Macron kritisiert Sahel-Militärs vor Afrika-Gipfel in Nairobi

Frankreich will in Nairobi einen neuen Afrika-Kurs zeigen. Doch Macrons Seitenhieb auf Mali, Burkina Faso und Niger macht den Africa-Forward-Gipfel auch politisch brisant.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat vor dem Africa-Forward-Gipfel in Nairobi die Militärs in Mali, Burkina Faso und Niger scharf kritisiert. Am 11. und 12. Mai richtet Kenia den Gipfel gemeinsam mit Frankreich aus. Das Treffen soll Investitionen, Innovation und neue Finanzierungswege für afrikanische Volkswirtschaften vorantreiben. Macrons Äußerungen zu den Sahel-Staaten geben dem Gipfel jedoch eine politische Schärfe, die über die Wirtschaftsagenda hinausreicht.

Macron verteidigt Auswahl der Teilnehmer

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kenias Präsident William Ruto wies Macron den Eindruck zurück, Westafrika sei beim Gipfel nicht vertreten. Er nannte unter anderem die Präsidenten Senegals, Gabuns und der Demokratischen Republik Kongo als erwartete Teilnehmer.

Zu den Sahel-Staaten sagte Macron, drei Länder hätten sich „wegen des Putsches und des Verhaltens der militärischen Verantwortlichen“ selbst „vom Rest des Clubs“ entfernt. Er verwies dabei auch auf deren Verhältnis zur westafrikanischen Regionalorganisation ECOWAS.

Macron nannte Mali, Burkina Faso und Niger nicht nur als politische Problemfälle, sondern trennte ausdrücklich zwischen den Militärs an der Macht und der Bevölkerung. Frankreich könne mit einzelnen Regierungen uneins sein, sagte er sinngemäß, „aber wir sind nie uneins mit den Menschen“. Intellektuelle, Akademiker, Künstler und Unternehmer aus diesen Ländern seien beim Gipfel eingebunden.

Frankreich sucht neuen Zugang zu Afrika

Der Auftritt in Nairobi steht für den Versuch Frankreichs, seine Afrika-Politik breiter aufzustellen. Erstmals wird ein Gipfel dieses Formats gemeinsam mit einem anglophonen afrikanischen Land ausgerichtet. Das ist politisch bedeutsam, weil Frankreich seine Beziehungen zum Kontinent lange vor allem über frankophone Staaten strukturiert hat.

Macron stellte den Gipfel als pan-afrikanischen Ansatz dar. Afrika sei kein „Hinterhof“ Frankreichs, sagte er. Zugleich verteidigte er die Neuausrichtung seit 2017: Französische Unternehmen hätten bereits zuvor Marktanteile in frankophonen Ländern verloren, Afrika sei ein Wettbewerbsraum.

Kenia und Frankreich unterzeichnen elf Abkommen

Neben der politischen Debatte unterzeichneten Kenia und Frankreich in Nairobi elf Vereinbarungen in strategischen Wirtschaftsbereichen. Sie betreffen unter anderem die blaue Wirtschaft, Fischerei, zivile Kernenergie, digitale Infrastruktur, Wetterdienste, nachhaltigen Flugkraftstoff, Agrarsysteme und Verkehr.

Ein zentrales Projekt ist die Modernisierung des Nahverkehrs in Nairobi. Ruto bezifferte das Vorhaben auf 83 Millionen Euro. Außerdem wurde eine Vereinbarung zu Logistik- und Hafeninfrastruktur geschlossen. Der kenianische Präsident nannte dafür ein Volumen von 800 Millionen US-Dollar.

Macron verwies auf französische Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro. Dazu zählt ein Projekt des Konzerns CMA CGM zur Erneuerung von zwei Terminals im Hafen von Mombasa. Ein weiteres Vorhaben betrifft den Ausbau eines Windparks durch das Unternehmen Meridiam.

Ruto setzt auf Investitionen und Infrastruktur

Kenia präsentiert den Gipfel als Teil seiner Strategie, sich stärker als Produktions-, Logistik- und Innovationsstandort für Ost- und Zentralafrika zu positionieren. Ruto verwies auf Verkehr, Energie und Landwirtschaft als zentrale Bereiche seiner Entwicklungsagenda.

Auf die Frage, ob Kenia stärker nach Osten oder Westen blicke, sagte Ruto: „Meine Standardantwort ist: Wir schauen nach vorn.“ Frankreich sei für Kenia ein besonderer Partner, die Beziehungen zu anderen Staaten blieben davon unberührt.

Finanzierung und globale Reformen auf der Agenda

Der erste Gipfeltag steht unter dem Titel „Inspire and Connect“ und beginnt mit einem Wirtschaftsforum. Dort sollen Projekte aus afrikanischen und französischen Privatsektoren vorgestellt werden. Weitere Programmpunkte betreffen Jugend, Sport, Kultur- und Kreativwirtschaft.

Der zweite Tag ist Entwicklungsfinanzierung und globalen Fragen gewidmet. Im Mittelpunkt stehen die Reform der internationalen Finanzarchitektur, afrikanische Finanzinstitutionen, Gesundheit, Ernährungssouveränität, Wettbewerbsfähigkeit, Konnektivität sowie Frieden und Sicherheit. Teile der Gipfelergebnisse sollen in die Vorbereitung des G7-Gipfels einfließen, den Frankreich vom 15. bis 17. Juni in Évian ausrichtet.

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