Nigeria: 30 Tote bei Angriff in der Universitätsstadt Jos

Nach einem bewaffneten Angriff mit mindestens 30 Toten im nigerianischen Plateau-Staat reist Präsident Bola Ahmed Tinubu in die Regionalhauptstadt Jos. Die Attacke traf am Sonntagabend den Stadtteil Angwan Rukuba. Die Regierung des Bundesstaates verhängte daraufhin eine 48-stündige Ausgangssperre in Teilen der Stadt. Tinubu verschob nach eigenen Angaben eine Reise in den Bundesstaat Ogun, um sich zuerst mit den Familien der Opfer zu treffen.

Der Angriff traf ein Gebiet in Jos, das in mehreren Berichten als offene Bar oder als universitätsnahes Wohnumfeld beschrieben wird. Bewohner und lokale Vertreter berichteten von wahllosem Schusswaffeneinsatz durch bewaffnete Männer. Die Universität von Jos setzte Prüfungen aus, mehrere Schulen in der Umgebung schlossen vorübergehend.

Regierung reagiert mit Ausgangssperre und Untersuchung

Die Regierung des Plateau-Staates ordnete eine 48-stündige Ausgangssperre für die betroffenen Teile von Jos an. Gouverneur Caleb Manasseh Mutfwang kündigte Ermittlungen an und erklärte, die Verantwortlichen sollten vor Gericht gestellt werden.

Die Polizei bestätigte 26 Tote. Lokale Vertreter und Bewohner nannten dagegen eine Zahl von mindestens 30 Opfern. Paul Mancha, Präsident des Jugendrats des Plateau-Staates, sprach von Dutzenden Toten und zahlreichen Verletzten in Krankenhäusern. Markus Audu Kando, Mitvorsitzender einer interreligiösen Jugendgruppe im Plateau-Staat, bezifferte die Zahl der Toten ebenfalls auf 30.

Zusätzlich zur eigentlichen Attacke kam es nach Berichten aus Jos zu weiteren Gewalttaten. Drei Menschen starben demnach bei anschließenden Ausschreitungen, als Bewohner versuchten, die Angreifer zu verfolgen.

Tinubu verschiebt Reise und kündigt Besuch an

Präsident Bola Ahmed Tinubu erklärte auf X, er habe seine Reise nach Iperu im Bundesstaat Ogun verschoben. Seine erste Pflicht sei es in diesem Moment, an der Seite der Menschen im Plateau-Staat zu stehen.

Er kündigte an, nach Jos zu reisen, um den Familien der Opfer sein Beileid auszusprechen und zu bekräftigen, dass jene, die Angst verbreiten wollten, keinen Erfolg haben würden. Zugleich stellte er eine Verstärkung der Sicherheitsreaktion und Justizmaßnahmen in Aussicht.

Nach dem Besuch in Jos will Tinubu nach Lagos weiterreisen, um dort den Karfreitag zu begehen. Anschließend sollen weitere Termine in Ogun, Lagos und Bayelsa zu Infrastruktur, Handel und Wirtschaft folgen.

Jos bleibt ein Brennpunkt der Gewalt im Middle Belt

Der Plateau-Staat liegt im nigerianischen Middle Belt, einer Region, in der es seit Jahren immer wieder zu tödlichen Angriffen und Vergeltungsgewalt kommt. Häufig werden diese Konflikte entlang religiöser oder ethnischer Linien beschrieben, meist zwischen mehrheitlich muslimischen Viehhirten und überwiegend christlichen Bauern.

Zugleich verweisen Fachleute und Politiker seit langem darauf, dass der Streit um Land und Wasser, die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen und die Folgen des Klimawandels die Gewalt zusätzlich verschärfen. Im Zentrum Nigerias überlagern sich damit lokale Konflikte, organisierte bewaffnete Gewalt und ein überlasteter Sicherheitsapparat.

Erst Mitte März hatte eine ähnliche Attacke in derselben Region rund 20 Menschen das Leben gekostet. Auch damals wurde Viehdiebstahl gemeldet.

Sicherheitslage verschärft Druck auf den Staat

Die neuen Toten in Jos treffen Nigeria in einer Phase anhaltender Sicherheitskrisen in mehreren Landesteilen. Im Nordosten kämpft der Staat weiter gegen jihadistische Gruppen. Im Nordwesten und in Teilen der Mitte des Landes belasten Banditismus, Entführungen und bewaffnete Überfälle die Sicherheitskräfte.

Bewohner aus Jos berichteten zudem, dass vor dem Angriff Drohungen in sozialen Netzwerken kursierten. Sicherheitskräfte wurden nach der Tat verstärkt in das betroffene Gebiet verlegt. Seit Beginn der Ausgangssperre patrouillieren Polizei und andere Einheiten sichtbar in den betroffenen Vierteln.

Verwandte Beiträge
Total
0
Share