UN-Sicherheitsrat berät hinter verschlossenen Türen über Sudan

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen befasst sich mit der sich zuspitzenden humanitären Krise im Sudan und berät über aktuelle Entwicklungen in mehreren Konfliktregionen des Landes. In geschlossenen Konsultationen sollen Vertreter zentraler UN-Hilfsorganisationen die Lage darstellen. Anlass ist eine neue Warnung zur Ernährungssicherheit, die auf eine Ausweitung von Hungersnotbedingungen hinweist. Die Beratungen erfolgen auf Antrag mehrerer Ratsmitglieder.

Die Konsultationen sind für den 09.02.2026 angesetzt und wurden vom Vereinigten Königreich gemeinsam mit Bahrain und Dänemark beantragt.

Briefings zu Hungerkrise und Sicherheitslage

Als Berichterstatter sind Edem Wosornu, Direktorin der Krisenreaktionsabteilung des UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, sowie Matthew Hollingworth, Beigeordneter Exekutivdirektor für Programmeinsätze des Welternährungsprogramm, vorgesehen. Grundlage der Beratungen ist eine am 05.02.2026 veröffentlichte Warnmeldung der Integrierten Klassifikation der Ernährungssicherheitsphasen, die eine weitere Verschlechterung der Lage insbesondere in Groß-Darfur und Groß-Kordofan feststellt.

Bereits ein Bericht vom November 2025 hatte in mehreren konfliktbetroffenen Gebieten Hungersnotbedingungen festgestellt, darunter in El Fasher in Nord-Darfur und Kadugli in Süd-Kordofan.

Neue Hungersnotgebiete in Nord-Darfur

Die aktuelle Warnung benennt zwei weitere Orte in Nord-Darfur, Um Baru und Kernoi, in denen Schwellenwerte für akute Mangelernährung überschritten wurden. Dies deutet auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Zugleich bestehen Befürchtungen, dass benachbarte Gebiete von ähnlichen Bedingungen betroffen sind.

Nach Angaben der IPC rücken Einheiten der Rapid Support Forces in den Regionen um Um Baru und Kernoi vor. Dies habe zur Flucht Tausender Zivilisten aus städtischen Gebieten in ländliche Regionen oder in Richtung der Grenze zu Tschad geführt.

El Fasher: Vertreibung und eingeschränkter Zugang

Für El Fasher wird berichtet, dass seit dem Angriff der Rapid Support Forces Ende Oktober 2025 ein Großteil der Zivilbevölkerung geflohen oder getötet worden sei. Weniger als 100.000 Menschen sollen noch in der Stadt eingeschlossen sein. Bis Ende 2025 stieg die Zahl der Binnenvertriebenen aus dem Raum El Fasher auf schätzungsweise 1,22 Millionen.

Die humanitäre Lage entlang des Korridors El Fasher–Tine in Richtung Tschad dürfte sich ohne sofortige Kampfhandlungenpause und umfangreiche Hilfsmaßnahmen weiter verschlechtern. In Süd-Darfur, insbesondere rund um Nyala, werden weiterhin zivile Opfer gemeldet.

Kordofan und Blue Nile als neue Konfliktschwerpunkte

Die Region Kordofan gilt zunehmend als zentrales Konfliktgebiet. Die Intensivierung der Kämpfe dürfte laut IPC die Zahl der Menschen mit extremer Unterernährung weiter erhöhen. In Kadugli wurden bereits im November 2025 Hungersnotbedingungen festgestellt. Auch Dilling und Teile der westlichen Nuba-Berge gelten als stark gefährdet.

In Blue Nile mehren sich Berichte über neue Gefechte und Mobilisierung bewaffneter Gruppen, was Sorgen über eine Ausweitung der Instabilität an den Grenzen zu Äthiopien und Südsudan auslöst.

Angriffe auf humanitäre Hilfe

Trotz begrenzter Fortschritte beim humanitären Zugang bleibt dieser stark eingeschränkt. Sicherheitsrisiken, administrative Hürden und anhaltende Verhandlungen mit bewaffneten Akteuren erschweren eine kontinuierliche Hilfe. Besonders betroffen sind Gebiete um El Fasher, Tawila und Ad Dabbah.

Am 06.02.2026 wurde ein Konvoi des Welternährungsprogramms in Nord-Kordofan durch einen Drohnenangriff getroffen. Dabei kam mindestens eine Person ums Leben, mehrere wurden verletzt, und Hilfsgüter wurden zerstört. Wenige Tage zuvor wurde ein WFP-Mitarbeiter bei einem Drohnenangriff nahe Yabus in Blue Nile verletzt. Medienberichte sprechen zudem von einem Angriff auf ein Fahrzeug mit Vertriebenen nahe Rahad, bei dem mindestens 24 Menschen starben, darunter acht Kinder.

Appelle an den Sicherheitsrat und internationale Gemeinschaft

Bereits bei der letzten offenen Sitzung des Sicherheitsrats im Dezember 2025 hatte Edem Wosornu vor einer Wiederholung der in El Fasher begangenen Gräueltaten in anderen Landesteilen gewarnt. Sie forderte den Schutz der Zivilbevölkerung, ungehinderten humanitären Zugang und die Sicherheit von Hilfspersonal.

Mehrere Ratsmitglieder wollen bei den aktuellen Konsultationen erneut an die Verpflichtungen aus der Resolution 2417 des Sicherheitsrats erinnern, die den Einsatz von Hunger als Kriegswaffe verurteilt. Zugleich wird eine Ausweitung der internationalen Hilfe erwartet. Der humanitäre Bedarfs- und Reaktionsplan für 2026 ist bislang nur zu 5,8 Prozent finanziert.

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