Botsuana fordert neue Weltfinanzordnung

Wenn Schuldendienst mehr kostet als Bildung oder Gesundheitsversorgung, verliert die internationale Finanzordnung Vertrauen, warnt Botsuanas Präsident Duma Boko.

Botsuanas Präsident Duma Gideon Boko hat vor den Vereinten Nationen eine Reform der globalen Finanzordnung gefordert, weil hohe Kreditkosten und Schuldendienst den finanziellen Spielraum von Entwicklungsländern einschränken. Er sprach am Mittwoch, 23. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York. Boko verlangte einen gerechteren Zugang zu zinsgünstiger Finanzierung und mehr Mitsprache für Entwicklungsländer in den internationalen Finanzinstitutionen. Zugleich warnte er vor einer selektiven Anwendung internationaler Regeln und forderte den Erhalt des UN-Programms UNAIDS. 

Hohe Kreditkosten belasten Entwicklungsländer

Boko rückte die Finanzierung von Entwicklung ins Zentrum seiner Rede. Die internationale Finanzarchitektur müsse an die wirtschaftlichen Bedingungen des 21. Jahrhunderts angepasst werden. Dabei gehe es zugleich um die Kosten des Klimawandels, den technologischen Wandel und die Finanzierung nachhaltiger Entwicklung.

Entwicklungsländer müssten häufig ein Mehrfaches der Finanzierungskosten wohlhabender Staaten tragen, sagte Boko. Die bestehenden Strukturen seien nicht für die Bedingungen des Globalen Südens geschaffen worden.

„Wenn Staaten mehr für den Schuldendienst ausgeben als für Bildung, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Gesundheitsversorgung, schwindet das Vertrauen in das System“, sagte der Präsident.

Botsuana fordert deshalb einen fairen und berechenbaren Zugang zu konzessionären Finanzierungen, also Krediten zu günstigeren Konditionen als am Kapitalmarkt. Internationales privates Kapital solle zudem stärker über Mischfinanzierungen mobilisiert werden, bei denen öffentliche Mittel einen Teil des Investitionsrisikos übernehmen. 

Die Belastung durch Schulden ist auch auf UN-Ebene ein zentrales Thema. Bei den am wenigsten entwickelten Ländern erreichte der externe Schuldenstand zuletzt 586 Milliarden Dollar. Steigende Schuldendienstkosten schränkten dort den finanziellen Spielraum für Gesundheit, Bildung, Energieversorgung und soziale Sicherung ein, hieß es bei einer UN-Veranstaltung im Juni. 

Entwicklungsländer sollen mehr Einfluss erhalten

Boko verband die Finanzierungsfrage mit einer grundsätzlichen Kritik an der internationalen Ordnung. Vertrauen könne nur entstehen, wenn Staaten unabhängig von Größe, Wohlstand oder militärischer Macht als gleichberechtigt behandelt würden.

„Regeln, die nur die Schwachen binden, sind keine Regeln“, sagte er. Prinzipien, die selektiv angewandt würden, verlören ihren Anspruch auf Respekt.

Botsuana forderte deshalb die Generalversammlung, den Sicherheitsrat und andere UN-Organe auf, den Dialog wieder zum „ersten Instrument der Diplomatie“ zu machen. Für kleinere Staaten sei eine regelbasierte internationale Ordnung kein abstraktes Prinzip, sondern ein Schutzmechanismus. 

Auch bei der internationalen Finanzpolitik verlangte Boko mehr Einfluss für Entwicklungsländer. Entscheidungen über globale Finanzierung, technologische Standards sowie den Umgang mit kritischen Rohstoffen dürften nicht überwiegend von Industriestaaten bestimmt werden.

Afrika soll bei kritischen Rohstoffen mitentscheiden

Der Präsident bezog seine Forderung ausdrücklich auf die technologische Transformation. Viele der kritischen Mineralien, Seltenen Erden und Energierohstoffe, die für neue Technologien benötigt werden, stammen aus Entwicklungsländern.

Diese Staaten müssten deshalb an der Festlegung von Regeln und Standards beteiligt werden, argumentierte Boko. Technologischer Fortschritt solle Arbeitsplätze schaffen, öffentliche Dienstleistungen verbessern und bestehende globale Ungleichheiten nicht weiter verschärfen. 

Botsuana selbst gehört zu den rohstoffreichen Staaten des südlichen Afrika. Die Regierung verbindet die Debatte über natürliche Ressourcen zunehmend mit der Frage, wie mehr Wertschöpfung, Verarbeitung und Beschäftigung im eigenen Land entstehen können.

Botsuana fordert ständige Sitze für Afrika

Boko erneuerte zugleich die Forderung nach einer Reform des UN-Sicherheitsrats. Afrika und Lateinamerika seien weiterhin von der ständigen Mitgliedschaft ausgeschlossen, obwohl sich die geopolitischen Gewichte seit der Gründung der Vereinten Nationen grundlegend verändert hätten.

Botsuana stellte sich hinter die gemeinsame Position der Afrikanischen Union im Ezulwini-Konsens und in der Erklärung von Sirte. Die afrikanischen Staaten verlangen darin unter anderem mindestens zwei ständige Sitze für den Kontinent.

Ein Sicherheitsrat ohne ständige Vertretung Afrikas und Lateinamerikas könne die gegenwärtigen internationalen Machtverhältnisse nicht glaubwürdig abbilden, sagte Boko. 

Klimawandel trifft Wasser und Lebensgrundlagen

Neben Finanzierung und UN-Reform verwies Boko auf die unmittelbaren Folgen des Klimawandels für sein Land.

Botsuana beherbergt mit dem Okavango-Delta eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Afrikas sowie große Teile des Kalahari-Ökosystems. Veränderungen des Klimas wirkten sich bereits auf Lebensgrundlagen, Wassersicherheit und Biodiversität aus, sagte der Präsident.

Botsuana halte deshalb am internationalen Ziel fest, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter wirksamen Schutz zu stellen. Gleichzeitig müssten Entwicklungsländer Zugang zu den finanziellen Mitteln erhalten, die sie für Klimaanpassung und wirtschaftliche Transformation benötigen. 

Fortschritte im Kampf gegen HIV

Als Beispiel dafür, was internationale Zusammenarbeit bewirken könne, verwies Boko auf den Kampf seines Landes gegen HIV und Aids. Vor rund drei Jahrzehnten habe die Epidemie die langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität Botsuanas bedroht.

Durch staatliche Investitionen und internationale Partnerschaften baute das Land eines der umfassendsten HIV-Behandlungsprogramme Afrikas auf. Boko verwies außerdem darauf, dass Botsuana die sogenannten 95-95-95-Ziele von UNAIDS vorzeitig erreicht habe. 

Bei der Verhinderung der HIV-Übertragung von Müttern auf ihre Kinder hat Botsuana inzwischen einen weiteren Schritt erreicht. Die Weltgesundheitsorganisation stufte das Land 2025 auf die Gold-Stufe ihres Programms zur Eliminierung der Mutter-Kind-Übertragung hoch. Die Übertragungsrate sank nach WHO-Angaben auf 1,2 Prozent, 98 Prozent der schwangeren Frauen mit HIV erhielten eine Behandlung. 

Dabei handelt es sich um eine Einstufung auf dem Weg zur vollständigen Eliminierung, nicht um die Feststellung, dass es überhaupt keine Übertragungen mehr gibt. Die WHO hatte Botsuana bereits 2021 als erstes Land mit hoher HIV-Belastung mit der Silber-Stufe ausgezeichnet und 2025 auf Gold hochgestuft. 

Boko fordert Erhalt von UNAIDS

Boko hob insbesondere die Rolle von UNAIDS hervor. Das gemeinsame UN-Programm habe Botsuana bei evidenzbasierter Gesundheitspolitik, technischer Beratung, der Mobilisierung von Finanzmitteln und der internationalen Koordinierung unterstützt.

Botsuana messe dem Fortbestand von UNAIDS deshalb „besondere Bedeutung“ bei, sagte der Präsident. Das Land verfolgt das Ziel, HIV und Aids bis 2030 als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden.

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