Rechtsextreme Aufmärsche finden besonders in diesem Bundesland statt

Fast zwei Drittel der erfassten rechtsextremen Aufmärsche fanden in einem einzigen Bundesland statt.

46 von 72 durch Rechtsextremisten organisierte oder dominierte Aufmärsche fanden in Sachsen statt. Die Bilanz umfasst die Monate Januar bis Juni 2026. An 43 Kundgebungen war die rechtsextreme Partei „Freie Sachsen“ als alleinige oder beteiligte Veranstalterin beteiligt. Die größte Veranstaltung war ein Neonazi-Aufmarsch in Dresden mit rund 1.350 Teilnehmern. 

Die Bundesregierung veröffentlichte die Zahlen in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke. Erfasst wurden vor allem Veranstaltungen mit überregionaler Mobilisierung oder einer nennenswerten Teilnehmerzahl.

Informationsstände, Flugblattaktionen und kleinere lokale Veranstaltungen sind in der Aufstellung nicht enthalten. Die 72 genannten Kundgebungen bilden daher nicht sämtliche öffentlichen Aktivitäten rechtsextremer Parteien und Gruppierungen ab.

„Freie Sachsen“ prägen die Statistik

Fast zwei Drittel aller aufgeführten Veranstaltungen fanden in Sachsen statt. Außerhalb des Bundeslandes registrierte die Bundesregierung die meisten Kundgebungen in Nordrhein-Westfalen und im Saarland mit jeweils fünf Veranstaltungen.

Besonders auffällig ist eine von den „Freien Sachsen“ organisierte Kundgebungsreihe in Zwickau. Unter dem Motto „Zwickau Stadt des Friedens“ fanden zwischen Januar und Juni 22 Versammlungen statt. Soweit Teilnehmerzahlen genannt werden, kamen jeweils zwischen 20 und 40 Menschen.

Weitere regelmäßige Veranstaltungen der Partei gab es in Chemnitz. Dort mobilisierten die „Freien Sachsen“ unter anderem zu Montagskundgebungen sowie zu Versammlungen zur Unterstützung eines inhaftierten Rechtsextremisten. Die Teilnehmerzahlen lagen je nach Veranstaltung zwischen 20 und 200.

Größter Aufmarsch mit 1.350 Teilnehmern in Dresden

Die mit Abstand größte rechtsextreme Veranstaltung fand am 14. Februar in Dresden statt. Rund 1.350 Menschen nahmen an einer dem Neonazismus zugeordneten Kundgebung teil, die an die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg anknüpfte.

Am 1. Mai versammelten sich rund 400 Menschen bei einer Veranstaltung der „Freien Sachsen“ in Aue-Bad Schlema. An einer Kundgebung der Partei „Die Heimat“ am 8. Mai in Demmin nahmen etwa 300 Menschen teil.

Weitere größere Veranstaltungen organisierte „Die Heimat“ am 1. Mai in Essen mit rund 250 Teilnehmern. In Gera kamen etwa 200 Menschen zu einer Kundgebung der Partei „Der III. Weg“.

Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die angegebene Gesamtzahl der Teilnehmer nicht mit der Zahl der anwesenden Rechtsextremisten übereinstimmen muss. An einzelnen Veranstaltungen könnten auch andere Personen teilgenommen haben.

Rechtsextreme Gruppen mobilisieren gegen Christopher Street Days

Mindestens vier der erfassten Kundgebungen richteten sich ausdrücklich gegen Christopher Street Days und damit gegen Veranstaltungen der queeren Community.

Solche Aufmärsche fanden in Parchim, Frankfurt an der Oder, Saarbrücken und Eberswalde statt. Die Teilnehmerzahlen lagen jeweils zwischen 40 und 50 Personen. Als Veranstalter nennt die Bundesregierung unter anderem „Sturm Nord“, die „Jägertruppe“, die „Bruderschaft Wolfsschar“ und regionale Neonazi-Gruppen.

Eine weitere Kundgebung in Pforzheim wurde unter den Schlagworten „Kinderschutz, Meinungsfreiheit, politische Gewalt“ angemeldet und ebenfalls der Neonaziszene zugerechnet.

Keine organisatorische Beteiligung der AfD ausgewiesen

Die Linke hatte die Bundesregierung ausdrücklich nach einer Beteiligung der AfD oder ihrer Unterorganisationen gefragt. In der Aufstellung wird die Partei bei keiner der 72 Veranstaltungen als Organisatorin oder Mitveranstalterin genannt.

Mehrfach aufgeführt sind dagegen die Parteien „Freie Sachsen“, „Die Heimat“ und „Der III. Weg“. Hinzu kommen Kameradschaften, regionale Neonazi-Zusammenschlüsse und Organisationen wie die „Jungen Nationalisten“.

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