Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den früheren Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby und die Marineoffizierin Nariman Hammouti mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Ehrung fand am 5. Oktober anlässlich des Tags der Deutschen Einheit in Berlin statt. Insgesamt erhielten 21 Bürgerinnen und Bürger den Orden für ihr Engagement für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Aussöhnung und internationale Verständigung. Steinmeier hob dabei ausdrücklich auch Einwanderungs- und Emanzipationsgeschichten als Teil der „inneren Einheit“ Deutschlands hervor.
Unter den Ausgezeichneten sind zwölf Frauen und neun Männer. Steinmeier erklärte bei der Verleihung, sie trügen auf unterschiedliche Weise dazu bei, „dass die Demokratie in unserem Land lebendig werden konnte, lebendig ist und lebendig bleibt“.
Karamba Diaby für gesellschaftliches und politisches Engagement geehrt
Karamba Diaby wurde für sein langjähriges Engagement für Integration, gesellschaftlichen Dialog und ein differenziertes Afrikabild in Deutschland ausgezeichnet.
Der in Halle lebende promovierte Chemiker gehörte zunächst dem Ausländerbeirat der Stadt an und war später Vorsitzender des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates. Von 2013 bis 2025 saß Diaby für die SPD im Deutschen Bundestag.
Neben seiner parlamentarischen Arbeit engagierte er sich in zahlreichen Organisationen, darunter im Präsidium des Kinderhilfswerks Plan International Deutschland.
Das Bundespräsidialamt würdigte besonders seinen Einsatz dafür, Vorurteile abzubauen und Kenntnisse über andere Kulturen zu erweitern. Ein besonderes Anliegen Diabys sei es, „ein differenziertes Afrikabild in der deutschen Öffentlichkeit zu fördern“.
Nariman Hammouti als Brückenbauerin ausgezeichnet
Auch Nariman Hammouti aus Hannover erhielt den Verdienstorden. Die Marineoffizierin gehört zu den ersten Jahrgängen von Frauen, die nach der vollständigen Öffnung der Bundeswehr für weibliche Soldaten im Jahr 2001 ihren Dienst aufnahmen.
Hammouti ist die Tochter marokkanischer Eltern und engagiert sich nach Angaben des Bundespräsidialamts als Brückenbauerin zwischen „Tradition und Erneuerung, Zugehörigkeit und Teilhabe“.

Neben ihrer militärischen Laufbahn wirkt sie in der islamischen Militärseelsorge mit. Zudem gehörte sie im Niedersächsischen Landtag der Kommission zu Fragen der Migration und Teilhabe an und war Jurymitglied des Niedersächsischen Integrationspreises.
Steinmeier griff ihre Biografie in seiner Rede ausdrücklich auf. Noch zur Zeit der Stiftung des Bundesverdienstkreuzes durch Bundespräsident Theodor Heuss sei kaum vorstellbar gewesen, dass eine Tochter marokkanischer Eltern Kapitänleutnant der Marine werde und sich für eine moderne Bundeswehr sowie ein besseres Verhältnis zwischen Gesellschaft und Streitkräften einsetze.
Steinmeier spricht von „Einheit der Verschiedenen“
Der Bundespräsident verband die Auszeichnung mit einer grundsätzlichen Aussage über das heutige Deutschland. Einwanderungs- und Emanzipationsgeschichten würden zunehmend selbstverständlicher und seien Teil dessen, was er als „innere Einheit“ bezeichnete.
Steinmeier sprach von einer „Einheit der Verschiedenen“, die durch das gemeinsame Streben nach Menschenwürde, Freiheit und politischer Mitsprache verbunden sei.
Demokratie sei mehr als eine Verfahrens- oder Organisationsform. Sie bleibe nur lebendig, wenn Bürger Verantwortung für das Gemeinwesen übernähmen und sich für andere einsetzten.
Engagement für Demokratie als gemeinsamer Nenner
Die ausgezeichneten Persönlichkeiten kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Nach den Worten Steinmeiers verbindet sie, dass ihr Engagement Menschen zusammenführe und nicht spalte.
Der Bundespräsident erinnerte zugleich an die historischen Wurzeln des Tags der Deutschen Einheit. Die Einheit Deutschlands sei aus dem Willen zur Freiheit und aus dem demokratischen Aufbruch in der DDR hervorgegangen.
„Freiheit und Demokratie kommen nicht von selbst – und sie bleiben auch nicht von selbst“, sagte Steinmeier. Beide müssten verteidigt und immer wieder mit Leben gefüllt werden.
Die Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit gehört zu den letzten dieser Art in Steinmeiers Amtszeit. In seiner Rede verwies er darauf, dass er die Auszeichnungen zu diesem Anlass zum letzten Mal als Bundespräsident überreiche.
