Guinea und China haben ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit mit einem neuen Finanzabkommen ausgeweitet. Am 5. Januar 2026 unterzeichneten beide Staaten eine Vereinbarung über einen nicht rückzahlbaren Finanzbeitrag in Höhe von 100 Millionen Yuan, umgerechnet mehr als 124 Milliarden Guineische Franc oder 12 Millionen Euro. Die Mittel sollen Projekte mit hohem wirtschaftlichem und sozialem Nutzen finanzieren und sind Teil des strategischen Entwicklungsprogramms Simandou 2040. Das Abkommen steht im Kontext der vertieften sino-guineischen Kooperation seit dem Forum on China–Africa Cooperation (FOCAC).
Finanzhilfe als Teil der strategischen Partnerschaft
Das Abkommen wurde zwischen der Republik Guinea und der Volksrepublik China in Conakry geschlossen. Der Finanzbeitrag wird von China als nicht rückzahlbare Unterstützung gewährt und dient der Umsetzung von Projekten, die von den guineischen Behörden priorisiert wurden. Nach Angaben des guineischen Ministeriums für Planung und internationale Zusammenarbeit richtet sich die Finanzierung auf Vorhaben mit nachhaltiger wirtschaftlicher Wirkung und direktem Nutzen für die Bevölkerung.
Mit dem aktuellen Abkommen handelt es sich um den siebten konkreten Finanzierungs- oder Projektbaustein, der seit den Beschlüssen des FOCAC umgesetzt wurde. Die Vereinbarung fügt sich damit in eine Serie bilateraler Initiativen ein, die seit mehreren Jahren sukzessive ausgebaut werden.
Verankerung im Programm Simandou 2040

Die bereitgestellten Mittel sind dem nationalen Entwicklungsprogramm Simandou 2040 zugeordnet. Dieses Programm bündelt zentrale wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen, die langfristig zur Diversifizierung der guineischen Wirtschaft und zur Verbesserung der Lebensbedingungen beitragen sollen.
Gefördert werden unter anderem Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Wasserversorgung, Fischerei sowie öffentliche Infrastruktur. Mehrere dieser Vorhaben befinden sich nach Angaben der Behörden bereits in der Umsetzungsphase und werden im Rahmen der sino-guineischen Kooperation begleitet.
Chinesische Projekte und wirtschaftliche Präsenz in Guinea
Die chinesische Seite verweist auf eine Reihe laufender Großprojekte als Ausdruck der vertieften bilateralen Beziehungen. Dazu zählt insbesondere das Bergbauprojekt Simandou, das sich in Richtung Produktionsphase bewegt. Ergänzend werden der Bau von zwei Raffinerien sowie die Einrichtung eines Technologiezentrums für Zollinspektion und Quarantäne als zentrale Bausteine der aktuellen Zusammenarbeit genannt.
Die chinesische diplomatische Vertretung in Conakry erklärte, Ziel sei es, den Fokus weiterhin auf Projekte mit direkter Wirkung für die Bevölkerung zu legen. Dieser Ansatz unterstreiche den operativen Charakter der Kooperation und die Orientierung an messbaren Ergebnissen.
Einordnung durch die guineische Regierung
Der guineische Minister für Planung und internationale Zusammenarbeit, Ismaël Nabé, ordnete das Abkommen als Fortsetzung der beim FOCAC vereinbarten Leitlinien ein. Er verwies darauf, dass der Präsident Guineas, Mamadi Doumbouya, im Rahmen des Forums Gespräche mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping geführt habe, die den politischen Rahmen für die aktuellen Projekte gesetzt hätten.
Nach Darstellung der guineischen Seite basiert die Zusammenarbeit auf zehn strategischen Eckpunkten, die sowohl groß angelegte Strukturprojekte als auch kleinere Vorhaben mit unmittelbarer sozialer Wirkung umfassen. Die Auswahl der Projekte erfolge in Abstimmung mit den zuständigen Fachministerien.
Rolle des FOCAC und diplomatische Perspektive
Der chinesische Botschafter in Guinea, Sun Yong, betonte bei der Unterzeichnung, dass das Abkommen auf den politischen Konsens der beiden Staatsführungen zurückgehe. Ziel sei es, gemeinsam Projekte umzusetzen, die zur sozioökonomischen Entwicklung Guineas beitragen.
Das Forum on China–Africa Cooperation bildet seit Jahren den zentralen institutionellen Rahmen für die chinesisch-afrikanischen Beziehungen. Für Guinea dient es als Plattform zur Mobilisierung von Finanzmitteln, Know-how und Infrastrukturinvestitionen.
Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Guineas
Mit dem neuen Finanzabkommen erhält Guinea, nach dem EU-Abkommen, zusätzlichen finanziellen Spielraum zur Umsetzung ausgewählter Entwicklungsprojekte. Die Kombination aus nicht rückzahlbarer Unterstützung und langfristiger Projektbindung wird von den Behörden als Instrument zur Beschleunigung struktureller Reformen gesehen.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur AGP berichtet, werten beide Seiten die Vereinbarung als weiteren Schritt zur Festigung einer stabilen und kontinuierlichen Partnerschaft zwischen Conakry und Peking.