Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland warnt nach dem Wahlsieg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern vor zunehmendem Druck auf Schwarze Menschen, migrantische Communities und andere Minderheiten. Die Stellungnahme veröffentlichte die bundesweite Selbstorganisation am 21. September 2026, einen Tag nach der Landtagswahl. Die AfD wurde mit 38,2 Prozent stärkste Kraft und konnte ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln, während die CDU mit 4,9 Prozent erstmals den Einzug in ein Landesparlament verfehlte. Zwei Wochen zuvor hatte die AfD bereits die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent gewonnen.
Die ISD sieht die Entwicklung nicht nur als Veränderung parlamentarischer Mehrheiten. Sie befürchtet Auswirkungen auf Menschen, die von Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen der Diskriminierung betroffen sind. In ihrer Erklärung ruft die Organisation deshalb zu einer stärkeren Vernetzung Schwarzer Communities, Geflüchteter sowie jüdischer und anderer zivilgesellschaftlicher Gruppen auf.
AfD gewinnt 21,5 Prozentpunkte hinzu
Das Ausmaß der Verschiebung in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich im Vergleich mit der Landtagswahl 2021. Damals hatte die AfD 16,7 Prozent erreicht. Bei der Wahl am Sonntag stieg ihr Zweitstimmenanteil auf 38,2 Prozent. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kam auf 35,5 Prozent, nach 39,6 Prozent fünf Jahre zuvor. Linke und Grüne zogen ebenfalls in den Landtag ein.
Besonders stark verlor die CDU. Sie fiel von 13,3 auf 4,9 Prozent und ist damit nicht mehr im Schweriner Landtag vertreten. Nach der vorläufigen Sitzverteilung erhält die AfD 32 der 71 Mandate, die SPD 29, Linke und Grüne jeweils fünf. Damit verfügt die AfD zwar über die größte Fraktion, aber nicht über eine eigene Regierungsmehrheit. SPD, Linke und Grüne kommen zusammen auf 39 Sitze.
Die Wählerwanderung von Infratest dimap zeigt, dass die AfD nicht nur frühere Anhänger anderer Parteien gewann. Der größte positive Saldo kam mit rund 66.000 Stimmen aus dem bisherigen Nichtwählerlager. Gegenüber der SPD gewann die Partei per Saldo etwa 48.000 Stimmen, gegenüber der CDU rund 32.000 und gegenüber der FDP etwa 16.000.
ISD befürchtet Folgen für Schwarze und migrantische Communities
Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland bewertet das Wahlergebnis aus der Perspektive der von ihr vertretenen Communities. Die Organisation spricht von der Gefahr, dass sich rassistische und antisemitische Anfeindungen infolge des politischen Erfolgs der AfD weiter verschärfen könnten.
„Wir gehen daher vom Schlimmsten aus“, heißt es in der Stellungnahme mit Blick auf mögliche Übergriffe und ein aggressiveres gesellschaftliches Klima. Die ISD verbindet diese Befürchtung mit der Entwicklung in Sachsen-Anhalt und fordert, Schwarze, migrantische und jüdische Organisationen stärker miteinander zu vernetzen.
Die Organisation kritisiert zugleich migrationspolitische Forderungen der AfD. Im Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Partei unter anderem eine eigene „Grenz- und Rückführungspolizei innerhalb der Landespolizei“ sowie eine stärkere Unterbringung von Geflüchteten in Sammelunterkünften gefordert.
Mecklenburg-Vorpommern hat einen besonders niedrigen Migrantenanteil
Die ISD verweist in ihrer Stellungnahme auch darauf, dass migrationspolitische Forderungen in einem Bundesland eine große Rolle im Wahlkampf spielten, das einen vergleichsweise niedrigen Anteil ausländischer Bevölkerung aufweist.
Die Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigen diesen Befund. Ende 2025 lebten in Mecklenburg-Vorpommern rund 103.000 Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Das entsprach 6,5 Prozent der Bevölkerung und damit dem niedrigsten Anteil aller Bundesländer. Bundesweit lag der Anteil bei 14,9 Prozent.
Auch bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte liegt Mecklenburg-Vorpommern deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Der Mikrozensus für 2025 weist rund 135.000 Menschen mit Einwanderungsgeschichte unter etwa 1,55 Millionen Menschen in Privathaushalten aus.
Bereits nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September hatte sich die ISD mit einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Dort erreichte die AfD 43,8 Prozent der Zweitstimmen und legte gegenüber 2021 um 23 Prozentpunkte zu. Die CDU fiel auf 17,2 Prozent.

Auch damals richtete die Organisation den Blick vor allem auf mögliche Auswirkungen auf Schwarze Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete sowie jüdische und muslimische Communities. Sie kündigte an, ihre Vernetzung und Selbstorganisation auszubauen.
Die ISD wurde 1985 gegründet und gehört zu den ältesten bundesweiten Selbstorganisationen Schwarzer Menschen in Deutschland. Sie vertritt nach eigenen Angaben die Interessen Schwarzer Menschen in Gesellschaft und Politik und arbeitet unter anderem zu Rassismus, politischer Teilhabe und Diskriminierung.

