Nigeria: Religionsbeauftragter Rachel reist in Gewaltregion

Deutschlands Religionsfreiheitsbeauftragter reist nach Nigeria: In Abuja und Benue trifft Thomas Rachel religiöse Vertreter, Zivilgesellschaft und Betroffene von Gewalt.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel, reist nach Nigeria und besucht dabei auch den von Gewalt und Vertreibung betroffenen Bundesstaat Benue. Die Reise dauert vom 25. bis 28. April.

In Abuja und Makurdi will Rachel mit Regierungsvertretern, religiösen Gemeinschaften, humanistischen Vertretern, Zivilgesellschaft und Betroffenen sprechen.
Der Besuch verbindet Gespräche über Religionsfreiheit mit der Sicherheitslage in einem Land, das für Deutschland und die USA zu den wichtigsten Partnern in Westafrika zählt.

Gespräche in Abuja und Makurdi

Rachel trifft in Abuja christliche und muslimische Geistliche sowie Vertreterinnen und Vertreter humanistischer Organisationen. Weitere Gespräche sind mit staatlichen Stellen, Abgeordneten und zivilgesellschaftlichen Initiativen geplant.

Vor seiner Abreise beschrieb Rachel Nigeria als „globalen Schlüsselpartner“ Deutschlands. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas habe als Demokratie und regionale Führungskraft eine Bedeutung, die weit über Westafrika hinausreiche.

Gleichzeitig verwies Rachel auf die angespannte Sicherheitslage. „Angriffe auf Kirchen und Moscheen sowie Entführungen von Geistlichen und Schülerinnen und Schülern durch bewaffnete Gruppen machen mich besonders betroffen“, sagte er. Solche Taten verletzten auch die Religions- und Weltanschauungsfreiheit.

Gewalt trifft unterschiedliche Gemeinschaften

Nigeria erlebt seit Jahren Gewalt durch jihadistische Gruppen, bewaffnete kriminelle Netzwerke, lokale Milizen und Konflikte um Land und Ressourcen. Besonders betroffen sind mehrere Regionen im Norden, Nordwesten und im sogenannten Middle Belt. Dort überlagern sich religiöse, ethnische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Konfliktlinien.

Rachel betonte, die Dynamiken der Gewalt seien „vielschichtig und komplex“. Angehörige aller Religionsgemeinschaften litten darunter. Die Bundesregierung unterstütze Nigeria bei der Stabilisierung besonders betroffener Regionen.

In Makurdi, der Hauptstadt des Bundesstaates Benue, will Rachel mit unterschiedlichen Akteuren über die Konfliktdynamiken im Middle Belt sprechen. Außerdem besucht er ein Lager für Binnenvertriebene und trifft dort Menschen, die vor Gewalt fliehen mussten.

Benue steht für die Krise im Middle Belt

Benue liegt in einer Zone, in der Auseinandersetzungen zwischen bäuerlichen Gemeinschaften, Viehhirten, bewaffneten Gruppen und lokalen Sicherheitsakteuren immer wieder eskalieren. Angriffe auf Dörfer, Entführungen und Vertreibungen haben in Teilen der Region das öffentliche Leben geprägt.

Der Middle Belt gilt als besonders sensibel, weil dort unterschiedliche religiöse und ethnische Gemeinschaften eng nebeneinander leben. Konflikte um Landnutzung, Wasser, Weideflächen und lokale Machtstrukturen verschärfen die Lage zusätzlich. Gewalt gegen Kirchen, Moscheen, Geistliche, Schülerinnen und Schüler führt regelmäßig zu nationalen und internationalen Reaktionen.

Rachel will nach eigenen Worten mit Menschen und Initiativen sprechen, „die sich trotz aller Schwierigkeiten für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen und gesellschaftlicher Gruppen engagieren“. Die Gespräche sollen ihm ein eigenes Bild über die Lage der Religions- und Weltanschauungsfreiheit ermöglichen.

Deutschland und Nigeria bauen Austausch aus

Die Reise fällt in eine Phase intensiverer deutsch-nigerianischer Kontakte. Am 4. November 2025 tagte erstmals seit 2021 wieder die Binationale Kommission beider Länder. Geleitet wurde sie von Außenminister Wadephul und seinem nigerianischen Amtskollegen Yusuf Tuggar.

Beide Seiten behandelten dabei Schwerpunkte der Zusammenarbeit in Wirtschaft, Energie, regionaler Sicherheit und Frieden, Kultur und Migration. Die Sicherheitslage in Nigeria gehört damit auch zum bilateralen Austausch zwischen Berlin und Abuja.

Nigeria ist für Deutschland nicht nur wegen seiner Bevölkerungsgröße und Wirtschaftskraft ein zentraler Gesprächspartner. Das Land spielt auch in regionalen Sicherheitsfragen, bei Migration, Energiepolitik und wirtschaftlicher Zusammenarbeit eine wichtige Rolle.

USA verknüpfen Religionsfreiheit und Sicherheit

Auch die USA haben ihre Zusammenarbeit mit Nigeria bei Sicherheit und Religionsfreiheit zuletzt ausgebaut. Am 22. Januar 2026 tagte in Abuja eine gemeinsame Arbeitsgruppe beider Länder. Dabei ging es um Religionsfreiheit, den Schutz vulnerabler Gruppen, innere Sicherheit und Terrorismusbekämpfung.

Kurz zuvor hatten US-Streitkräfte militärische Ausrüstung an nigerianische Sicherheitsbehörden übergeben. Die Lieferung sollte laufende Sicherheitsoperationen unterstützen. Washington und Abuja arbeiten in diesem Bereich unter anderem bei Ausbildung, Informationsaustausch und technischer Unterstützung zusammen.

Die Debatte über Nigeria wird international auch von der Frage geprägt, wie religiöse Gewalt eingeordnet wird. Die nigerianische Regierung weist vereinfachende Darstellungen zurück und verweist auf regionale Unterschiede, kriminelle Netzwerke, Landkonflikte, Extremismus und schwache lokale Sicherheitsstrukturen. Zugleich stehen schwere Angriffe auf religiöse Einrichtungen, Geistliche und Gläubige weiter im Fokus staatlicher Ermittlungen und internationaler Diplomatie.

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