Deutschland fährt Hochschulkooperationen mit Afrika zurück – während China und Russland ausbauen

Deutschland fährt institutionelle Hochschulkooperationen mit Afrika zurück, während China und Russland ihr akademisches Engagement ausbauen. Die Bundesregierung räumt selbst ein, dass damit ein Instrument mit großer Hebelwirkung für Forschungsnetzwerke und Talente geschwächt werden kann.

Das Entwicklungsministerium lässt zentrale DAAD-Hochschulkooperationen mit Ländern Afrikas und anderer Regionen des Globalen Südens bis 2030 auslaufen und konzentriert seine Förderung künftig auf Stipendien und Alumni-Programme. Die Bundesregierung bestätigte diesen Kurs am 7. September 2026 in einer Antwort an den Bundestag. Zugleich räumt sie ein, dass Hochschulkooperationen eine große Hebelwirkung für Forschungsnetzwerke und wissenschaftliche Talente entfalten und dass China und Russland ihr akademisches Engagement in Afrika ausbauen. Betroffen sind Programme, die unter anderem Hochschulen in Subsahara-Afrika bei Management, Studienangeboten, Gesundheit, Energie und nachhaltiger Entwicklung miteinander vernetzen. 

BMZ lässt drei zentrale Kooperationsprogramme auslaufen

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung will seine Mittel für den Deutschen Akademischen Austauschdienst künftig stärker auf die Förderung einzelner Studierender sowie auf langfristige Alumni-Netzwerke konzentrieren.

Laufende Hochschulkooperationsprogramme dürfen ihre bereits bewilligte Laufzeit abschließen. Neue Fortsetzungen über diese Zeiträume hinaus sind jedoch nicht vorgesehen.

Das Programm „Hochschulexzellenz in der Entwicklungszusammenarbeit“, kurz Exceed, läuft Ende 2029 aus. Es verbindet deutsche Hochschulen mit Partnern unter anderem in Subsahara-Afrika, Nordafrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Die Kooperationen arbeiten an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, darunter Gesundheit und nachhaltige Energie.

Ebenfalls Ende 2029 endet das Programm der SDG-Partnerschaften. Es unterstützt Studiengänge und Hochschulprojekte unter anderem in den Bereichen Gesundheit, Wassermanagement und erneuerbare Energien.

Das Programm DIES, das Hochschulen im Globalen Süden bei Führung, Qualitätssicherung und Internationalisierung unterstützt, soll Ende 2030 auslaufen.

Bundesregierung bestätigt Folgen für Forschungsnetzwerke

Die Bundesregierung erkennt zugleich die strukturelle Wirkung solcher Kooperationen ausdrücklich an.

Eine organisierte internationale Hochschulzusammenarbeit sei „grundsätzlich ein nachhaltiger Weg für langfristig gefestigte bilaterale Wissenschaftskooperationen mit großer Hebelkraft“, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion.

Solche Programme erleichterten den Aufbau internationaler Forschungsnetzwerke, die Gewinnung wissenschaftlicher Talente sowie den Zugang zu Forschungsdaten und Expertise aus dem Globalen Süden. „Abstriche bei Kooperationsprogrammen“ könnten diese Hebelwirkung einschränken, erklärt die Bundesregierung.

Sie verweist zugleich darauf, dass eine geografisch breiter aufgestellte internationale Wissenschaftskooperation gerade angesichts geopolitischer Umbrüche Vorteile habe.

China und Russland bauen akademischen Einfluss in Afrika aus

Diese geopolitische Dimension betrifft insbesondere Afrika. Die Bundesregierung stellt ausdrücklich fest, „dass Russland und China ihren Einfluss in Afrika im Bereich des wissenschaftlichen und akademischen Engagements ausbauen“.

Das BMZ will dem nicht mit einer Fortsetzung der bisherigen Hochschulpartnerschaften begegnen, sondern mit Stipendien und Alumni-Netzwerken. Damit sollten internationale Verbindungen auch in Afrika weiter ausgebaut und deutsche Interessen gesichert werden.

Die Grünen hatten in ihrer Anfrage auf eine deutlich offensivere Wissenschaftsdiplomatie anderer Staaten verwiesen. Demnach bewarben sich 2025 mehr als 40.000 afrikanische Studierende um rund 5.000 staatlich finanzierte russische Stipendienplätze.

China plant nach den von den Abgeordneten angeführten Zahlen, zwischen 2025 und 2027 insgesamt 60.000 afrikanische Studierende und 1.000 Forschende nach China zu holen. Zusätzlich sollen 30 gemeinsame Forschungslabore entstehen.

Programme erreichten mehr als 70 Länder

Die von der Entscheidung betroffenen Hochschulkooperationsprogramme wurden nach Angaben der Fragesteller 2025 noch mit rund 25 Millionen Euro finanziert. Innerhalb von fünf Jahren hätten sie etwa 120.000 Menschen in mehr als 70 Ländern erreicht. Rund 450 Partnerhochschulen und andere Institutionen seien beteiligt gewesen.

Die Bundesregierung widerspricht dabei der Bezeichnung als aktuelle „Kürzungen“. Die bereits bewilligten Programme würden vollständig umgesetzt. Das BMZ spricht stattdessen von einer strategischen Neuausrichtung seiner Förderung.

Die Entscheidung sei Teil eines Reformprozesses des Ministeriums. Dabei seien Erfahrungen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft sowie die mittelfristige Finanzplanung des Bundes berücksichtigt worden.

Auf die Frage, ob vor der Entscheidung eine konkrete Folgenabschätzung durchgeführt wurde, in der kurzfristige Einsparungen gegen langfristige Auswirkungen auf internationale Partnerschaften abgewogen wurden, verweist die Bundesregierung lediglich auf diesen Reformprozess.

Auch bei der Frage nach einer gesonderten Wirtschaftlichkeitsprüfung nennt sie kein eigenes Ergebnis.

Entscheidung fiel im BMZ

Die Grünen wollten zudem wissen, ob der DAAD, die Hochschulrektorenkonferenz, betroffene Universitäten sowie das Auswärtige Amt, das Forschungsministerium oder das Bundeskanzleramt vor der Entscheidung einbezogen wurden.

Die Bundesregierung erklärt dazu lediglich, die Entscheidung sei „im Rahmen des Reformprozesses in der Ressortzuständigkeit des BMZ“ getroffen worden. Angaben darüber, welche externen Institutionen oder Bundesressorts konkret vorab konsultiert wurden, macht sie nicht.

Unberührt bleiben die DAAD-Programme des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Auch diese Ministerien finanzieren Projekte mit Ländern des Globalen Südens.

Stipendien sollen künftig Schwerpunkt der Entwicklungspolitik bilden

Das BMZ begründet die Neuausrichtung mit der Wirkung von Stipendien. Diese dienten insbesondere der Aus- und Weiterbildung junger Menschen im Globalen Süden sowie der Qualifizierung von Fach- und Führungskräften in Partnerländern.

Auch Alumni-Programme sollen weiter finanziert werden. Sie ermöglichten den Aufbau dauerhafter internationaler Netzwerke und stärkten nach Einschätzung des Ministeriums die deutsche „Soft Power“.

Der DAAD bleibe ein „wichtiger und geschätzter Partner“ der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, erklärt die Bundesregierung. Die künftige Zusammenarbeit solle jedoch stärker auf Stipendien und Alumni-Netzwerke konzentriert werden.

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