bevor sie technologische Lösungen entwickelten.
Emmie Chiyindiko, Gründerin des Falling Walls Lab Simbabwe, ergänzte, Partnerschaften seien besonders dann erfolgversprechend, wenn europäische Unternehmen nicht ausschließlich auf vermeintliche Defizite afrikanischer Märkte blickten.
Finanzierung und lokale Wertschöpfung im Fokus
Ein zweiter Schwerpunkt des Forums war die Finanzierung deutsch-afrikanischer Geschäftsprojekte.
Unter der Moderation von Meike Neitz diskutierten Vertreter aus Banken, Entwicklungsfinanzierung, Unternehmensberatung und Investitionsnetzwerken über den Aufbau wirtschaftlicher Partnerschaften.
An der Runde beteiligten sich unter anderem Andreas Voss von der Deutschen Bank, Niklas Fischer Palser von der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, Mercy Mukulu von der Westerwelle Foundation in Kenia und Gabriele Pulvermüller vom RAIN Redsalt Angel Investment Network.
Auch Gerwin Schüttpelz, Gründer des deutschen Klebstoffherstellers cph Deutschland Chemie, brachte seine Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit afrikanischen Märkten ein.
Die Diskussion konzentrierte sich darauf, wie unternehmerische Ideen finanziert, Geschäftsmodelle an örtliche Marktbedingungen angepasst und neue Wertschöpfungsketten aufgebaut werden können.
Neben dem Kapitalbedarf wurden der Zugang zu lokalen Partnern, die vorhandene Infrastruktur und langfristiges Vertrauen als Voraussetzungen erfolgreicher Zusammenarbeit behandelt.
Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen stehen beim Einstieg in neue Märkte häufig vor der Aufgabe, geeignete Geschäftspartner zu identifizieren und wirtschaftliche Risiken einzuschätzen.
Wirtschaftsverband will deutsch-afrikanische Kontakte ausbauen
Das Africa Business Forum wurde bereits zum elften Mal veranstaltet. Organisiert wird es vom Verband DIE FAMILIENUNTERNEHMER mit Unterstützung der Initiatoren Olaf Ziegs und Roland Ndaka Fru.
Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von mehr als 180.000 Familienunternehmen in Deutschland. Insgesamt beschäftigen Familienunternehmen über alle Branchen hinweg rund acht Millionen Menschen.
Mit dem Forum sollen insbesondere mittelständische Betriebe angesprochen werden, die wirtschaftliche Kontakte zu afrikanischen Ländern aufbauen oder bestehende Beziehungen vertiefen wollen.
Zu den Teilnehmern der diesjährigen Veranstaltung gehörten neben Unternehmern auch Vertreter der Deutschen Bank, der DEG, der Friedrich-Naumann-Stiftung und weiterer Organisationen aus der deutsch-afrikanischen Wirtschaftszusammenarbeit.

