Israel und Ruanda bauen ihre Zusammenarbeit in Bildung, Entwicklung und beruflicher Qualifizierung aus. Am Montag unterzeichneten Außenminister Gideon Sa’ar und Ruandas Außenminister Olivier Nduhungirehe in Jerusalem zwei Vereinbarungen. Zugleich sprachen beide Minister über Sicherheitsfragen in ihren Regionen, das Washingtoner Abkommen zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo sowie die Erinnerung an Völkermord und nationale Resilienz.
Das Treffen fand im israelischen Außenministerium statt. Auf ein vertrauliches Gespräch folgte eine erweiterte Sitzung der Delegationen. Vor Beginn der Gespräche unterzeichneten beide Seiten ein Bildungsabkommen sowie eine Absichtserklärung zur Entwicklungszusammenarbeit.
Das Bildungsabkommen umfasst die Bereiche Grundbildung, Informations- und Kommunikationstechnologie, berufliche Bildung, Hochschulbildung und wissenschaftliche Forschung. Die zweite Vereinbarung verbindet Israels Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit MASHAV mit der Rwanda Cooperation Initiative im ruandischen Außenministerium.
Sa’ar spricht von engerer Zusammenarbeit
Israels Außenminister Gideon Sa’ar begrüßte Nduhungirehe in Jerusalem und stellte die neuen Vereinbarungen als Ausbau der Partnerschaft dar. Beide Länder wollten ihre Zusammenarbeit in Entwicklung, Innovation und Bildung stärken, erklärte Sa’ar nach dem Treffen auch über X.
In seiner Erklärung verwies Sa’ar auf die historischen Erfahrungen beider Länder. Das jüdische Volk habe den Holocaust erlitten, die ruandische Bevölkerung den Völkermord an den Tutsi von 1994. Aus diesen unterschiedlichen Erfahrungen entstehe eine besondere Verbindung zwischen beiden Staaten, sagte der israelische Außenminister.
„Israel und Ruanda sind zwei kleine Nationen mit schwieriger Vergangenheit, aber großem Glauben an die Zukunft“, sagte Sa’ar. Beide Länder hätten sich nach schweren historischen Brüchen neu aufgebaut und setzten auf Wissen, Bildung und Entwicklung.
Ruanda betont Erinnerung und Zusammenarbeit
Ruandas Außenminister Olivier Nduhungirehe bezeichnete die Gespräche als offen, konstruktiv und zukunftsorientiert. Er verwies auf seinen Besuch in der Jerusalemer Altstadt, an der Klagemauer und in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Dort habe er über Erfahrungen nachgedacht, die beide Länder bis heute prägten.

Nduhungirehe sprach von starken Beziehungen, die über klassische Diplomatie hinausgingen. Ruanda und Israel seien von schwierigen Geschichten und tiefen Tragödien geprägt. Entscheidend sei heute die Widerstandskraft ihrer Gesellschaften und der Wille, aus Leid sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu entwickeln.
Die unterzeichneten Vereinbarungen sollen nach seinen Worten den Austausch zwischen Institutionen beider Länder ausbauen, Ausbildungsprogramme stärken und neue Möglichkeiten für Kapazitätsaufbau schaffen. Die Zusammenarbeit mit MASHAV und der Rwanda Cooperation Initiative soll Entwicklungswissen und nationale Lösungsansätze stärker miteinander verbinden.
Washingtoner Abkommen mit Kongo auf der Tagesordnung
Die Minister sprachen auch über die Lage in ihren jeweiligen Regionen. Sa’ar begrüßte das von den USA vermittelte Washingtoner Abkommen zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo und sprach sich für dessen vollständige Umsetzung aus. Das Abkommen wurde im Dezember 2025 in Washington unterzeichnet.
Der Konflikt im Osten Kongos belastet seit Jahren die Beziehungen zwischen Kinshasa und Kigali. Die Demokratische Republik Kongo wirft Ruanda Unterstützung für die Rebellengruppe M23 vor. Ruanda weist dies regelmäßig zurück und verweist auf Sicherheitsbedrohungen durch bewaffnete Gruppen im Osten Kongos, darunter die FDLR.
Nduhungirehe sagte, beide Seiten hätten sich über Sicherheitslagen in ihren Regionen ausgetauscht. Er bekräftigte die Bedeutung von Dialog, Diplomatie und internationaler Zusammenarbeit.
Scharfe Kritik an türkischem Außenminister
Sa’ar nutzte seinen Auftritt auch für eine deutliche Reaktion auf Äußerungen des türkischen Außenministers Hakan Fidan. Dieser hatte Israel wenige Tage zuvor in einem Fernsehinterview als eine Last beschrieben, die die Menschheit nicht länger tragen könne, und internationale Sanktionen gefordert.
Sa’ar nannte die Äußerungen „entsetzlich“ und sprach von einer klaren Entmenschlichung. „Der erste Schritt auf dem Weg zum Völkermord ist die Entmenschlichung“, sagte er. Er warf Fidan vor, mit seinen Worten an Sprache aus der Zeit vor rund 100 Jahren anzuknüpfen.
Die Äußerung fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Israel und der Türkei. Ankara zählt seit Beginn des Gaza-Krieges zu den schärfsten Kritikern der israelischen Regierung. Israel wiederum wirft der türkischen Führung seit Monaten eine feindselige Rhetorik vor.
Diplomatie zwischen Nahost und Zentralafrika
Das Treffen in Jerusalem verbindet mehrere außenpolitische Ebenen. Israel sucht in Afrika seit Jahren engere politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Beziehungen. Ruanda gilt dabei als wichtiger Partner in Ost- und Zentralafrika, unter anderem in den Bereichen Technologie, Landwirtschaft, Bildung und Entwicklungszusammenarbeit.
Für Kigali ist die Partnerschaft Teil einer breiteren Außenpolitik, die auf Investitionen, Wissensaustausch und internationale Positionierung setzt. Ruanda pflegt enge Beziehungen zu westlichen Staaten, zu afrikanischen Partnern und zu Ländern im Nahen Osten.
Die Vereinbarungen von Jerusalem setzen diese Linie fort. Sie betreffen vor allem Ausbildung, institutionellen Austausch und Entwicklungsprogramme, während die politischen Gespräche zugleich Sicherheitsfragen im Nahen Osten und in der Region der Großen Seen berührten.

