Außenminister Wadephul: “Kenia ist unser engster Partner in der Region”

Deutschland hat bei einem Arbeitsbesuch in Nairobi seine Unterstützung für Frieden, Sicherheit und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Kenia bekräftigt. Außenminister Johann Wadephul führte Gespräche mit der kenianischen Regierung über regionale Vermittlungsbemühungen, multilaterale Sicherheit und den Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Laut Angaben des kenianischen Außenministeriums unterstrich Berlin dabei Kenias Rolle als zentraler Stabilitätsanker in Ostafrika.

Bilaterale Gespräche in Nairobi

Im Zentrum des Aufenthalts von Johann Wadephul standen unter anderem Gespräche mit Kenias Premier- und Außenminister Musalia Mudavadi. Beide Seiten betonten die strategische Bedeutung der bilateralen Beziehungen, die auf gegenseitigem Vertrauen, gemeinsamen politischen Grundannahmen und einer engen sicherheitspolitischen Zusammenarbeit beruhen.

Wadephul würdigte Kenias Rolle als Vermittler in regionalen Konflikten, unter anderem im Sudan, Südsudan, in der Demokratischen Republik Kongo und in Somalia. Darüber hinaus hob er Kenias Beteiligung an internationalen Friedensmissionen hervor, darunter als größter Truppensteller der UN-geführten Mission in Haiti. Kenia übernehme damit Verantwortung weit über die Region hinaus.

Sicherheitspolitische Kooperation und Friedensmissionen

Ein Schwerpunkt der Gespräche lag auf der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit. Deutschland und Kenia arbeiten nach Angaben des Auswärtigen Amts eng in den Bereichen Terrorismusbekämpfung, Stabilisierung fragiler Regionen und Ausbildung von Sicherheitskräften zusammen. Während seines Besuchs informierte sich Wadephul am International Peace Support Training Centre in Nairobi über Ausbildungsprogramme im Rahmen der Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur.

Auch der Besuch des Humanitarian Peace Support School Komplexes in Embakasi war Teil des Programms. Dort wurde die Rolle Kenias bei der Ausbildung von Personal für Friedensmissionen betont, insbesondere im Bereich der Bekämpfung improvisierter Sprengsätze. Die kenianische Seite verwies auf die Bedeutung deutscher Unterstützung für den Ausbau dieser Kapazitäten.

Wirtschaft, Handel und Investitionen

Neben Sicherheitsfragen nahmen wirtschaftliche Themen breiten Raum ein. Wadephul bezeichnete Kenia als wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Ostafrika. Nach kenianischen Angaben sind derzeit rund 120 deutsche Unternehmen im Land aktiv, mit Direktinvestitionen von etwa 28 Millionen Euro. Diese Präsenz solle weiter ausgebaut werden.

Diskutiert wurden Investitionsmöglichkeiten in erneuerbare Energien, grüne Wasserstoffprojekte, Landwirtschaft, Digitalisierung und berufliche Qualifizierung. Kenia positioniert sich zunehmend als technologischer Knotenpunkt der Region, häufig als „Silicon Savannah“ bezeichnet. Deutsche Unternehmen schätzen insbesondere das innovationsfreundliche Umfeld und die regionale Marktzugangsrolle des Landes.

Mudavadi verwies in diesem Zusammenhang auf die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone African Continental Free Trade Area, die deutschen Firmen neue Expansionsmöglichkeiten in Afrika eröffnen könne. Kenia sehe sich als Brücke für Investitionen in wachstumsstarke Märkte des Kontinents.

Migration, Mobilität und Arbeitsmarkt

Ein weiterer Themenkomplex betraf Migration und Arbeitsmobilität. Beide Seiten verwiesen auf die strukturierte Partnerschaft zur Arbeitsmigration zwischen Deutschland und Kenia. Wadephul hob hervor, dass Fachkräfte aus Kenia zunehmend in Deutschland tätig seien, unter anderem im Transportwesen, im Pflegebereich, in der Industrie und in der Wissenschaft.

Zugleich machte der Außenminister deutlich, dass Fortschritte bei der Zusammenarbeit in Rückführungsfragen notwendig seien. Eine nachhaltige Partnerschaft im Bereich Migration und Mobilität setze aus deutscher Sicht funktionierende Verfahren in beide Richtungen voraus.

Multilaterale Ordnung und internationale Rolle

Vor dem Hintergrund globaler Krisen betonte Wadephul in einer Rede an der Deutschen Botschaft in Nairobi die Bedeutung der multilateralen Ordnung. Die Vereinten Nationen seien weiterhin das zentrale Forum für internationale Friedenssicherung. Deutschland trage seine Kandidatur für einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat 2027/2028 auch bei Reisen nach Afrika vor und sehe die Afrikanische Union als wichtigen Gesprächspartner.

Kenia wurde von deutscher Seite als eine der einflussreichsten Stimmen Afrikas beschrieben, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Das Land gelte als verlässlicher Akteur in einer von Krisen geprägten Region und als Partner mit wachsendem globalem Gewicht.

Klimapolitik und nachhaltige Entwicklung

Auch der Klimawandel war Gegenstand der Gespräche. Wadephul verwies auf die sichtbaren Folgen in Kenia, von Überschwemmungen in urbanen Zentren bis zu Dürre in ariden Regionen. Kenia nehme innerhalb Afrikas eine Vorreiterrolle beim Ausbau erneuerbarer Energien ein und sei ein wichtiger Partner Deutschlands in internationalen Klimaverhandlungen.

Die bestehende Klima- und Entwicklungspartnerschaft wurde von beiden Seiten als Beispiel für funktionierende multilaterale Zusammenarbeit dargestellt. Weitere Impulse sollen im Rahmen künftiger Regierungskonsultationen gesetzt werden.

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