Nach 74 Tagen in der Schweiz: Paul Biya zeigt sich wieder in Kamerun

74 Tage außerhalb Kameruns und Spekulationen über seinen Gesundheitszustand: Paul Biya ist zurück in Yaoundé und zeigt sich wieder öffentlich im Präsidentenpalast.

Kameruns Präsident Paul Biya ist nach seiner mehr als zweimonatigen Abwesenheit wieder öffentlich im Präsidentenpalast in Yaoundé aufgetreten. Zwei Tage nach seiner Rückkehr aus der Schweiz empfing der 93-Jährige am 22. August gemeinsam mit seiner Frau Chantal Biya die kamerunische Frauenfußball-Nationalmannschaft. Zuvor hatte sein ungewöhnlich langer Auslandsaufenthalt eine Debatte über seine Amtsfähigkeit, eine mögliche Vakanz an der Staatsspitze und seine Nachfolge ausgelöst. Biya war seit dem 7. Juni außerhalb Kameruns gewesen.

Die sogenannten Unbezähmbaren Löwinnen waren nach ihrem Titelgewinn beim Afrika-Cup der Frauen in Marokko in den Präsidentenpalast eingeladen worden. An der Zeremonie nahmen unter anderem der Premierminister, der Präsident der Nationalversammlung, Regierungsmitglieder und der Präsident des kamerunischen Fußballverbandes Fecafoot, Samuel Eto’o, teil.

„Ihr habt uns glücklich gemacht, ihr habt uns stolz gemacht“, sagte Biya zu den Spielerinnen. Die Mannschaft habe „eine der schönsten Seiten des kamerunischen Sports“ geschrieben.

Präsident kehrte am Donnerstag nach Yaoundé zurück

Biya war am 20. August nach Yaoundé zurückgekehrt. Sein ursprünglich als „kurzer privater Aufenthalt in Europa“ angekündigter Auslandsaufenthalt hatte sich auf rund zweieinhalb Monate verlängert.

Der Präsident hatte Kamerun am 7. Juni gemeinsam mit seiner Frau verlassen. Kamerunische Medien berichteten, dass er sich während eines großen Teils dieser Zeit in Genf aufhielt. Unter anderem wurde das Hotel InterContinental als Aufenthaltsort genannt.

Bei seiner Rückkehr übertrug der staatliche Rundfunk CRTV die Ankunft am internationalen Flughafen Yaoundé-Nsimalen live. Anhänger des regierenden Rassemblement démocratique du peuple camerounais, kurz RDPC, waren zur Begrüßung mobilisiert worden.

Biya verließ den Flughafen gemeinsam mit seiner Frau und grüßte aus seinem Fahrzeug heraus die versammelten Anhänger. Anschließend fuhr sein Konvoi zum Präsidentenpalast.

Lange Abwesenheit löste Debatte über Machtvakuum aus

Die Dauer des Aufenthalts hatte in Kamerun zunehmend politische Fragen ausgelöst. Vertreter der Opposition sprachen von einem institutionellen Vakuum und warfen der Regierung vor, das Land befinde sich während der Abwesenheit des Präsidenten im „Autopilot“.

Der im Exil lebende Oppositionspolitiker Issa Tchiroma Bakary kündigte am 12. August 2026 seine unmittelbare Rückkehr nach Kamerun an, ohne ein konkretes Datum zu nennen. Seine Ankündigung fiel in eine Phase, in der auch Paul Biyas mehr als zweimonatige Abwesenheit die politische Unsicherheit im Land verstärkte.

Einige Oppositionspolitiker forderten den Verfassungsrat auf, sich mit der Frage zu befassen, ob eine Vakanz des Präsidentenamtes vorliege.

Die Regierung wies dies zurück. Kommunikationsminister und Regierungssprecher René Emmanuel Sadi erklärte, die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für die Feststellung einer Vakanz seien nicht erfüllt. Eine solche Situation liege weder wegen des Todes des Präsidenten noch wegen einer dauerhaften Verhinderung der Amtsausübung vor.

Auch James Fame Ndongo, Minister für Hochschulwesen und führendes Mitglied der Regierungspartei RDPC, verteidigte Biya. Der Präsident verfolge auch aus dem Ausland „akribisch“ die ihm von seinen Mitarbeitern vorgelegten Vorgänge.

Regierung dementierte Berichte über Krankenhausaufenthalt

Während Biyas Aufenthalt in Genf kursierten erneut Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Am 18. Juni dementierte die kamerunische Regierung Medienberichte, wonach der Präsident in einer Genfer Klinik behandelt werde.

Biya hält sich seit vielen Jahren regelmäßig für längere Zeiträume in der Schweiz auf. Die diesmalige Abwesenheit gehörte jedoch zu den längsten und verstärkte die politische Debatte darüber, wie die Staatsgeschäfte während seiner Aufenthalte außerhalb Kameruns geführt werden.

Oppositionspolitiker Prosper Nkou Mvondo, Vorsitzender der Partei Univers, stellte bei Biyas Rückkehr grundsätzlich infrage, welche Auswirkungen dessen Anwesenheit auf die Regierungsführung habe. Er bezeichnete die organisierte Begrüßung am Flughafen als „Spektakel“.

Mit 93 Jahren seit 1982 an der Macht

Paul Biya regiert Kamerun seit 1982 und gehört damit zu den am längsten amtierenden Staatschefs der Welt. Bei der Präsidentschaftswahl im Oktober 2025 erhielt er ein achtes Mandat.

Das Wahlergebnis wurde von der Opposition angefochten. Nach der Wahl kam es zu Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Regierung bestätigte später mehrere Dutzend Tote, veröffentlichte jedoch keine abschließende Zahl.

Biyas Alter und seine wiederkehrenden längeren Aufenthalte im Ausland haben zugleich die Diskussion über seine mögliche Nachfolge verstärkt. Auch während der jüngsten Abwesenheit wurde in Kamerun über personelle Veränderungen innerhalb der Staatsführung und eine seit Monaten erwartete Regierungsumbildung diskutiert.

Biya richtet Blick auf Frauen-WM 2027

Bei seinem Empfang der Fußball-Nationalmannschaft trat Biya nun wieder in seiner Funktion als Staatspräsident auf. Er dankte auch dem Trainerstab für dessen Arbeit und sagte der Mannschaft die weitere Unterstützung des Staates zu.

Nach dem ersten kontinentalen Titel der kamerunischen Frauen richtet sich der Blick der Mannschaft auf die Frauen-Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. Biya forderte die Spielerinnen auf, geschlossen zu bleiben.

„Geht weiter voran und ehrt weiterhin euer Land“, sagte der Präsident.

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