Deutschland will seine Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik stärker als geopolitisches Instrument einsetzen und die Zusammenarbeit mit strategischen Partnern gezielter an Wissenschaft, Fachkräftegewinnung und politischer Kommunikation ausrichten. Am 27. Mai legte die Bundesregierung dazu ihre Bilanz für das Jahr 2025 vor. Fast zwei Milliarden Euro flossen in internationale Bildungs-, Wissenschafts-, Kultur- und Kommunikationsarbeit. Auf dem afrikanischen Kontinent reichen die Schwerpunkte von Forschungszentren in Ghana und Südafrika über digitale Kommunikation aus Dakar und Pretoria bis zur Rückgabe von Kulturgütern aus kolonialen Zusammenhängen.
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat einen neuen Strategieprozess angestoßen. Das Auswärtige Amt will seine Kommunikationsinstrumente stärker bündeln, regionale Projekte enger mit den bilateralen Beziehungen verbinden und den geförderten Mittlerorganisationen klarere politische Ziele vorgeben.
Die Bundesregierung bezeichnet die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ausdrücklich als Teil deutscher Soft Power. Sie soll das Ansehen Deutschlands stärken, Vertrauen aufbauen und im internationalen Wettbewerb um Einfluss, Fachkräfte, Rohstoffe und politische Partnerschaften wirken.
Fast zwei Milliarden Euro für Deutschlands Präsenz im Ausland
Die Bundesregierung stellte 2025 knapp zwei Milliarden Euro für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie die strategische Kommunikation bereit. Mit rund 981,5 Millionen Euro entfiel knapp die Hälfte auf das Auswärtige Amt einschließlich des Deutschen Archäologischen Instituts.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt steuerte 476 Millionen Euro bei. Aus dem Etat des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien kamen weitere 431 Millionen Euro.
Zehn vom Auswärtigen Amt dauerhaft geförderte Mittlerorganisationen erhielten insgesamt 517 Millionen Euro. Das Goethe-Institut bekam davon 230,7 Millionen Euro, der Deutsche Akademische Austauschdienst rund 208 Millionen Euro.
Weitere 282 Millionen Euro flossen in das deutsche Auslandsschulwesen und die Partnerschulen. Einzelne Projekte und Programme finanzierte das Auswärtige Amt mit rund 109 Millionen Euro.
Die Bundesregierung verbindet diese Ausgaben zunehmend mit außenpolitischen Interessen. Kultur, Bildung und Wissenschaft sollen nicht mehr nur langfristige Kontakte fördern, sondern auch Deutschlands Position in internationalen Macht- und Systemkonflikten stärken.
Afrikanische Forschungspartner rücken in den Fokus
In der Zusammenarbeit mit Afrika setzt die Bundesregierung besonders auf Wissenschafts- und Hochschulkooperationen. Deutschland will damit Forschungsnetzwerke ausbauen, den Zugang zu Talenten sichern und gemeinsame Lösungen für Energieversorgung, Pandemien und Klimawandel entwickeln.
Ein Schwerpunkt ist das vom Deutschen Akademischen Austauschdienst unterstützte Fachzentrum zur gerechten Energiewende in Südafrika. Es gehört zum Programm „Fachzentren Afrika“ und verbindet Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, Fachwissen für den Umbau der Energiesysteme aufzubauen.
In Kumasi in Ghana arbeitet das deutsch-westafrikanische Wissenschaftszentrum G-WAC an der Vorbeugung und Bekämpfung von Pandemien. Das Zentrum gehört zu den sichtbaren Einrichtungen der deutschen Wissenschaftsdiplomatie auf dem Kontinent.
Auch die Maria-Sibylla-Merian-Zentren in Ghana und Tunesien führen Wissenschaftler aus Deutschland und den Partnerländern zusammen. Das geistes- und sozialwissenschaftliche Zentrum MIASA in Ghana wurde 2025 erfolgreich evaluiert und kann nach Abschluss seiner Hauptphase eine weitere Förderung beantragen.

Die Bundesregierung fördert über den Deutschen Akademischen Austauschdienst außerdem Hochschulen im Globalen Süden und unterstützt Wissenschaftler aus Entwicklungs- und Schwellenländern über das Georg-Forster-Programm der Alexander von Humboldt-Stiftung. Im Jahr 2025 wurden 46 Forschungsstipendien und zwei Forschungspreise vergeben.
Kenia wird Pilotland für neue Deutschlehrkräftestrategie
Die deutsche Sprache soll stärker mit Fachkräftegewinnung und wirtschaftlicher Zusammenarbeit verbunden werden. Die Bundesregierung sieht einen Mangel an qualifizierten Deutschlehrkräften als eines der größten Hindernisse für den Ausbau des Sprachunterrichts im Ausland.
Ab 2026 soll deshalb eine neue Deutschlehrkräftestrategie zunächst in Brasilien, Kenia und Lettland erprobt werden. Aus den Pilotprojekten sollen Modelle für weitere Länder entstehen.
Deutschland verfügt weltweit über 135 Auslandsschulen und rund 2.000 Partnerschulen. Jährlich erwerben etwa 80.000 Menschen an diesen Einrichtungen einen Abschluss oder ein Sprachzertifikat, das ihnen ein Studium oder eine Beschäftigung in Deutschland ermöglicht.
Die Bundesregierung überprüft das Schulnetz seit 2025 stärker nach politischen und wirtschaftlichen Kriterien. Schulen in Wachstumsregionen und Ländern mit Bedeutung für die Fachkräftegewinnung sollen künftig größeres Gewicht erhalten.
Auch Kooperationen zwischen Partnerschulen und deutschen Unternehmen werden ausgebaut. Sprachunterricht, berufliche Orientierung und Kontakte zur Wirtschaft sollen häufiger miteinander verbunden werden.
Dakar und Pretoria steuern deutsche Kommunikation in Afrika
Neben Wissenschaft und Bildung gewinnt die direkte politische Kommunikation an Gewicht. Das Auswärtige Amt unterhält regionale Deutschlandzentren in Dakar, Pretoria und Kairo. Zwei weitere Zentren befinden sich in Mexiko und Singapur.
Die Einrichtungen produzieren Inhalte für deutsche Botschaften und Generalkonsulate, beraten diplomatische Vertretungen bei ihrer Social-Media-Arbeit und schulen Mitarbeiter in regionaler Kommunikation.
Die fünf Zentren veröffentlichten 2025 knapp 8.000 Beiträge, Videos und andere digitale Inhalte. Ihre eigenen Kanäle erreichten zusammen rund 4,2 Millionen Follower. Die Veröffentlichungen wurden mehr als 140 Millionen Mal angezeigt.
Das Auswärtige Amt nutzt diese Strukturen, um für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland zu werben und auf Desinformation zu reagieren. Zugleich sollen regionale Themen stärker in die Kommunikation deutscher Auslandsvertretungen einfließen.
Die Bundesregierung unterstützt außerdem kulturelle und zivilgesellschaftliche Initiativen für Medienfreiheit und Medienpluralismus in Afrika. In Kenia wurden Organisationen durch Fortbildungen und Vernetzungsangebote gefördert.
Weltweit erreichte die Hannah-Arendt-Initiative zur Unterstützung unabhängiger Medien im Jahr 2025 insgesamt 1.552 Menschen und 304 Medienorganisationen.
Kulturerhalt in Namibia und Mauretanien
Auch der Schutz von Kulturerbe bleibt Bestandteil der deutschen Außenpolitik in Afrika. Aus dem Kulturerhaltprogramm des Auswärtigen Amts wurde 2025 unter anderem die Restaurierung der Alten Feste in Windhoek unterstützt.
Das Gebäude gehört zu den zentralen Bauwerken der deutschen Kolonialzeit in Namibia. Seine künftige Nutzung und historische Darstellung sind Teil der namibischen Debatte über den Umgang mit kolonialem Erbe.
In Mauretanien finanzierte Deutschland die Digitalisierung historischer Manuskripte. Damit sollen empfindliche Dokumente gesichert und wissenschaftlich zugänglich gemacht werden.
Die Ausstellung „Planet Africa – Eine archäologische Zeitreise“ präsentierte Forschungsergebnisse zur Geschichte des Kontinents an drei deutschen und fünf afrikanischen Standorten.
Mit dem Programm TheMuseumsLab bringt Deutschland zudem Nachwuchsführungskräfte aus afrikanischen und europäischen Museen zusammen. Die Teilnehmer arbeiten zu Provenienzforschung, Digitalisierung und dem Umgang mit Objekten aus kolonialen Kontexten.
Rückgabe menschlicher Überreste erhält Vorrang
Die Empfehlungen richten sich vor allem an öffentliche Museen, Sammlungen und ihre Träger. Sie sollen Abläufe bei Rückgabeforderungen klarer regeln, Informationen über Bestände transparenter machen und Herkunftsgesellschaften stärker einbeziehen.
Die Rückführung menschlicher Überreste wird ausdrücklich priorisiert. Viele dieser Überreste gelangten während der Kolonialzeit aus afrikanischen Gebieten in deutsche wissenschaftliche und museale Sammlungen.
Die Leitlinien schreiben keine automatische Rückgabe sämtlicher Objekte vor. Sie betonen jedoch eine stärkere Bereitschaft zu Restitutionen und einen partnerschaftlichen Austausch mit Herkunftsstaaten und betroffenen Gemeinschaften.
Goethe-Institut verbindet Kultur mit Fachkräftegewinnung
Das Goethe-Institut bleibt die größte deutsche Kulturorganisation im Ausland. Es unterhält 154 Institute in 100 Ländern und arbeitet zusätzlich mit zahlreichen lokalen Partnern zusammen.
Im Jahr 2025 nahmen weltweit rund 256.000 Menschen an Sprachkursen teil. Bei Goethe-Instituten und ihren Partnern wurden 1,1 Millionen Deutschprüfungen abgelegt.
Die Sprachförderung wird enger mit der Gewinnung internationaler Fachkräfte verbunden. Beratungs-, Informations- und Lernangebote erreichten jährlich mehr als 30.000 Menschen in Drittstaaten und in Deutschland.
Daneben organisierte das Goethe-Institut rund 22.500 Veranstaltungen in Kultur und Medien. Etwa 6,7 Millionen Menschen nahmen an diesen Angeboten teil.
Die Bundesregierung will das internationale Netz künftig stärker auf Schlüsselregionen und zentrale Partnerstaaten ausrichten. Wissenschaftskooperationen, Sprachförderung, Kulturarbeit und politische Kommunikation werden dabei enger mit wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen verbunden.

