Marokkos Kronprinz Moulay El Hassan hat den Mohammed-VI.-Tower in Salé offiziell eingeweiht. Am Montag, 13. April, eröffnete der Thronfolger den 250 Meter hohen Turm am Bouregreg-Ufer auf Anordnung von König Mohammed VI. Das 55-stöckige Gebäude ist damit das höchste des Landes und eines der markantesten neuen Bauwerke in der Region Rabat-Salé. In dem Komplex sind ein Luxushotel, Büros, Wohnungen, Geschäfte, Restaurants und eine Aussichtsplattform untergebracht.
Ein Prestigeprojekt für die Bouregreg-Zone
Mit der Eröffnung rückt eines der größten städtebaulichen Projekte Marokkos in den Mittelpunkt. Der Turm steht auf der rechten Seite des Bouregreg in Salé, unmittelbar gegenüber der Hauptstadt Rabat, und ist Teil des Entwicklungsprogramms für das Flusstal zwischen beiden Städten.
Während seines Rundgangs besichtigte Moulay El Hassan unter anderem die Eingangshalle, den Konferenzbereich, die Bibliothek, eine Musterwohnung, das Waldorf Astoria Hotel und den Aussichtspunkt an der Spitze des Gebäudes. Von dort reicht der Blick über Rabat und Salé, über ihre historischen Stadtmauern, Kasbahs und alten Stadttore.
Offizielle Eröffnung nach Jahren der Bauarbeiten
Die offizielle Übergabe des Turms war bereits am 30. März bekanntgegeben worden. Gebaut wurde das Hochhaus von dem belgischen Baukonzern BESIX mit Sitz in Brüssel gemeinsam mit dem marokkanischen Bauunternehmen TGCC mit Sitz in Casablanca. Auftraggeber war O Tower, eine Tochter der O Capital Group unter Leitung des marokkanischen Unternehmers Othman Benjelloun.

Der Vertrag umfasste Planung, Ingenieurleistungen, Beschaffung, Bau, Fassaden, technische Gebäudeausrüstung, Innenausbau und Möblierung. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen bietet der Komplex rund 102.800 Quadratmeter Nutzfläche. Der Turm erhebt sich über einem vierstöckigen Sockelbau und wird von 36 Aufzügen erschlossen.
Hotel, Wohnungen und Büros in einem Gebäude
Der Mohammed-VI.-Tower ist als gemischt genutzter Hochhauskomplex angelegt. Neben Büroflächen und hochwertigen Wohnungen gehört auch das Waldorf Astoria zu dem Projekt. Hinzu kommen eine Konferenzhalle, Restaurants, Ladenflächen und eine Panorama-Aussichtsplattform.
Entworfen wurde das Gebäude vom spanischen Architekten Rafael de la Hoz und dem marokkanischen Architekten Hakim Benjelloun. Seine schmale, nach oben zulaufende Form prägt inzwischen die Skyline von Rabat und Salé und ist nach Angaben der Projektbeteiligten aus großer Entfernung sichtbar.
Aufwendige Technik gegen Wind und Erdbeben
Die Konstruktion war wegen der Lage am Fluss technisch anspruchsvoll. Der Turm ruht auf 60 Meter tiefen Fundamenten, die für ein schwieriges Bauumfeld mit Hochwasserrisiko und seismischen Belastungen ausgelegt wurden. BESIX spricht von 104 massiven Beton-Barretten, die die Lasten in den Untergrund ableiten.
Für die Stabilität setzt das Gebäude auf ein kombiniertes Tragwerk. Ein innerer Kern aus hochfestem Beton arbeitet mit einem äußeren Stahlrahmen zusammen, um Windkräfte und Erschütterungen besser aufzunehmen. Zusätzlich wurde im oberen Bereich ein 160 Tonnen schwerer Schwingungstilger eingebaut, der Bewegungen des Turms dämpfen soll.
Nachhaltigkeit als Teil des Projekts
Auch energetisch setzt der Bau auf sichtbare Technik. An der Südfassade wurden rund 1.800 Quadratmeter Photovoltaikmodule installiert, weitere 2.200 Quadratmeter befinden sich auf dem Dach des Sockelbaus. Dazu kommen Systeme zur Energierückgewinnung und zur Nutzung von Regenwasser.
Die Projektträger streben für den Turm die Umweltzertifikate LEED Gold und HQE an. Damit soll das Gebäude auch als Beispiel für energieeffizientes Bauen in einem Hochhaussegment gelten, das in Afrika bislang nur in wenigen Projekten dieser Größenordnung vertreten ist.
Deutsche Firmen an Bau und Ausstattung beteiligt
An der Umsetzung waren Unternehmen aus mehreren Ländern beteiligt. BESIX und TGCC übernahmen den Bau. Die O Capital Group steuerte das Projekt über ihre Tochtergesellschaft O Tower. Für die Innenausstattung zentraler Bereiche wie Lobby, Ballsaal, Restaurants und Boardroom wurde die belgische Marke FLAMANT eingebunden.
Auch spezialisierte Zulieferer lieferten Technik für einzelne Bauteile. Genannt werden unter anderem das Unternehmen Farrat mit Deutschland-Sitz in Langenfeld in Nordrhein-Westfalen für Lösungen an der Fassadenkonstruktion sowie Gebhardt-Stahl aus Werl für Komponenten der Klima- und Lüftungstechnik. Damit zeigt das Projekt auch, wie stark solche Großbauten über internationale Industrie- und Lieferketten organisiert werden.
Vom Bankenturm zum neuen Wahrzeichen
Ursprünglich war das Vorhaben in anderer Form geplant. Zunächst sollte ein deutlich kleinerer Turm als Sitz eines Bankenkonzerns entstehen. Später wurde das Projekt erweitert, nach Salé verlagert und neu ausgerichtet. Aus dem früheren Bankenturm wurde ein gemischt genutzter Komplex mit Hotel, Büros, Wohnungen und öffentlichen Bereichen.

