Afrikanische Staaten geraten nach Einschätzung der Münchner Sicherheitskonferenz zunehmend unter Druck durch den Rückzug zentraler internationaler Geber und eine Abkehr von regelgebundener Entwicklungs- und Handelspolitik. Der Munich Security Report 2026 beschreibt Afrika als eine der Regionen, in denen die Folgen der veränderten internationalen Ordnung am unmittelbarsten spürbar sind.
Der Bericht wurde heute veröffentlicht. Er analysiert die Auswirkungen globaler politischer Verschiebungen auf Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und wirtschaftliche Stabilität.
Entwicklungs- und humanitäre Finanzierung unter strukturellem Druck
Nach Darstellung des Reports waren zentrale Programme der Entwicklungs- und humanitären Zusammenarbeit bereits vor den jüngsten politischen Kurswechseln unterfinanziert. Die nun einsetzenden Kürzungen großer Geberländer verschärfen diese Lage weiter, insbesondere in afrikanischen Staaten mit hoher Abhängigkeit von externer Unterstützung.

Mehrere laufende humanitäre Maßnahmen sind nicht vollständig gedeckt, obwohl der Bedarf durch bewaffnete Konflikte, klimabedingte Extremereignisse und steigende Lebensmittelpreise weiter zunimmt. Ausfälle einzelner Geber konnten bislang nicht durch andere Akteure ersetzt werden.
Abkehr von langfristiger Entwicklungslogik
Der Munich Security Report 2026 beschreibt eine Verschiebung weg von langfristig angelegter Entwicklungszusammenarbeit hin zu kurzfristig national ausgerichteten Interessen der Geberstaaten. Diese Entwicklung habe die Planbarkeit von Projekten in Afrika deutlich reduziert.
Politikfelder wie Ernährungssicherung, Gesundheitsversorgung und Bildungsprogramme geraten stärker unter geopolitische Vorbehalte. Gleichzeitig verlieren multilaterale Koordinationsmechanismen an Bedeutung, während bilaterale und transaktionale Ansätze zunehmen.
Südafrika als exponierter Akteur
Südafrika nimmt im Bericht eine besondere Stellung ein. Als wirtschaftlich stärkster Staat im südlichen Afrika und als diplomatischer Akteur in multilateralen Foren ist das Land laut Report verstärkt externem politischen und wirtschaftlichen Druck ausgesetzt.

In den vergangenen Monaten wurde Südafrika wiederholt Ziel politischer Interventionen, die über klassische Diplomatie hinausgehen. Diese Einflussnahmen reichen bis in innenpolitische Debatten und institutionelle Entscheidungsprozesse hinein und stehen im Zusammenhang mit einem globalen Trend, strategisch relevante Staaten stärker unter direkten politischen Druck zu setzen.
Regionale Verantwortung und indirekte Belastungen
Obwohl Südafrika selbst nicht zu den klassischen Empfängerländern humanitärer Hilfe zählt, zeigen sich erhebliche indirekte Effekte. Instabilität und wirtschaftliche Schwäche in Nachbarstaaten erhöhen den migrations- und sicherheitspolitischen Druck auf Pretoria.
Gleichzeitig wachse die Erwartung, dass Südafrika innerhalb der Region eine stabilisierende Rolle übernimmt. Der Bericht stellt fest, dass diese Verantwortung auf ein Land trifft, das selbst mit wirtschaftlichen Strukturproblemen, Energieengpässen und sozialer Ungleichheit konfrontiert ist.
Handelspolitische Unsicherheiten mit Folgen für Afrika

Neben der Entwicklungs- und humanitären Dimension thematisiert der Munich Security Report 2026 auch die Auswirkungen globaler handelspolitischer Spannungen auf afrikanische Volkswirtschaften. Nicht regelgebundene Handelsmaßnahmen und wachsende Unsicherheiten im Welthandel erschwerten Investitionen und Exportplanung.
Besonders anfällig sind Volkswirtschaften, die stark von einzelnen Exportsektoren abhängen. Diese Unsicherheiten wirken sich zudem hemmend auf regionale Integrationsprojekte aus.
Afrikanische Perspektiven auf die internationale Ordnung
Der Report beschreibt die Wahrnehmung der aktuellen globalen Umbrüche in Afrika als ambivalent. Einerseits werde der Rückgang westlicher Dominanz als potenzielle Öffnung hin zu einer multipolareren Weltordnung gesehen. Andererseits betont der Bericht, dass die praktische Ausgestaltung dieser Ordnung bislang vor allem neue Unsicherheiten erzeugt.
Für Südafrika und andere afrikanische Staaten gehen größere außenpolitische Spielräume häufig mit erhöhter Unsicherheit einher. Die Erosion verlässlicher internationaler Rahmenbedingungen erschwert langfristige Entwicklungs- und Investitionsstrategien.