UN warnt vor Eskalation in Jonglei

Die Mission der Vereinten Nationen im Südsudan (UNMISS) hat am 26. Januar 2026 eindringlich vor einer weiteren Eskalation der Gewalt im Bundesstaat Jonglei gewarnt. Anlass sind Berichte, wonach ein hochrangiger Militärführer Soldaten zu wahlloser Gewalt gegen Zivilisten aufgerufen haben soll. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind infolge der jüngsten Kämpfe bereits mehr als 180.000 Menschen aus ihren Wohnorten vertrieben worden. Die aktuelle Rhetorik schade die ohnehin fragile Sicherheitslage erheblich.

Zivilbevölkerung zwischen den Fronten

Die Bevölkerung in Jonglei und anderen Landesteilen leidet laut UNMISS zunehmend unter der Eskalation des Konflikts. Dazu zählen direkte militärische Auseinandersetzungen zwischen Kräften, die den wichtigsten Parteien des Friedensabkommens von 2018 nahestehen. Trotz wiederholter öffentlicher Bekenntnisse der politischen Führung zur Umsetzung dieses Abkommens halten Gefechte und Verstöße gegen die Waffenruhe an.

Der amtierende Leiter von UNMISS, Graham Maitland, verurteilte die gemeldeten Aufrufe scharf. „Aufwiegelnde Rhetorik, die zu Gewalt gegen Zivilisten, einschließlich der Verwundbarsten, aufruft, ist zutiefst verwerflich und muss sofort aufhören“, erklärte Maitland. Die Mission rief die politische und militärische Führung des Landes dazu auf, die Interessen der Bevölkerung in den Mittelpunkt zu stellen und die Kampfhandlungen einzustellen.

Friedensabkommen unter Druck

Südsudan erlangte im Juli 2011 seine Unabhängigkeit, geriet jedoch kurz darauf in einen Bürgerkrieg zwischen Kräften von Präsident Salva Kiir und Anhängern des wichtigsten Oppositionsführers und heutigen Vizepräsidenten Riek Machar. Zwar führte das Friedensabkommen von 2018 zur Bildung einer Übergangsregierung der nationalen Einheit, doch bleiben Spannungen, lokale Machtkämpfe und ethnische Konfliktlinien bestehen.

UNMISS betonte, dass eine Rückkehr zu konsensorientierten Entscheidungsprozessen, die Einhaltung der vereinbarten Machtteilung und ein klarer Fahrplan zur Beendigung der Übergangsphase notwendig seien. Dies müsse durch einen inklusiven politischen Dialog erfolgen, um einen erneuten landesweiten Konflikt zu verhindern.

Menschenrechtsexperten warnen vor „massiver Gewalt“

Auch die UN-Kommission für Menschenrechte im Südsudan äußerte sich alarmiert über die Lage in Jonglei. In einer Stellungnahme erklärten die Expertinnen und Experten, die aufrührerische Sprache hochrangiger Militärvertreter sowie Berichte über Mobilisierung bewaffneter Kräfte erhöhten „erheblich das Risiko massiver Gewalt gegen Zivilisten“ und untergrüben das Friedensabkommen weiter.

Die Vorsitzende der Kommission, Yasmin Sooka, warnte, dass solche Äußerungen in der Vergangenheit häufig Vorboten schwerer Gräueltaten gewesen seien. Aufrufe, niemanden zu verschonen, auch nicht Menschen, die nicht mehr an Kampfhandlungen beteiligt seien, seien nicht nur schockierend, sondern hochgefährlich. Wenn solche Sprache von Befehlshabern ausgehe oder geduldet werde, sende dies ein Signal der Straffreiheit und senke die Hemmschwelle für Gewalt.

Verantwortung der militärischen und politischen Führung

Die Kommission verwies darauf, dass nach internationalem Recht sowohl militärische als auch zivile Führungspersonen strafrechtlich verantwortlich gemacht werden können, wenn sie zu Verbrechen aufstacheln oder es unterlassen, bekannte oder vorhersehbare Verbrechen zu verhindern. Dies gelte insbesondere für Personen mit effektiver Kontrolle über bewaffnete Kräfte.

Der Kommissar Barney Afako erklärte, die Kombination aus Truppenmobilisierung und ethnisierter Rhetorik berge die Gefahr einer Spirale gegenseitiger Vergeltung, die rasch außer Kontrolle geraten könne. In dieser Situation trügen der Präsident als Oberbefehlshaber der Streitkräfte sowie weitere hohe Sicherheitsverantwortliche eine besondere Pflicht, wirksam einzugreifen.

Appell an regionale und internationale Akteure

Neben Forderungen an die südsudanesische Führung richtete die Menschenrechtskommission auch einen Appell an regionale und internationale Partner. Diese müssten sich dringend wieder stärker engagieren, um das Friedensabkommen zu sichern und politischen Druck auf die Konfliktparteien auszuüben. Ein Ausbleiben entschlossener Schritte könne in einen offenen ethnischen Konflikt münden und eine weitere vermeidbare humanitäre Katastrophe auslösen.

Die Kommission betonte, die aktuelle Krise sei nicht unvermeidlich. Verantwortungsvolle Führung, Zurückhaltung und Rechenschaftspflicht könnten eine Eskalation noch verhindern. Gleichzeitig warnte sie, dass gezielte Aufwiegelung und der Missbrauch militärischer Befehlsgewalt Konsequenzen nach sich ziehen würden.

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