Amnesty International wirft dem nigerianischen Militär vor, bei einem Luftangriff auf einen Wochenmarkt im Bundesstaat Zamfara mindestens 100 Zivilisten getötet zu haben. Der Angriff ereignete sich am 10. Mai. Die Streitkräfte bestätigten eine Operation im Gebiet Tumfa, bestreiten aber belastbare Hinweise auf hohe zivile Opferzahlen. Das Militär erklärte, die Vorwürfe würden untersucht.
Amnesty spricht von vielen getöteten Frauen und Mädchen
Der Luftangriff traf nach Angaben von Amnesty International den Markt von Tumfa im Bezirk Zurmi gegen 14 Uhr. Zeugen berichteten der Organisation, Militärflugzeuge seien bereits zuvor über dem Gebiet gesichtet worden. Unter den Opfern seien viele Frauen und Mädchen gewesen, die auf dem Markt Handel trieben.
Verletzte wurden in Krankenhäuser nach Zurmi und Shinkafi gebracht. Weitere Opfer kamen in das Yariman Bakura Specialist Hospital in Gusau, der Hauptstadt des Bundesstaates Zamfara.
Die Angaben zur Zahl der Toten gehen auseinander. Ein lokaler Gemeindeführer sprach von mindestens 72 Todesopfern. Andere Bewohner nannten mehr als 100 Tote. Ein Vertreter des Roten Kreuzes in Zamfara bestätigte gegenüber internationalen Medien den Luftangriff und berichtete von mehreren zivilen Todesopfern. Amnesty International meldet in einem Dorf seien allein 80 Menschen beerdigt worden.
Militär spricht von Einsatz gegen bewaffnete Gruppen
Das nigerianische Militär bestätigte eine Operation im Gebiet Tumfa, wies die Darstellung eines massiven zivilen Blutzolls jedoch zurück. Ein Verteidigungssprecher bezeichnete den Ort als bekannten Rückzugs- und Sammelpunkt bewaffneter Banditen. Der Angriff sei auf Grundlage von Geheimdienstinformationen erfolgt.
🇳🇬 JUST IN – Despite expected denials from the Nigerian military, footage has emerged from Tumfa market in Zurmi LGA of Zamfara State following a reported Nigerian Air Force airstrike that Amnesty International says killed over 100 civilians.
— BSN (@Barristerstreet) May 13, 2026
The footage shows locals fleeing as… https://t.co/UwenGEb1a2 pic.twitter.com/oEzDYezQ4l
Die Streitkräfte erklärten, es gebe bisher keine überprüfbaren Belege für die gemeldeten zivilen Opferzahlen. Zugleich kündigte das Militär an, die Vorwürfe zu prüfen. Ein Sprecher sagte Zivilisten seien nicht das Ziel militärischer Operationen, und es werde alles getan, zivile Opfer zu vermeiden.
Zamfara bleibt Zentrum bewaffneter Gewalt
Zamfara im Nordwesten Nigerias gehört seit Jahren zu den besonders betroffenen Regionen bewaffneter Gewalt. Kriminelle Gruppen verüben Entführungen, Viehdiebstähle und Angriffe auf Dörfer. Märkte und ländliche Handelsplätze geraten dabei immer wieder in den Einflussbereich bewaffneter Gruppen.

Die nigerianischen Streitkräfte führen in der Region regelmäßig Operationen gegen diese Gruppen durch. Die Nähe zwischen bewaffneten Akteuren und zivilen Orten erschwert nach Darstellung von Sicherheitsbehörden die Zielerfassung. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren zivile Opfer bei Luftangriffen und fordern strengere Prüfungen vor Einsätzen.
Zweiter schwerer Vorwurf innerhalb eines Monats
Der Vorfall in Tumfa ist der zweite gemeldete tödliche Luftangriff auf einen Markt im Norden Nigerias innerhalb eines Monats. Im April wurden bei einem Angriff im Gebiet Jilli an der Grenze zwischen Borno und Yobe ebenfalls zahlreiche Zivilisten getötet. Das Militär leitete dazu eine Untersuchung ein.
Amnesty International fordert eine sofortige, unabhängige und transparente Untersuchung des Angriffs in Tumfa. Die Organisation verlangt zudem Verantwortlichkeit bei möglichen Verstößen und eine Überprüfung militärischer Einsätze in bewohnten Gebieten.
Auch der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, reagierte auf die Berichte. Er zeigte sich schockiert über Meldungen, wonach am 10. Mai mindestens 100 Zivilisten durch Luftangriffe der nigerianischen Armee auf einen Markt in Zamfara getötet worden seien, und forderte unabhängige Untersuchungen.

