Deutschland will seine Beziehungen zu Côte d’Ivoire und Togo ausbauen und stellt dabei Handel, Sicherheit am Golf von Guinea, Fachkräfte und die Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit in den Mittelpunkt. Staatsministerin Serap Güler reist dafür vom 10. bis 13. Mai nach Abidjan und Lomé.
In beiden Ländern sind Gespräche mit Regierungsvertretern, Wirtschaftsakteuren und der Zivilgesellschaft geplant. Die Reise führt in zwei westafrikanische Staaten, die Berlin enger in seine Wirtschafts-, Sicherheits- und Afrikapolitik einbindet.
Westafrika rückt stärker in den deutschen Kurs
„Westafrika ist für Deutschland und Europa eine Region von besonderer Bedeutung“, erklärte Güler vor ihrer Abreise. Entwicklungen in der Region beträfen Europa unmittelbar. Côte d’Ivoire und Togo nannte sie „zwei entscheidende Staaten“.
In Abidjan und Lomé will Güler mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft über Wachstum und Handel sprechen. Côte d’Ivoire zählt für Deutschland bereits zu den wichtigsten Handelspartnern auf dem afrikanischen Kontinent. Das Land gehört mit rund 32 Millionen Einwohnern zu den größten Volkswirtschaften Westafrikas, gilt als führende Wirtschaftskraft im frankophonen Afrika und ist weltweit wichtigster Kakaolieferant.
Côte d’Ivoire ist seit 2017 Partnerland der G20-Initiative „Compact with Africa“. Im November 2023 vereinbarten beide Länder eine Klima- und Entwicklungspartnerschaft. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf Waldschutz, Artenvielfalt, Energieeffizienz, erneuerbare Energien, berufliche Bildung, Wirtschaftsförderung, Regierungsführung und Sicherheit.
Berlin sieht Terrorismus aus dem Sahel als gemeinsames Sicherheitsproblem
Ein Schwerpunkt der Reise liegt auf der Sicherheitslage in Westafrika. Côte d’Ivoire und Togo grenzen an Staaten, die von Gewalt und Instabilität im Sahel betroffen sind. Deutschland will die Zusammenarbeit mit beiden Ländern ausbauen, um eine weitere Ausbreitung terroristischer Gruppierungen auf die Küstenstaaten am Golf von Guinea zu verhindern.

„Terrorismus und Instabilität aus dem Sahel bedrohen nicht nur Côte d’Ivoire und Togo als Nachbarstaaten ganz direkt“, erklärte Güler. Auch die Sicherheit Europas sei durch internationalen Terrorismus sowie Krieg und Konflikt in der Region betroffen.
In Côte d’Ivoire besucht die Staatsministerin die von Deutschland unterstützte Anti-Terror-Akademie „Académie Internationale de Lutte Contre le Terrorisme“. Die Einrichtung gilt als Teil der regionalen Bemühungen, Sicherheitskräfte auszubilden und grenzüberschreitende Bedrohungen besser zu bekämpfen.
Fachkräfte und junge Bevölkerung stehen in Abidjan auf der Agenda
Güler will in Côte d’Ivoire auch mit jungen Fachkräften zusammentreffen, die sich am Goethe-Institut in Abidjan auf einen Aufenthalt in Deutschland vorbereiten. In Côte d’Ivoire lernen etwa 470.000 Menschen Deutsch. Die Universitäten in Abidjan und Bouaké verfügen über große Germanistik-Institute mit rund 1.900 Studierenden.
Das Goethe-Institut bietet Sprachunterricht und Kulturprogramme an. Ein Lektorat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Université Houphouët-Boigny in Abidjan koordiniert universitären Austausch und Stipendienprogramme.
Die deutsche Wirtschaft ist in Côte d’Ivoire mit einem Büro der Auslandshandelskammer vertreten. Auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft sind im Land aktiv. Hinzu kommen Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Friedrich-Naumann-Stiftung in Abidjan.
Togo und Deutschland wollen Kolonialgeschichte weiter aufarbeiten
In Togo steht neben Gesprächen mit Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auch die deutsche Kolonialvergangenheit auf der Agenda. Güler erklärte, Deutschland bekenne sich zur historischen Verantwortung, die aus der kolonialen Gewalt in Afrika erwachse.
„Wir können die Gräuel des deutschen Kolonialismus in Afrika nicht ungeschehen machen“, sagte sie. „Aber indem wir Unrecht benennen und anerkennen, können wir Vertrauen aufbauen und gemeinsam eine bessere Zukunft gestalten.“
Deutschland arbeitet mit Togo seit 2012 in der Entwicklungszusammenarbeit zusammen. Schwerpunkte sind gute Regierungsführung, Dezentralisierung, Landwirtschaft, ländliche Entwicklung sowie nachhaltige Wirtschaftsentwicklung mit beruflicher Bildung und Beschäftigung. Auch Energie, Digitalisierung und Gesundheit gehören zur Zusammenarbeit. Gemessen an Mitteln ist Deutschland der größte bilaterale Geber Togos.
Lomé ist auch ein Hafenstandort von strategischem Gewicht
In Lomé besucht Güler einen der bedeutendsten Tiefseehäfen Afrikas. Der Hafen ist ein zentraler wirtschaftlicher Standort Togos und ein wichtiger Umschlagplatz in Westafrika.
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Togo wurden in den vergangenen Jahren intensiviert. Togo wirbt um deutsche Investitionen und eine engere Zusammenarbeit. In Lomé sind unter anderem die Hanns-Seidel-Stiftung, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und die Kreditanstalt für Wiederaufbau vertreten.
Auch die Kultur- und Bildungsbeziehungen sind ausgebaut. Das Goethe-Institut ist seit 1961 in Lomé tätig. Es bestehen mehrere Hochschulkooperationen zwischen der Universität Lomé und deutschen Universitäten, darunter Einrichtungen in Münster, Zittau/Görlitz, Bayreuth, Kassel und Berlin. In Togo werden fünf Schulen im deutschen Partnerschulprogramm PASCH gefördert. Rund 92.000 junge Menschen lernen an Schulen Deutsch, hinzu kommen mehr als 1.000 Germanistik-Studierende.
Deutschland verweist auf Afrikas Rolle in den Vereinten Nationen
Güler verband die Reise auch mit der deutschen Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Deutschland arbeite mit afrikanischen Staaten eng in internationalen Organisationen zusammen und unterstütze permanente Sitze Afrikas im Sicherheitsrat.
„Wir wollen gemeinsam mit den Ländern Afrikas an der Zukunft der globalen Ordnung arbeiten“, erklärte die Staatsministerin. In beiden Ländern sind Gespräche mit Ministern und stellvertretenden Außenministern vorgesehen. Zudem trifft Güler Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

