Uganda vor der Wahl am 15. Januar 2026: erwarteter Museveni-Sieg trifft auf Nachfolgefrage, junge Wähler und wachsende Schuldenlast

Am 15. Januar 2026 wählt Uganda einen neuen Präsidenten. Amtsinhaber Yoweri Museveni tritt für eine siebte Amtszeit an. Zwei Wochen nach dem Wahltag jährt sich zudem sein Machtantritt von 1986 zum 40. Mal. Nach Einschätzung von Beobachtern gilt ein erneuter Wahlsieg Musevenis als wahrscheinlich. Die Wahlkampflinie seiner Partei National Resistance Movement (NRM) lautet „protecting the gains“, also der Anspruch, erreichte Fortschritte zu sichern.

Parallel zum Wahltermin rücken zwei Themen in den Vordergrund: die ungeklärte Frage der Nachfolge innerhalb des Machtzentrums und der Druck, spürbare wirtschaftliche Verbesserungen für eine junge Bevölkerung zu liefern. Zusätzlich wird die Debatte über staatliche Ausgaben und Verschuldung schärfer geführt, nachdem neue Kredite beschlossen wurden und Ökonomen vor Folgewirkungen warnen.

Wahlkampf und Sicherheitslage: Vorwürfe zu Festnahmen und Gewalt

Wie bereits bei den Wahlen 2021 berichten Unterstützer des wichtigsten Herausforderers Robert Kyagulanyi, bekannt als Bobi Wine, von Entführungen, willkürlichen Festnahmen und Gewalt durch Sicherheitskräfte. Ein weiterer prominenter Oppositionspolitiker, Kizza Besigye, sitze weiterhin wegen Hochverratsvorwürfen in Uganda in Haft. Laut britischem Think Tank Chatham House sei Besigye 2024 in Nairobi entführt worden und anschließend in Uganda inhaftiert worden.

Die politische Atmosphäre wird zudem als stark militarisiert beschrieben. Chatham House verweist auf Proteste im November 2020, bei denen 54 Demonstrierende durch Sicherheitskräfte getötet worden seien. Museveni habe im Zusammenhang mit möglichen Protesten zuletzt gesagt: „one soldier carries 120 bullets“.

Junge Wähler und Protestdynamiken in Ostafrika

Ein Schwerpunkt in der Bewertung des Wahlkontexts ist die Rolle junger, urbaner Bevölkerungsgruppen. Chatham House verweist auf große Protestbewegungen in der Region, unter anderem in Kenia 2024 und rund um Tansanias Wahl 2025. Diese Proteste seien stark von einer jüngeren Generation getragen worden.

Für Uganda werden mehrere ähnliche Ausgangsbedingungen genannt: eine schnell wachsende junge Stadtbevölkerung, die sich stark an Online-Öffentlichkeit orientiere, eine politische Lage mit Berichten über Entführungen und Festnahmen von Aktivisten sowie eine wachsende Erwartungshaltung, dass politische Veränderungen möglich seien.

Gleichzeitig nennt Chatham House Unterschiede zu den Nachbarländern: In Uganda stehe mit Bobi Wine ein klarer Oppositionskandidat auf dem Stimmzettel. Zudem könne die Möglichkeit, Wahlergebnisse vor Gericht anzufechten, ein Ventil für Spannungen sein. Allerdings wird zugleich betont, dass eine erfolgreiche Anfechtung als unwahrscheinlich gelte.

Nachfolgefrage: Fokus auf Musevenis Sohn und neue Kräfte im Machtapparat

Ein zentrales Thema für eine mögliche neue Amtszeit bleibt die Nachfolge Musevenis. Chatham House schreibt, die Debatte werde seit Jahren von General Muhoozi Kainerugaba geprägt, Musevenis ältestem Sohn und Chef der Streitkräfte Ugandas.

Muhoozi führe eine Bewegung namens Patriotic League of Uganda (PLU). Diese habe Einfluss auf eine Neupositionierung innerhalb der politischen und militärischen Eliten. Laut Chatham House beanspruche die PLU nach parteiinternen Wahlen 2025 eine verbündete Mehrheit im zentralen Führungsgremium der NRM. Im Zuge dieser internen Wahlen seien etablierte Parteifiguren von PLU-nahen Kandidaten verdrängt worden.

Chatham House stellt außerdem fest, Muhoozi habe seine teils provokanten öffentlichen Auftritte zuletzt gedämpft. Das verstärke Spekulationen über seinen nächsten politischen Schritt.

Wirtschaftlicher Druck: Schulden, neue Kredite und Vertrauen in die Ausgabenpolitik

Neben der Machtfrage rückt die wirtschaftliche Lage stärker in den Vordergrund. Die Deutsche Welle berichtet, Ugandas Staatsverschuldung liege bei 32,3 Milliarden US-Dollar und damit auf einem Rekordniveau. Die Regierung habe zudem einen Kreditrahmen von 9 Billionen Uganda-Schilling beschlossen, umgerechnet 2,5 Milliarden US-Dollar.

Die Deutsche Welle schildert, viele Menschen spürten die direkten Effekte der Kreditaufnahme kaum, weil versprochene Ergebnisse ausblieben. Ökonomen und Stimmen aus der Öffentlichkeit verbinden die Verschuldung mit Problemen bei der Umsetzung öffentlicher Projekte. Genannt werden unter anderem nicht gebaute Straßen, vernachlässigte Gesundheitseinrichtungen sowie verzögerte oder unfertige Infrastruktur.

Ein Ökonom wird mit der Einschätzung zitiert, die Regierung verweise auf eine Verschuldung von rund 51 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Aus Sicht des Ökonomen sei die Nutzung der Mittel entscheidend. Kredite seien nicht grundsätzlich problematisch, aber es gebe wiederholt Zweifel, ob die Mittel zweckgerecht eingesetzt würden.

Die Deutsche Welle berichtet zudem, die Regierung versuche, die inländische Kreditaufnahme zu reduzieren. Genannt wird ein Plan, die Ausgabe inländischer Schuldtitel im kommenden Haushaltsjahr um 21,1 Prozent zu senken. Als Begründung werde unter anderem angeführt, private Investitionen sollten nicht verdrängt werden und die Zinslast solle begrenzt werden.

Zinslast, Haushaltsdruck und politische Folgen

Ein weiterer Punkt ist die künftige Belastung des Staatshaushalts durch Schuldendienst. Laut Deutscher Welle könne der Schuldendienst im Haushaltsjahr 2026–2027 fast ein Drittel der inländischen Staatseinnahmen beanspruchen. Zusätzlich wird auf hohe Zinsen bei inländischer Kreditaufnahme verwiesen, genannt werden 15 bis 17 Prozent.

In der öffentlichen Debatte werde auch Korruption als Faktor genannt, der Vertrauen in die Finanzverwaltung untergrabe. Mehrere Gesprächspartner der Deutschen Welle verbinden steigende Schulden mit dem Eindruck, dass die Bevölkerung nur begrenzt profitiere, während einzelne Akteure Vorteile hätten.

Öl als Wachstumsanker: Erwartungen und offene Fragen

Die Deutsche Welle berichtet, die Regierung setze auf künftige Einnahmen durch Ölproduktion. Der Start der kommerziellen Förderung werde für dieses Jahr erwartet. Daraus leite der Staat Wachstumsprognosen ab, genannt wird ein erwartetes Wachstum von 10,4 Prozent im Haushaltsjahr 2026–2027.

Gleichzeitig wird in dem Bericht betont, dass Ökonomen Zweifel äußern, ob Öleinnahmen automatisch zur Lösung der Schuldenproblematik führen. Als zentrale offene Punkte werden die Qualität der Deals, die Steuerung der Einnahmen und die Wirksamkeit von Reformen genannt.

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