Bei Drohnenangriffen in mehreren Bundesstaaten des Sudan sind innerhalb von zwei Tagen mindestens 57 Menschen getötet worden, darunter mindestens 15 Kinder. Am 18. Februar 2026 zeigte sich der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, alarmiert über die Berichte und warnte vor den Folgen der zunehmenden Drohnenkriegsführung für die Zivilbevölkerung.
Die Angriffe ereigneten sich zwischen dem 15. und 16. Februar in vier sudanesischen Bundesstaaten. Seit April 2023 befinden sich die sudanesischen Streitkräfte und die paramilitärischen Rapid Support Forces im Krieg gegeneinander.
Markt, Schulen und Schutzunterkunft getroffen
Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros traf am 15. Februar eine mutmaßlich von den sudanesischen Streitkräften eingesetzte Drohne den Markt Al Safiya in der Ortschaft Sudari im Bundesstaat Nord-Kordofan. Dabei sollen 28 Zivilisten getötet und 13 weitere verletzt worden sein.

Am folgenden Tag wurde im Bundesstaat West-Kordofan eine Unterkunft für Binnenvertriebene in Al Sunut durch eine mutmaßliche Drohne der sudanesischen Streitkräfte getroffen. 26 Zivilisten kamen demnach ums Leben, unter ihnen 15 Kinder. 15 weitere Personen wurden verletzt.
Ebenfalls am 16. Februar griffen mutmaßliche Drohnen der Rapid Support Forces zwei Grundschulen in Dilling im Bundesstaat Süd-Kordofan an. Über mögliche Opfer liegen bislang keine bestätigten Zahlen vor.
Im Bundesstaat Sennar traf eine mutmaßliche Drohne der Rapid Support Forces am 15. Februar das Al-Mazmoun-Krankenhaus. Mindestens drei Zivilisten wurden getötet und mindestens sieben weitere verletzt. Am selben Tag wurde zudem ein Treibstofflager auf einem lokalen Markt in Adikong im Bundesstaat West-Darfur durch eine mutmaßliche Drohne der sudanesischen Streitkräfte getroffen. Über die Zahl der Opfer gibt es hierzu noch keine gesicherten Angaben.
„Die fortgesetzten Angriffe aller Parteien auf zivile Objekte müssen aufhören“, erklärte Volker Türk. Die Konfliktparteien müssten dringend Maßnahmen ergreifen, um Zivilisten zu schützen, und dürften zivile Einrichtungen nicht für militärische Zwecke nutzen.
UN-Konvoi erreicht Süd-Kordofan
Parallel zu den Angriffen erreichte ein gemeinsamer Hilfskonvoi mehrerer UN-Organisationen erstmals seit über zwei Jahren weitgehend abgeschnittene Gebiete in Süd-Kordofan. 26 Lastwagen transportierten medizinische Güter, Lebensmittel, Nahrungsmittelergänzungen, Medikamente sowie Materialien für Wasser- und Sanitärversorgung und Bildung in die Städte Dilling und Kadugli.

Die Lieferungen sind für mehr als 130.000 Menschen bestimmt. Darunter befinden sich Nahrungsmittel für nahezu 70.000 Personen, einschließlich 21.000 Müttern und Kindern, sowie Spezialnahrung zur Vorbeugung von Mangelernährung. Zudem wurden Medikamente für fünf Monate zur Behandlung von HIV, Tuberkulose und Malaria geliefert.
Der Konvoi wurde vom World Food Programme, vom UNICEF und vom United Nations Development Programmekoordiniert. Aufgrund intensiver Kämpfe und unsicherer Bedingungen musste die Mission mehr als 40 Tage pausieren und schließlich eine längere Offroad-Route nutzen.
UNHCR startet neuen regionalen Hilfsappell
Vor dem Hintergrund anhaltender Kämpfe und zunehmender Fluchtbewegungen hat das UNHCR einen neuen regionalen Hilfsplan für 2026 vorgelegt. Der Sudan Regional Refugee Response Plan sieht Mittel in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar vor, um 5,9 Millionen Menschen in sieben Nachbarstaaten zu unterstützen: Zentralafrikanische Republik, Tschad, Ägypten, Äthiopien, Libyen, Südsudan und Uganda.

Seit Beginn des Krieges im April 2023 gilt die Sudan-Krise als größte Vertreibungssituation weltweit. Mehr als 4,3 Millionen sudanesische Flüchtlinge befinden sich in der Region, die meisten in Ägypten und im Osten des Tschad. In Ägypten sind die registrierten Flüchtlingszahlen seit 2023 nahezu vervierfacht.
Nach Angaben des UNHCR ist die Finanzierung pro Flüchtling und Monat von 11 auf 4 US-Dollar gesunken. In Ost-Tschad warten rund 234.000 Menschen auf eine Umsiedlung, während zehntausende Familien keine ausreichende Unterkunft erhalten haben. In Uganda führten Klinikschließungen und die Aussetzung von Ernährungsprogrammen zu zusätzlichen Risiken für Geflüchtete.
UN-Vertreter warnten, dass die wachsende Lücke zwischen steigenden humanitären Bedarfen und sinkenden finanziellen Ressourcen die Notfallmaßnahmen und mittelfristigen Lösungen gefährde.