Michelle Bachelet kandidiert als UN-Generalsekretärin

Chile hat am 2. Februar 2026 die Kandidatur von Michelle Bachelet für das Amt der Generalsekretärin der Vereinten Nationen eingereicht. Die frühere chilenische Präsidentin soll auf António Guterres folgen, dessen Amtszeit Ende 2026 endet. Unterstützt wird die Bewerbung von Brasilien und Mexiko. Die Entscheidung fällt in eine Phase institutioneller und finanzieller Belastungen für die UN.

Offizielle Nominierung durch Chile

Der chilenische Präsident Gabriel Boric übermittelte die formellen Unterlagen zur Kandidatur von Michelle Bachelet an den Präsidenten der UN-Generalversammlung. Boric erklärte, die Bewerbung stehe für das gemeinsame Anliegen, dass Lateinamerika und die Karibik ihre Stimme bei der Lösung globaler Herausforderungen einbringen. Die Erklärung erfolgte in Santiago im Präsidentenpalast La Moneda.

Boric verwies zudem auf die Bedeutung von Demokratie, Multilateralismus, globaler Regierungsführung und Menschenrechten. Diese Werte seien zentral für die Rolle der Vereinten Nationen in einem internationalen Umfeld, das von Konflikten, Ungleichheiten und politischen Rückschritten geprägt sei.

Regionale Unterstützung aus Lateinamerika

Die Kandidatur Bachelets wird offiziell von Brasilien und Mexiko getragen. Innerhalb der lateinamerikanischen und karibischen Staatengruppe bei den Vereinten Nationen gilt die Auffassung, dass die Region turnusgemäß Anspruch auf die nächste Amtsperiode hat, die am 1. Januar 2027 beginnt.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sprach sich öffentlich für eine weibliche Führung der Vereinten Nationen aus. Er betonte, Erfahrung, Führungskompetenz und Engagement für den Multilateralismus qualifizierten Bachelet für die Leitung der Organisation in einer Phase globaler Krisen.

Michelle Bachelet erklärte bei der Vorstellung ihrer Bewerbung, sie fühle sich geehrt, nicht nur für Chile, sondern auch für Brasilien und Mexiko zu kandidieren. Sie zeigte sich dankbar für die staatlich unterstützte Nominierung und nahm die damit verbundene Verantwortung an. Nach Angaben chilenischer Regierungsvertreter soll der Wahlkampf unmittelbar beginnen und aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Weitere Kandidaten im Rennen

Mit der formellen Einreichung ist Bachelet die zweite offiziell gemeldete Kandidatin und bislang die einzige Frau im Bewerberfeld. Bereits zuvor hatte der argentinische Diplomat Rafael Mariano Grossi, derzeit Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, seine Kandidatur erklärt. Er wird von Argentiniens Präsident Javier Milei unterstützt.

Zudem gilt Rebeca Grynspan, Leiterin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung und frühere Vizepräsidentin Costa Ricas, als mögliche weitere Bewerberin. Eine formelle Erklärung steht noch aus.

Auswahlverfahren und institutioneller Kontext

Der Auswahlprozess für das Amt des UN-Generalsekretärs erfolgt vor dem Hintergrund erheblicher finanzieller Schwierigkeiten der Organisation. Der amtierende Generalsekretär António Guterres warnte jüngst vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. Hauptursache sind ausstehende Pflichtbeiträge, insbesondere aus den Vereinigten Staaten in Höhe von rund 2,2 Milliarden US-Dollar.

Die Sprecherin des Präsidenten der UN-Generalversammlung bestätigte den Eingang der Unterlagen für Bachelets Kandidatur. Demnach werden die Dokumente veröffentlicht, begleitet von einem gemeinsamen Schreiben der Präsidentin der Generalversammlung Annalena Baerbock und des amtierenden Präsidenten des SicherheitsratsJames Kariuki.

Die Generalversammlungsresolution 79/327 zur Stärkung der Arbeitsweise der UN sieht vor, dass Mitgliedstaaten jeweils nur eine Kandidatin oder einen Kandidaten nominieren dürfen, entweder allein oder gemeinsam mit anderen Staaten. Nach Einschätzung von Richard Gowan könnte die Unterstützung Mexikos für Bachelet andere potenzielle Bewerbungen aus dem Land ausschließen.

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