Der Tschad will ab 2027 allen afrikanischen Staatsangehörigen die visumfreie Einreise ermöglichen. Die Regelung soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Präsident Mahamat Idriss Déby Itno kündigte den Schritt bei einem Wasserforum in N’Djamena an. Damit schließt sich das zentralafrikanische Land einer kleinen Gruppe von Staaten an, die ihre Einreisebestimmungen für Menschen aus allen afrikanischen Ländern geöffnet haben.
„Der Tschad, das Land von Toumaï und die Wiege der Menschheit, öffnet seine Grenzen und schafft die Einreisevisa für alle Afrikaner ab dem 1. Januar 2027 ab“, sagte Déby bei der Eröffnung des Afrikanischen Wasserforums.
Die Entscheidung sei Teil des tschadischen Engagements für die afrikanische Integration und den freien Verkehr von Menschen und Gütern. Sein Land wolle seine geografische Lage nutzen und seine Rolle als Verbindung zwischen West-, Ost-, Nord- und Zentralafrika stärken.
Tschad tritt kleiner Gruppe visumfreier Staaten bei
Mit der angekündigten Regelung würde der Tschad nach der vorgelegten Zählung zum achten afrikanischen Staat, der Bürgern aller Länder des Kontinents eine Einreise ohne vorheriges Visum erlaubt oder eine entsprechende Öffnung angekündigt hat.
Zu dieser Gruppe zählen demnach Ruanda, Benin, Gambia, die Seychellen, Ghana, Kenia und die Republik Kongo. Die konkreten Bedingungen unterscheiden sich allerdings von Land zu Land. Einige Staaten erlauben die unmittelbare visumfreie Einreise, andere verlangen eine elektronische Reisegenehmigung oder beschränken die Aufenthaltsdauer.
In weiten Teilen Afrikas benötigen Reisende aus anderen afrikanischen Staaten weiterhin ein Visum. Erleichterungen gelten häufig nur innerhalb regionaler Zusammenschlüsse wie der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS oder der Ostafrikanischen Gemeinschaft.
Die tschadische Regierung nannte zunächst keine weiteren Einzelheiten zu möglichen Aufenthaltsfristen, Einreisegründen oder Registrierungsverfahren. Auch blieb offen, ob für die Einreise neben einem gültigen Reisepass zusätzliche Nachweise verlangt werden.
Freizügigkeit gehört zu den Zielen der Afrikanischen Union
Die Öffnung der Grenzen entspricht den politischen Zielen der Afrikanischen Union. Deren Agenda 2063 sieht einen Kontinent vor, auf dem sich Menschen, Waren, Dienstleistungen und Kapital leichter über Staatsgrenzen hinweg bewegen können.
Ein zentrales Instrument dafür ist das Protokoll über die Freizügigkeit von Personen, das auch Aufenthalts- und Niederlassungsrechte erleichtern soll. Die Umsetzung kommt bislang jedoch nur langsam voran. Viele Regierungen verweisen auf Sicherheitsfragen, fehlende Grenzinfrastruktur und unterschiedliche nationale Einwanderungsbestimmungen.
Auch die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone soll den innerafrikanischen Austausch ausbauen. Während sie vor allem Zölle und Handelshemmnisse abbaut, bleiben komplizierte Visa- und Einreiseverfahren ein Hindernis für Geschäftsreisen, Tourismus, Studium und berufliche Mobilität.
Für den Binnenstaat Tschad könnte die geplante Visumfreiheit zugleich die wirtschaftlichen und politischen Verbindungen zu den Nachbarregionen erleichtern. Das Land grenzt an Libyen, Sudan, die Zentralafrikanische Republik, Kamerun, Nigeria und Niger.
Ankündigung beim Afrikanischen Wasserforum

Déby verkündete die Abschaffung der Visumpflicht bei einem Treffen, das gemeinsam mit der Weltbank in N’Djamena organisiert wurde. Das Afrikanische Wasserforum bringt Staats- und Regierungschefs, afrikanische Institutionen und internationale Partner zusammen.
Im Zentrum stehen die Finanzierung von Wasserinfrastruktur, die Versorgung der Bevölkerung und der Umgang mit zunehmendem Wasserstress. Der tschadische Präsident forderte internationale Partner auf, zugesagte Mittel schneller bereitzustellen.
Zugleich stellte er einen nationalen Wasserpakt vor. Der Tschad will demnach innerhalb von fünf Jahren rund 3,8 Milliarden US-Dollar in Wasserinfrastruktur investieren. Das Programm soll den Zugang zu sauberem Wasser ausbauen und neue Versorgungsanlagen schaffen.

