Deutschland will die Zusammenarbeit mit Ägypten bei regionaler Stabilisierung, Wiederaufbau und der Sicherheit internationaler Seewege vertiefen. Staatsminister Hahn reist dazu am 4. Oktober zu politischen Gesprächen nach Kairo. Berlin misst Ägypten wegen seiner Rolle im Nahen Osten und am Roten Meer strategisches Gewicht bei. Auch Ernährungssicherheit und ukrainische Getreideexporte sollen auf der Agenda stehen.
Vor seiner Abreise bezeichnete Hahn Ägypten als „zentralen strategischen Partner“ Deutschlands und als Stabilitätsanker in einer von Konflikten geprägten Region. Die Gespräche in Kairo sollen sich vor allem mit der aktuellen regionalen Lage und Möglichkeiten gemeinsamer Beiträge zu Stabilisierung und Wiederaufbau befassen.
Rotes Meer und internationale Seewege im Fokus
Ein Schwerpunkt der Reise liegt auf der Sicherheitslage am Roten Meer. Die dortigen Spannungen betreffen eine der wichtigsten Handelsrouten zwischen Europa, Asien und Afrika. Deutschland will sich nach den Worten Hahns eng mit Ägypten über die Sicherheit internationaler Seewege abstimmen.
„Auch die Entwicklungen am Roten Meer und die Sicherheit wichtiger internationaler Seewege verdeutlichen, wie unmittelbar regionale Krisen Auswirkungen auf globaler Ebene haben“, erklärte der Staatsminister.

Ägypten nimmt dabei eine Schlüsselposition ein. Über den Suezkanal verbindet das Land das Rote Meer mit dem Mittelmeer und damit eine zentrale Route des Welthandels. Zugleich ist Kairo in mehrere diplomatische Prozesse im Nahen Osten eingebunden.
Deutschland setzt nach Angaben Hahns auf Dialog, Diplomatie und eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Partnern. Die Bundesregierung betrachtet Ägypten dabei als einen ihrer wichtigsten Ansprechpartner.
Getreideexporte und Ernährungssicherheit auf der Agenda
Neben den regionalen Konflikten soll auch die globale Ernährungssicherheit Thema der Gespräche werden. Hahn verband die Frage mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und möglichen Fortschritten bei ukrainischen Getreideexporten.
Die Bundesregierung wolle erneut deutlich machen, dass die Ukraine zu Verhandlungen bereit sei. Fortschritte bei Getreideexporten wären aus deutscher Sicht besonders für Staaten des Globalen Südens von Bedeutung, die stark von Einfuhren abhängig sind.
Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf internationale Agrarmärkte haben auch zahlreiche afrikanische Staaten getroffen. Ägypten zählt selbst zu den großen Getreideimporteuren und ist damit unmittelbar von Preisentwicklungen und verfügbaren Liefermengen auf den Weltmärkten abhängig.
Berlin setzt auf breitere Partnerschaft mit Kairo
Die Reise soll sich nicht auf Sicherheits- und Krisenthemen beschränken. Hahn verwies auf die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Ägypten sowie auf Kooperationen in Wissenschaft, Bildung und Kultur.
Während seines Aufenthalts will der Staatsminister auch an den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Kairo teilnehmen. Zudem ist seine Teilnahme an einer Graduierungsfeier der German University in Cairo vorgesehen.
Die Universität steht für den engen akademischen Austausch zwischen beiden Ländern. Neben staatlichen Beziehungen spielen Hochschulen und gesellschaftliche Kontakte seit Jahren eine wichtige Rolle in der deutsch-ägyptischen Zusammenarbeit.

