Chinas Exporte nach Afrika steigen auf 130 Milliarden Dollar

Der Handel zwischen China und Afrika erreicht einen neuen Rekord. Doch von den 203,54 Milliarden Dollar entfällt der größere Teil auf chinesische Exporte – Afrikas Defizit steigt auf 56,48 Milliarden Dollar.

Chinas Exporte nach Afrika sind kräftig gestiegen und haben das Handelsdefizit des Kontinents gegenüber der Volksrepublik auf 56,48 Milliarden US-Dollar ausgeweitet. Die Bilanz umfasst die ersten sechs Monate des Jahres 2026. Der gesamte Warenhandel erreichte mit 203,54 Milliarden Dollar einen Höchststand für ein erstes Halbjahr. Während chinesische Produkte in zahlreiche afrikanische Märkte fließen, konzentrieren sich Afrikas Lieferungen weiterhin auf wenige rohstoffreiche Staaten.

Handel wächst innerhalb eines Jahres um 24 Prozent

Der Warenhandel zwischen China und Afrika nahm gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 24 Prozent zu. Chinesische Unternehmen exportierten Waren im Wert von 130,01 Milliarden Dollar auf den Kontinent. Das entsprach einem Anstieg um 26,2 Prozent, wie Zahlen der chinesischen Zollverwaltung zeigen.

Afrikas Ausfuhren nach China wuchsen um 20,3 Prozent auf 73,53 Milliarden Dollar. Damit erhöhten sich die Lieferungen in beide Richtungen deutlich. Der Abstand zwischen chinesischen Exporten und afrikanischen Ausfuhren fiel jedoch größer aus als zuvor.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, bezeichnete das Handelsvolumen als das beste Ergebnis, das jemals in einem ersten Halbjahr erreicht worden sei.

Bereits 2025 hatte der Handel zwischen China und Afrika mit 348 Milliarden Dollar einen Rekordwert erzielt. Davon entfielen 225 Milliarden Dollar auf chinesische Exporte und 123 Milliarden Dollar auf Einfuhren aus Afrika.

Chinesische Waren erreichen den gesamten Kontinent

Das Wachstum der chinesischen Ausfuhren verteilt sich auf zahlreiche afrikanische Volkswirtschaften. China liefert unter anderem Maschinen, Fahrzeuge, Elektronik, Solartechnik, Textilien und Konsumgüter.

Die steigenden Lieferungen treffen in vielen Ländern auf eine wachsende Nachfrage nach preisgünstigen Industrieprodukten und technischer Ausrüstung. Zugleich stehen afrikanische Hersteller in einzelnen Branchen stärker unter Konkurrenzdruck durch chinesische Importe.

Die Ausfuhr chinesischer Waren in andere Weltregionen hat zusätzlich an Bedeutung gewonnen, seit die Vereinigten Staaten ihre Handelspolitik gegenüber Peking verschärft haben. China hatte bereits 2025 seine Exporte in Märkte außerhalb der USA ausgeweitet. Der erneute amerikanische Zollkurs erhöht den Druck auf chinesische Unternehmen, weitere Absatzmärkte zu erschließen.

Die Handelszahlen allein belegen jedoch nicht, welcher Anteil des Wachstums unmittelbar auf amerikanische Zölle zurückgeht. Neben dem Konflikt mit Washington tragen auch Afrikas Bevölkerungswachstum, der Ausbau von Infrastruktur und die Nachfrage nach chinesischer Technik zur Entwicklung bei.

Vier Rohstoffstaaten prägen Afrikas Exporte

Auf afrikanischer Seite konzentriert sich ein großer Teil des Geschäfts auf Südafrika, die Demokratische Republik Kongo, Angola und Guinea. Die vier Länder liefern vor allem Rohstoffe, die für Chinas Industrie und Energieversorgung benötigt werden.

Angola gehört zu den bedeutenden afrikanischen Erdöllieferanten Chinas. Die Demokratische Republik Kongo ist ein zentraler Produzent von Kupfer und Kobalt. Guinea verfügt über große Bauxitvorkommen, während Südafrika unter anderem Metalle, Mineralien und landwirtschaftliche Erzeugnisse exportiert.

Gestiegene Preise für Erdöl und mehrere Mineralien trugen dazu bei, dass der Wert der afrikanischen Lieferungen zunahm. Viele andere Staaten profitieren wesentlich weniger vom Wachstum, da sie nur begrenzte Mengen nach China verkaufen oder die chinesischen Einfuhrbedingungen für ihre Produkte nicht erfüllen.

Die Handelsstruktur bleibt damit ungleich verteilt. China verkauft verarbeitete Waren in weite Teile des Kontinents. Afrikas Exporte bestehen dagegen überwiegend aus Rohstoffen und stammen zu einem erheblichen Teil aus wenigen Ländern.

China öffnet seinen Markt für 53 Staaten

Seit dem 1. Mai 2026 gewährt China Waren aus 53 afrikanischen Staaten zollfreien Zugang. Die Regelung gilt für alle Länder des Kontinents, die diplomatische Beziehungen zu Peking unterhalten. Eswatini bleibt ausgeschlossen, weil das Königreich als einziger afrikanischer Staat Taiwan offiziell anerkennt.

Für 33 der am wenigsten entwickelten afrikanischen Länder galt die Zollfreiheit bereits seit Dezember 2024. Die Erweiterung betrifft vor allem 20 größere Volkswirtschaften, darunter Südafrika, Ägypten, Nigeria, Algerien und Kenia. Für diese Staaten ist die neue Regelung zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Peking will dadurch unter anderem Einfuhren von Kakao, Kaffee, Avocados, Zitrusfrüchten und Wein fördern. Einige dieser Produkte waren zuvor mit Zöllen zwischen acht und 30 Prozent belegt.

Die chinesische Regierung hat außerdem vereinfachte Einfuhrverfahren und zusätzliche Vereinbarungen über den Marktzugang angekündigt. Afrikanische Staaten sollen dadurch mehr landwirtschaftliche Produkte und verarbeitete Waren nach China verkaufen können.

Zollfreiheit beseitigt strukturelle Hürden nicht

Die neue Regelung hatte auf die Halbjahreszahlen nur begrenzten Einfluss. Sie galt während des erfassten Zeitraums lediglich im Mai und Juni. Zudem waren zahlreiche Rohstoffe bereits zuvor zollfrei oder nur gering belastet.

Ein zollfreier Zugang garantiert auch noch keinen tatsächlichen Export. Afrikanische Produzenten müssen chinesische Gesundheits-, Qualitäts- und Verpackungsstandards erfüllen. Hinzu kommen begrenzte Produktionskapazitäten, hohe Transportkosten und fehlende direkte Handelsverbindungen.

China erklärt, künftig stärker verarbeitete afrikanische Produkte importieren und Investitionen in die lokale Verarbeitung fördern zu wollen. Die Handelsbilanz des ersten Halbjahres zeigt jedoch weiterhin das bisherige Muster: Afrika liefert vor allem Erdöl, Metalle und andere Rohstoffe. China exportiert überwiegend höherwertige Industrie- und Konsumgüter.

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