UN-Generaldebatte: Marokko fordert palästinensischen Staat

Marokko verbindet seine Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat mit einem konkreten Sicherheitsengagement in Gaza. Außenminister Nasser Bourita kündigt Beiträge zur Stabilisierungstruppe an und fordert zugleich Sanktionen gegen bewaffnete Gruppen und deren staatliche Unterstützer.

Marokko hat seine Kandidatur für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat 2028 und 2029 bekräftigt und zugleich seine Beteiligung an der internationalen Stabilisierungstruppe für Gaza angekündigt. Außenminister Nasser Bourita sprach am Dienstag, 22. September 2026, vor der UN-Generalversammlung in New York. Rabat will unter anderem palästinensische Polizeikräfte ausbilden, Personal entsenden und ein militärisches Feldhospital einrichten. Bourita forderte außerdem Sanktionen gegen nichtstaatliche bewaffnete Gruppen und gegen Staaten, die solche Akteure finanzieren, bewaffnen oder ihnen Schutz bieten. 

Marokko will 2028 in den Sicherheitsrat

Bourita stellte die Kandidatur als Fortsetzung der marokkanischen Beteiligung an multilateraler Friedens- und Sicherheitspolitik dar. Das Königreich wolle sich auf Grundlage des Völkerrechts, staatlicher Souveränität und territorialer Integrität in die Arbeit des Sicherheitsrats einbringen.

Die Bewerbung Marokkos für die Amtszeit 2028/29 läuft bereits seit mehreren Jahren. Die Arabische Liga unterstützte sie 2025 offiziell, auch einzelne Staaten haben Rabat ihre Unterstützung zugesagt. Die Generalversammlung wählt die nichtständigen Mitglieder des Sicherheitsrats. 

Bourita verband die Kandidatur mit einer Diagnose zunehmender internationaler Instabilität. Militärische, wirtschaftliche, energiepolitische und ökologische Krisen nähmen gleichzeitig zu. Bestehende internationale Institutionen seien immer weniger in der Lage, Konflikte zu verhindern und einzugrenzen, erklärte er. 

Marokko will sich an internationaler Truppe für Gaza beteiligen

Konkreter wurde Bourita bei Gaza. Marokko habe entschieden, sich an der International Stabilization Force zu beteiligen und damit einen direkten Beitrag zur Sicherheitsordnung nach dem Krieg zu leisten.

Die Truppe war mit der UN-Sicherheitsratsresolution 2803 vom November 2025 autorisiert worden. Sie soll unter anderem den Waffenstillstand absichern, den Aufbau überprüfter palästinensischer Polizeikräfte unterstützen, humanitäre Operationen schützen und an der Entwaffnung nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen mitwirken. Marokko gehörte bereits im Februar 2026 zusammen mit Albanien, Indonesien, Kasachstan und Kosovo zu den ersten Staaten, die ihre Absicht erklärten, Truppen beizusteuern. 

Bourita konkretisierte nun die marokkanische Beteiligung. Vorgesehen seien die Ausbildung der palästinensischen Polizei, die Entsendung ranghoher marokkanischer Offiziere, ein militärisches Feldhospital sowie die Bereitschaft, ein Programm gegen Extremismus zu führen. 

Bourita bekräftigt Forderung nach palästinensischem Staat

Parallel dazu hielt der Außenminister an der marokkanischen Position zur Zwei-Staaten-Lösung fest. Dauerhafter Frieden im Nahen Osten setze einen „unabhängigen, souveränen und lebensfähigen palästinensischen Staat“ in den Grenzen vom 4. Juni 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt voraus, sagte Bourita.

Marokko fordert außerdem die Einhaltung des Waffenstillstands in Gaza, ungehinderte humanitäre Lieferungen und Unterstützung für die Palästinensische Autonomiebehörde. Bourita bekräftigte auch die Unterstützung für das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA. 

Die Lage im Westjordanland bezeichnete er als besorgniserregend. Er kritisierte israelische Maßnahmen, die nach marokkanischer Darstellung Landenteignungen und eine Ausweitung von Siedlungen erleichtern, sowie Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser. Auch wiederholte Eingriffe am Gelände der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem verurteilte er.

Die Vereinten Nationen berichteten zuletzt ebenfalls über eine Verschlechterung der Lage im besetzten Westjordanland und über fortgesetzte Siedlungsausweitung, Gewalt und Vertreibung. 

Warnung vor bewaffneten Gruppen und ihren staatlichen Unterstützern

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Bourita bei nichtstaatlichen bewaffneten Akteuren. Deren Einfluss sei erheblich gewachsen. Einige bedrohten inzwischen Seewege und Meerengen, griffen Infrastruktur an und unterhielten Verbindungen zu Terrororganisationen, kriminellen Netzwerken und Söldnerstrukturen.

Nach den von Bourita genannten Zahlen leben weltweit mehr als 200 Millionen Menschen in Gebieten, die von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden oder umkämpft sind. Mehr als 130 nichtstaatliche bewaffnete Gruppen würden als Parteien bewaffneter Konflikte eingestuft. 

Der Außenminister forderte einen härteren Umgang mit diesen Organisationen und ihren Unterstützern.

„Die Verantwortung muss den Staaten zugerechnet werden, die sie unterstützen, beherbergen, finanzieren, bewaffnen und ihnen sicheren Rückzugsraum und Unterstützung gewähren“, sagte Bourita.

Solche Gruppen dürften nicht dazu dienen, Handlungen auszuführen, für die Staaten bei direktem Vorgehen selbst zur Verantwortung gezogen würden. Bourita verlangte deshalb abschreckende Sanktionen sowohl gegen bewaffnete Gruppen als auch gegen deren staatliche Unterstützer.

Klimaziel von bis zu 53 Prozent bis 2035

Auch die Klimapolitik verband Rabat mit Sicherheitsfragen. Klimawandel bedrohe bereits Wasser- und Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und Lebensbedingungen.

Marokko habe für den Zeitraum 2026 bis 2035 das Ziel festgelegt, seine Treibhausgasemissionen bis 2035 um bis zu 53 Prozent zu reduzieren, sagte Bourita. Zu den nationalen Maßnahmen zählte er den Bau von Staudämmen, die Verbindung von Wasserbecken, Meerwasserentsalzung, die Wiederverwendung aufbereiteten Abwassers und einen sparsameren Umgang mit Wasser in der Landwirtschaft. 

Auf afrikanischer Ebene verwies er auf die von Marokko angestoßenen Klimakommissionen für das Kongobecken, die Sahelzone und afrikanische Inselstaaten. Entwicklungsländer benötigten zugleich leichter zugängliche Finanzierung und Technologietransfer.

Rabat stellt afrikanische Initiativen heraus

Bourita wandte sich gegen die Darstellung Afrikas vor allem als Kontinent von Konflikten und Krisen. Afrikanische Staaten seien zunehmend in der Lage, eigene Lösungen zu entwickeln und internationale Entscheidungen mitzugestalten.

Als Beispiele für die marokkanische Afrika-Politik nannte er die Initiative, Sahelstaaten über marokkanische Infrastruktur Zugang zum Atlantik zu ermöglichen, den Prozess der afrikanischen Atlantikstaaten und die geplante afrikanisch-atlantische Gaspipeline. Hinzu kämen Investitionen in Infrastruktur, Ernährungssicherheit, Düngemittelproduktion, erneuerbare Energien, Gesundheit und Wasserwirtschaft. 

Zum Konflikt um die Westsahara erklärte Bourita, die Resolution 2797 des Sicherheitsrats von Oktober 2025 habe einen „historischen Wendepunkt“ gebracht. Er stellte die marokkanische Autonomieinitiative unter marokkanischer Souveränität als Grundlage des weiteren politischen Prozesses dar. 

Mit seiner Bewerbung um den Sicherheitsrat verbindet Marokko damit mehrere außenpolitische Felder: die Beteiligung an der Stabilisierung Gazas, den Umgang mit bewaffneten nichtstaatlichen Akteuren, seine Afrika-Politik und die weitere internationale Auseinandersetzung um die Westsahara.

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