Gabun hält soziale Netzwerke blockiert – NetBlocks beziffert Milliardenverlust

Gabun blockiert weiter soziale Netzwerke. NetBlocks beziffert die Verluste auf knapp 45 Millionen Euro im Monat. In Zentralafrika werden digitale Sperren zunehmend zu einem politischen Instrument bei Wahlen, Protesten und Krisen.

Gabun hält den Zugang zu mehreren sozialen Netzwerken trotz angekündigter Lockerungen weiter eingeschränkt. Die Sperren laufen seit Februar 2026. Betroffen sind nach Angaben des Institute for Security Studies mindestens 800.000 Nutzerinnen und Nutzer, etwa 32 Prozent der Bevölkerung. NetBlocks beziffert die wirtschaftlichen Verluste durch die Beschränkungen auf rund 1,5 Millionen Euro pro Tag und knapp 45 Millionen Euro im Monat.

Facebook, WhatsApp und TikTok bleiben betroffen

In Gabun sind Facebook, WhatsApp, Instagram, YouTube und TikTok seit Beginn der sozialen Unruhen und Streiks im Bildungs- und Gesundheitssektor nur eingeschränkt erreichbar. Die Regierung kündigte am 1. April eine schrittweise Aufhebung der Beschränkungen an. Der Zugang zu sozialen Medien bleibt nach Angaben des Institute for Security Studies jedoch weiter behindert.

Bereits während der Präsidentschaftswahl 2024 hatte Gabun das Internet drei Tage lang abgeschaltet. Damit reiht sich das Land in eine Entwicklung ein, die in Zentralafrika besonders häufig bei Wahlen, Protesten und politischen Krisen auftritt.

Kongo-Brazzaville schaltete während der Wahl ab

Auch in Kongo-Brazzaville kam es bei den Wahlen im März 2026 zu einer kurzfristigen Abschaltung. Der Thinktank beschreibt digitale Isolation dort auch bei den Präsidentschaftswahlen 2021 und 2026 als wiederkehrendes Muster.

Regierungen begründen solche Eingriffe meist mit Stabilität, sozialem Zusammenhalt oder dem Kampf gegen Hassrede. In der Praxis unterbrechen sie jedoch den Zugang zu Informationskanälen, Kommunikationsdiensten und digitalen Arbeitsmöglichkeiten. Besonders in Staaten, in denen traditionelle Medien stark unter politischem Druck stehen, haben soziale Netzwerke eine zentrale Rolle für oppositionelle Stimmen, Aktivisten, Online-Journalisten, Influencer und Diaspora-Gruppen eingenommen.

Sechs Abschaltungen in Zentralafrika im Jahr 2025

Digitale Sperren umfassen vollständige Internetabschaltungen, eine gezielte Drosselung der Verbindung oder die Blockade einzelner Plattformen. In Afrika wurden 2025 mindestens 15 solcher Fälle registriert. Sechs davon betrafen Zentralafrika: Angola, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Tschad, die Demokratische Republik Kongo und Äquatorialguinea.

Tschad hält in der Region den Negativrekord. Zwischen 2018 und 2019 waren soziale Netzwerke dort 472 Tage lang gesperrt. Im Februar 2024 folgte eine gezielte Abschaltung. Seit November 2024 ist in der Provinz Lac außerdem das mobile Internet unterbrochen, nachdem es dort einen Angriff von Boko Haram und eine anschließende Gegenoffensive gegeben hatte.

In Äquatorialguinea war die Insel Annobón ab August 2024 von einer gezielten Abschaltung betroffen, die 14 Monate dauerte. In mehreren Ländern Zentralafrikas kam es in den vergangenen fünf Jahren zusätzlich zu kürzeren oder lokal begrenzten Internetsperren.

Digitale Sperren treffen Handel, Arbeit und Bildung

Internetabschaltungen betreffen nicht nur politische Kommunikation. Viele kleine Unternehmen, Händler, Lieferdienste und Inhalteproduzenten nutzen soziale Netzwerke für Verkauf, Kundenkontakt und Einkommen. In Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit hängt ein Teil der informellen Wirtschaft direkt von digitalen Plattformen ab.

Auch Bildung, Gesundheitsinformation und berufliche Dienstleistungen laufen zunehmend über mobile Daten und soziale Medien. Wenn Plattformen blockiert oder Verbindungen gedrosselt werden, geraten digitale Geschäftsmodelle, Lernangebote und Informationswege unter Druck.

UN fordert enge Grenzen für Netzsperren

Mehrere Berichte und Resolutionen der Vereinten Nationen bewerten Internetabschaltungen als Eingriff in Grundrechte. Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur kritisiert solche Sperren ebenfalls und verweist auf den Zusammenhang zwischen Konnektivität, Bildung und kultureller Teilhabe.

Nach UN-Maßstäben müssen Internetabschaltungen legal, legitim, notwendig und verhältnismäßig sein. Der ISS-Forscher Remadji Hoinathy sieht diese Kriterien in Gabun und Kongo-Brazzaville nicht erfüllt.

In Gabun hat die Regierung nach Kritik von Zivilgesellschaft und Opposition neue Regeln für digitale Plattformen angekündigt. Vorgesehen sind allgemeine Vorschriften für soziale Medien und ein stärkerer Schutz Minderjähriger. Der Rahmen definiert den Status von Influencern, setzt das digitale Mindestalter auf 16 Jahre und führt eine gemeinsame Haftung für Beiträge in Online-Gruppen und digitalen Gemeinschaften ein.

Die Regierung stellt die neuen Regeln als Mittel gegen Desinformation und digitale Missbräuche dar. Die politische Opposition sieht darin einen Eingriff in bürgerliche Freiheiten.

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