Die Vereinten Nationen haben ihre Nahrungsmittelhilfe in Teilen des Südsudan ausgesetzt, nachdem bewaffnete Angriffe auf einen Hilfskonvoi als „inakzeptabel“ bezeichnet worden sind. Hintergrund ist eine deutliche Verschärfung der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Kräften, insbesondere in den Bundesstaaten Upper Nile und Jonglei. UN-Organisationen warnen vor gravierenden Folgen für die Versorgungslage der Zivilbevölkerung.
Angriff auf WFP-Konvoi in Upper Nile
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen setzte alle Aktivitäten im Bezirk Baliet im Bundesstaat Upper Nile aus, nachdem ein Flusskonvoi mehrfach angegriffen worden war. Zwischen dem 30. Januar und dem 1. Februar transportierten zwölf Boote mehr als 1.500 Tonnen Nahrungsmittel sowie weitere Hilfsgüter, als sie von bewaffneten Jugendlichen attackiert wurden. Die Ladung wurde in mehreren Orten geplündert, obwohl zuvor Sicherheitszusagen für den Transport vorgelegen hatten.

Das Welternährungsprogramm erklärte, die Aussetzung bleibe bestehen, bis die Sicherheit von Mitarbeitenden, Partnern und Auftragnehmern gewährleistet sei und gestohlene Hilfsgüter wiederbeschafft würden. Angriffe auf humanitäre Helfer seien unter keinen Umständen hinnehmbar.
Zusammenbruch humanitären Zugangs
Der Angriff gilt als Ausdruck einer breiteren Erosion des humanitären Zugangs. Nach Angaben des UN-Nothilfebüros Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten sind seit Ende Dezember rund 280.000 Menschen durch Kämpfe und Luftangriffe vertrieben worden, davon mehr als 235.000 allein in Jonglei. Viele Geflüchtete haben Zuflucht in Gebieten mit kaum vorhandener Wasser-, Sanitär- und Gesundheitsversorgung gesucht, was das Risiko von Krankheitsausbrüchen erhöht.
Hilfsorganisationen berichten von mindestens sieben beschädigten oder geplünderten Einrichtungen in Jonglei. Die Folgen sind unterbrochene Programme und eingeschränkte Präsenz internationaler Helfer in mehreren Regionen.
Gesundheitsversorgung unter Beschuss
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen meldete, dass ein Krankenhaus in Lankien in der Nacht zum 3. Februar bombardiert worden sei. Dabei wurden das Hauptlager und wesentliche medizinische Vorräte zerstört. Ein Mitarbeiter erlitt leichte Verletzungen. Am selben Tag wurde eine weitere Gesundheitseinrichtung in Pieri geplündert, woraufhin sich das Personal zurückziehen musste. Nach Angaben der Organisation sind dadurch rund 250.000 Menschen ohne medizinische Grundversorgung.
Steigende Hunger- und Krankheitsrisiken
UN-Organisationen rechnen mit einer deutlichen Verschärfung der Ernährungslage, insbesondere in Jonglei und Upper Nile. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Bezirke mit akuter Hungersituation der Stufe IPC 4 zwischen Februar und Mai mehr als verdoppeln wird. Einzelne Haushalte könnten in katastrophale Bedingungen der Stufe IPC 5 abrutschen.

Bereits jetzt hat die Unsicherheit dazu geführt, dass geplante Vorabpositionierungen von 12.000 Tonnen Nahrungsmitteln vor Beginn der Regenzeit in Jonglei ausgesetzt wurden. Damit droht sich die Lage weiter zu verschärfen, sobald Straßen unpassierbar werden. Parallel belastet ein anhaltender Choleraausbruch das Gesundheitssystem. Seit Herbst 2024 wurden landesweit fast 100.000 Fälle und mehr als 1.600 Todesfälle registriert, Jonglei zählt zu den am stärksten betroffenen Regionen.
Politischer Kontext und regionale Belastungen
Die erneute Gewalt fällt in eine Phase zunehmender politischer Spannungen. Das Friedensabkommen von 2018 gilt als geschwächt, Reformen stocken, und mit Blick auf die geplanten Wahlen 2026 wächst der Druck auf die Übergangsstrukturen. Zusätzlich hat der Krieg im benachbarten Sudan mehr als eine Million Geflüchtete in den Südsudan getrieben, was die ohnehin knappen Ressourcen weiter belastet.
Nach Angaben des Welternährungsprogramms wurden im Jahr 2025 landesweit rund 4,2 Millionen Menschen unterstützt. Für 2026 besteht jedoch eine Finanzierungslücke von 341 Millionen US-Dollar, die insbesondere die Vorbereitung auf die Regenzeit, Nahrungsmittel- und Ernährungsprogramme sowie logistische Unterstützung gefährdet.
Internationale Reaktionen
Mehrere Staaten, darunter die USA, Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich sowie die Europäische Union, verurteilten die Angriffe auf den Hilfskonvoi in einer gemeinsamen Erklärung und forderten die südsudanesischen Behörden auf, die sichere Lieferung humanitärer Hilfe zu gewährleisten. Zugleich wurde an die Verantwortung aller Konfliktparteien erinnert, humanitären Raum zu respektieren und die Zivilbevölkerung zu schützen.