Ohne entschlossenes internationales Handeln droht die Gewalt in Sudan weiter zu eskalieren. Vor dem Menschenrechtsrat in Genf erklärte der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, dass andernfalls „nur Schlimmeres zu erwarten“ sei. Er erneuerte zugleich die Forderung, das bislang auf Darfur begrenzte Waffenembargo auf das gesamte Staatsgebiet auszuweiten.
Die Kämpfe zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces dauern seit fast drei Jahren an. Beide Seiten ringen um die Kontrolle über zentrale Landesteile, während die Zivilbevölkerung zunehmend zwischen die Fronten gerät.
Berichte über Massentötungen in El Fasher
Türk schilderte dem Human Rights Council übereinstimmende Aussagen von Überlebenden aus El Fasher, der Hauptstadt von Nord-Darfur. Demnach sollen Einheiten der Rapid Support Forces im Oktober die Stadt überrannt und schwere Verbrechen begangen haben.

Mehrere Zeugen hätten unabhängig voneinander von der Tötung Hunderter Menschen berichtet, die auf dem Gelände der Universität von El Fasher Schutz gesucht hatten. Nach den vorliegenden Aussagen seien Opfer gezielt aufgrund ihrer nicht-arabischen Herkunft angegriffen worden, insbesondere Angehörige der Zaghawa.
Entlang der Ausfallstraßen der Stadt hätten Überlebende zudem Leichenansammlungen beschrieben. Die geschilderten Szenen decken sich nach Angaben des Hochkommissars mit den Einschätzungen des International Criminal Court, der im Januar von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit der Belagerung El Fashers gesprochen hatte.
Verantwortung bei den Rapid Support Forces
Die Verantwortung für die dokumentierten Gräueltaten liege bei den Rapid Support Forces sowie deren Unterstützern, sagte Türk. Bereits zuvor habe sein Amt vor schweren Verbrechen gewarnt, unter anderem bei der Offensive auf das Flüchtlingslager Zamzam im April 2025.
Der Krieg war im April 2023 ausgebrochen, nachdem eine Machtteilungsvereinbarung zwischen den sudanesischen Streitkräften und den Rapid Support Forces zerbrochen war. Seitdem hat sich die Lage landesweit verschärft.
Humanitäre Lage weiter dramatisch
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als 30 Millionen Menschen von der Krise betroffen. Viele wurden mehrfach vertrieben, andere leiden unter Hunger, fehlender medizinischer Versorgung und systematischer sexueller Gewalt.

Während die Kämpfe sich von Darfur zunehmend auf die Kordofan-Regionen ausweiten, warnte Türk vor neuen schweren Menschenrechtsverletzungen. Besonders besorgniserregend sei der Einsatz moderner Drohnensysteme durch beide Konfliktparteien.
Drohnenangriffe fordern zivile Opfer
In den vergangenen Wochen hätten Regierungstruppen und verbündete Einheiten zwar die Belagerungen von Kadugli und Dilling durchbrochen. Gleichzeitig setzten beide Seiten ihre Drohnenangriffe fort, mit Dutzenden getöteten oder verletzten Zivilisten.
Der Hohe Kommissar warnte vor weiteren Risiken für die Bevölkerung, darunter außergerichtliche Hinrichtungen, sexuelle Gewalt, willkürliche Inhaftierungen und die Trennung von Familien.
Forderungen zur Deeskalation
Zur Eindämmung der Gewalt kündigte Türk Maßnahmen zur Unterstützung von Vermittlungsbemühungen an. Dazu zählen Zusagen, Zivilisten und Wohngebiete nicht anzugreifen, humanitäre Hilfe ungehindert zuzulassen, willkürliche Festnahmen zu beenden und Angriffe auf zivile Infrastruktur einzustellen.
Er verwies auf die Schäden an der Merowe-Talsperre und dem Wasserkraftwerk, die einst rund 70 Prozent des sudanesischen Stroms lieferten. Wiederholte Drohnenangriffe hätten Strom- und Wasserversorgung massiv beeinträchtigt, mit gravierenden Folgen für das Gesundheitswesen.