Deutschland und internationale Partner haben bei der Berliner Sudan-Konferenz Hilfen von insgesamt 1,485 Milliarden Euro für Sudan und die vom Krieg betroffenen Nachbarstaaten zugesagt. Die Bundesregierung legte die genaue Verteilung der Mittel nun in einer Antwort an den Bundestag offen. Deutschland steht mit rund 233 Millionen Euro hinter der Europäischen Union und der Afrikanischen Entwicklungsbank an dritter Stelle der aufgeführten Geber. Zugleich setzt Berlin seine diplomatischen Bemühungen gegenüber Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten fort.
Die dritte internationale Sudan-Konferenz war am 15. April von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, der Afrikanischen Union und der Europäischen Union in Berlin ausgerichtet worden. Neben der Mobilisierung humanitärer Hilfe sollte sie Wege zu einer Waffenruhe und einem politischen Prozess unterstützen.
Die größte Zusage kam von der Europäischen Union mit 360,8 Millionen Euro. Deutschland stellte 232,8 Millionen Euro in Aussicht, die Afrikanische Entwicklungsbank 206 Millionen Euro und Großbritannien 167,9 Millionen Euro. Saudi-Arabien sagte 123,25 Millionen Euro zu. Kanada folgte mit 74,4 Millionen und die Niederlande mit 64 Millionen Euro.
Deutsche Hilfe läuft bis 2028
Von den 212 Millionen Euro, die das Auswärtige Amt für humanitäre Hilfe zugesagt hat, waren zum Zeitpunkt der Antwort 174,85 Millionen Euro einzelnen Ländern zugeteilt. Direkt für Sudan sind für 2026 insgesamt 42,3 Millionen Euro vorgesehen, 2027 weitere 23,2 Millionen und 2028 nochmals 9,33 Millionen Euro.
Weitere Mittel gehen unter anderem an Südsudan, Äthiopien, Tschad, Ägypten und die Zentralafrikanische Republik. Das Bundesentwicklungsministerium hat zusätzlich 20 Millionen Euro für Maßnahmen in Sudan angekündigt. Insgesamt ist die deutsche Förderung für den Zeitraum von 2026 bis 2028 vorgesehen.
Für humanitäre Länderfonds der Vereinten Nationen sind 21,5 Millionen Euro eingeplant. Davon fließen 15 Millionen Euro in den Sudan Humanitarian Fund, weitere 6,5 Millionen Euro in entsprechende Fonds für Äthiopien, Südsudan und die Zentralafrikanische Republik.
Gespräche über zivilen Übergang laufen in Addis Abeba weiter
Mehr als 20 Staaten und Institutionen verabschiedeten nach der Berliner Konferenz die „Berliner Prinzipien für Sudan“. Sie umfassen unter anderem Grundsätze für eine friedliche Konfliktlösung, ein Ende externer Unterstützung für die Kriegsparteien, den Schutz der Zivilbevölkerung und eine zivil geführte Nachkriegsordnung.

In Berlin kamen außerdem mehr als 40 Vertreter verschiedener sudanesischer politischer und gesellschaftlicher Gruppen zusammen. Sie verständigten sich erstmals auf einen „Gemeinsamen Aufruf zum Ende des Krieges in Sudan“. Die Gespräche über einen zivil geführten Übergang werden inzwischen in Addis Abeba fortgesetzt. Vermittelt werden sie von einem Quintett aus Afrikanischer Union, Vereinten Nationen, Arabischer Liga, der Regionalorganisation IGAD und der Europäischen Union.
Die beiden Kriegsparteien, die sudanesischen Streitkräfte SAF und die paramilitärischen Rapid Support Forces RSF, waren an der Berliner Konferenz allerdings nicht beteiligt. Einen Waffenstillstand brachte das Treffen nicht hervor.
Berlin erhöht Druck auf regionale Akteure
Die Bundesregierung richtet ihre Diplomatie zugleich stärker auf Staaten aus, denen Einfluss auf die Konfliktparteien zugeschrieben wird. Staatsministerin Serap Güler führte im Juni hochrangige Gespräche in Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dabei ging es nach Angaben der Bundesregierung um die Umsetzung der Berliner Prinzipien.
Berlin erklärt zudem, auf regionale Unterstützer der Konfliktparteien einzuwirken, um Waffenlieferungen zu stoppen, humanitäre Zugänge offenzuhalten und Sanktionen durchzusetzen.
Im Juli verschärfte die Europäische Union ihre Sudan-Sanktionen und nahm erstmals unmittelbar Teile der Kriegswirtschaft ins Visier. Seitdem sind der Kauf, die Einfuhr und die Verbringung von Gold aus Sudan sowie die Ausfuhr von Quecksilber und Cyanid zur Goldgewinnung nach Sudan verboten. Die EU begründet die Maßnahmen damit, Finanzierungsquellen des Krieges einzuschränken.
Grenzübergänge für humanitäre Hilfe geöffnet
Konkrete Fortschritte meldet die Bundesregierung beim humanitären Zugang. Durch diplomatische Gespräche sei die Öffnung des Grenzübergangs Adré zum Tschad verlängert worden. Der Übergang Tiné-Tina sei wieder geöffnet worden, außerdem sei eine durchgehende Öffnung des Grenzübergangs Renk zum Südsudan erreicht worden.
An der Berliner Konferenz nahmen nach Angaben der Bundesregierung 38 sudanesische und internationale Nichtregierungsorganisationen sowie zivilgesellschaftliche Gruppen teil. Ein Schwerpunkt lag auf den sogenannten Emergency Response Rooms, lokalen Netzwerken, die in vielen Teilen Sudans die Versorgung der Bevölkerung organisieren. Ihre Vorschläge sollen in diplomatische Gespräche auch mit den Konfliktparteien einfließen.

